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Manager sollen auf Gehalt verzichten

Von Markus Hennes, Handelsblatt
Im Streit um die Sanierung des Standort Deutschlands sind außer Einschnitten für die Arbeitnehmer nun auch die Millionengagen der Vorstände von Großkonzernen in den Blickpunkt geraten.
DÜSSELDORF. Nachdem 5 000 Beschäftigte von Siemens in zwei Handy-Werken am Niederrhein der Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich sowie dem Wegfall von Urlaubs- und Weihnachtsgeld zugestimmt hatten, verzichtete der Elektronikriese auf eine Verlagerung der Produktion nach Ungarn. Nun droht Daimler-Chrysler damit, die neue C-Klasse von Mercedes nur in Bremen und Südafrika zu produzieren, sollte die Belegschaft die vom Konzern angestrebten Kostensenkungen in Höhe von 500 Mill. Euro am Standort Sindelfingen blockieren. Für den Fall, dass man sich bis Ende dieser Woche einigt, bietet der Vorstand einen Gehaltsverzicht an.Am Fall Daimler-Chrysler erhitzen sich die Gemüter. Denn mit einem Jahresgehalt von gut zehn Mill. Euro ist Konzernchef Jürgen Schrempp einer der Großverdiener hier zu Lande. Von den Vormännern der Dax-30-Unternehmen bezog nur der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, mit 11,1 Mill. Euro ein noch höheres Einkommen. Setzt man allerdings Schrempps Gehalt in Relation zum Konzerngewinn von 448 Mill. Euro, sieht die Rechnung anders aus. Dann ist er die Nummer eins: 13,40 Euro je 1 000 Euro Gewinn hat Schrempp nach dieser Formel verdient. Weil die Deutsche Bank mit 1,36 Mrd. Euro einen dreifach höheren Überschuss erzielte, fällt Ackermann mit 8,20 Euro Gehalt je 1 000 Euro Gewinn deutlich ab.

Die besten Jobs von allen

Sind die Gehälter von Schrempp und Ackermann dennoch leistungsgerecht, oder verdienen Deutschlands Konzernmanager generell zu viel? Christian Näser, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Unternehmensberatung Kienbaum, beantwortet diese Frage mit Nein: ?Im Vergleich zu ihren Vorstandskollegen in Westeuropa liegen die Gehälter deutscher Manager in der unteren Hälfte der Vergütungsskala.?Allerdings sieht Näser die Konzernchefs durch die öffentliche Diskussion in die Defensive gedrängt. Tatsächlich hätten viele Manager wegen des gestiegenen Anteils ihres variablen Vergütung bereits Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. Dies wurde aber, so Näser, zu selten und nicht offensiv kommuniziert.So gab Siemens erst am Dienstag bekannt, die Einkommen seiner Führungskräfte bereits vor Monaten gekürzt zu haben. Mit Beginn des laufenden Geschäftsjahres haben die Münchener ein neues Vergütungssystems eingeführt, das vor allem Kürzungen bei den Sonder-Boni vorsieht. Die Bezüge der Vorstände werden dadurch in diesem Jahr um etwa zehn Prozent sinken. 2002/2003 hatte jedes Mitglied des Konzernvorstands im Schnitt noch 2,4 Mill. Euro verdient.Für Michael H. Kamarsch, Managing Partner der Unternehmensberatung Towers Perrin, handelt es sich bei der Forderung nach einem Gehaltsverzicht für Manager ?nicht um eine typisch deutsche Diskussion?. Jedoch sei in vielen Ländern die Vergütung von Führungskräften traditionell weitaus stärker vom Unternehmenserfolg abhängig als hier zu Lande. Gleichwohl sei jeder Topmanager, auch wenn sein Einkommen sinkt, gut beraten, mit der eigenen Vergütung sensibel umzugehen. ?Ein symbolischer Gehaltsverzicht des Vorstands hat eine starke emotionale Komponente.?Auch Ludwig Georg Braun, der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, hält einen Gehaltsverzicht von Managern ?für geeignet, betriebliche Umstrukturierungen zu unterstützen?. Einen generellen Gehaltsverzicht lehnt Braun allerdings ab. ?Dies wäre das falsche Signal.? Mehr denn je sei Deutschland darauf angewiesen, Führungsposten in der Wirtschaft mit Top-Leuten zu besetzen. ?Das erfordert ein attraktive Vergütung.?
Dieser Artikel ist erschienen am 21.07.2004