Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Man sieht sich

Business Schools gibt es genug, das merkt man schnell, wenn man die verschiedensten Werbebroschüren und Programme vor sich liegen hat. Jede hat ihre Vorzüge, Schwächen und Spezialitäten. So finden Sie die MBA-Schule, die für Sie richtig ist.
Doch was ist überhaupt die richtige Business School? Man kann es sich einfach machen: Die besten sind eben die, die in den einschlägigen Rankings, wie sie auch von karriere für die europäischen Schulen erstellt werden (zum aktuellen karriere-Ranking), die Plätze ganz oben besetzen. Oder noch einfacher: Die besten Business Schools tragen alle das Qualitätssiegel zumindest einer der beiden weltweit maßgeblichen Akkreditierungsorganisationen, der amerikanischen Association to Advance Collegiate Schools of Business (AACSB) oder ihres europäischen Counterparts EFMD, der European Foundation for Management Development, mit ihrer EQUIS-Prüfung.

Gut allein genügt nicht

Die besten Jobs von allen


Doch wirklich helfen können Rankings und Gütesiegel nicht. Eine "gute" Schule muss noch lange nicht die richtige für einen selbst sein. Hinzu kommt, dass die MBA-Programme sich trotz mancher Schwerpunkte und Spezialitäten nicht grundlegend unterscheiden. Der Master of Business Administration hat ja gerade den Vorzug, dass er Management-Know-how vermittelt, das sich überall anwenden lässt. Die Wahl der persönlich passgenauen Schule folgt anderen Kriterien: der eigenen Karriereplanung zum Beispiel, in welchem Land man seine berufliche Zukunft sieht, ob man an einer kleinen, intimen Business School studieren möchte oder an einer der großen Schmieden mit breiter Auswahl und hoher Internationalität

Gute Schulen gibt es viele, doch jede hat ihr eigenes Flair. Zwischen der wettbewerbsorientierten Harvard Business School etwa und Kellogg (Chicago), die stark auf Teamgeist setzt, liegen Welten. Genauso wie zwischen Columbia im Herzen New Yorks und Tuck, die in dem weit abgelegenen Universitätsstädtchen Hanover/New Hampshire ihren Campus hat.
Das Schweizer IMD ist ohne Zweifel eine Top-Adresse - aber eben nicht für jemanden, der seine berufliche Zukunft im Consulting oder Investmentbanking sieht. HEC Paris oder SDA Bocconi (Mailand) wiederum gehören nicht zu den allerbesten Business Schools in Europa. Aber wer seine berufliche Zukunft in Frankreich, in Italien oder in der Modeindustrie sieht, könnte keine bessere Wahl treffen. Die Moral von der Geschicht? Jede Schule hat ihre besonderen Stärken und Schwächen. Und - wie man bei uns in Düsseldorf sagt - jede Jeck is anders, also auch jeder MBA-Student. Es lohnt sich daher, sich jede Schule genauer anzusehen. Ein Dutzend der Besten haben wir für Sie schon einmal abgeklopft.?

Christoph Mohr

USA
Anderson/UCLA

Profil: Die University of California at Los Angeles, kurz UCLA, ist eine der prominentesten Hochschulen der Vereinigten Staaten. Ihr Business-Ableger, die Anderson School, ist weniger bekannt, obwohl hier schon seit 1939 ein MBA-Programm angeboten wird. Als eine der wenigen staatlichen unter den führenden US-Business Schools konkurriert Anderson mit der Haas School der University of California at Berkeley und der Stanford Graduate School of Business um den Ruf des besten MBA-Programms an der US-amerikanischen Westküste.
Stärken: Dank staatlicher Führung nimmt Anderson mit 35.500 Dollar vergleichsweise moderate Studiengebühren. Der UCLA-Campus liegt mitten in Showbiz-Land, in der Nähe von Santa Monica, Malibu, Bel Air und Beverly Hills.
Schwächen: In Deutschland ist Anderson nur wenigen ein Begriff. Wer hier seinen MBA macht, denkt an eine berufliche Zukunft in den USA.
Für wen: Für jeden, der einen guten MBA im sonnigen Kalifornien machen und dort bleiben will.
www.anderson.ucla.edu

China
CEIBS

Profil:Die China Europe International Business School (CEIBS) in Shanghai wurde 1994 in Kooperation mit der Europäischen Union und der alteingesessenen Shanghai-Jiaotong-Universität gegründet, um europäisches Management-Know-how nach China zu bringen. Sie beansprucht heute, die führende Business School in der Volksrepublik zu sein.
Stärken: Keine andere MBA-Schmiede bietet eine vergleichbare Kombination von authentischer China-Erfahrung und einem "richtigen" MBA. Die hier geknüpften Kontakte können Gold wert sein. Alle Langnasen lernen Chinesisch (Mandarin). Boomtown Shanghai, eine der Megastädte des 21. Jahrhunderts, liegt vor der Haustür.
Schwächen: Die CEIBS ist noch keine etablierte internationale Business School mit einem ausgewogenen Studentenmix von chinesischen und nicht-chinesischen Studenten. Ihr Beitrag zur Management-Forschung bleibt bislang gering.
Für wen: Für Asien-Orientierte, die ihre Zukunft in China sehen und hier Kontakte suchen.
www.ceibs.edu

USA
Columbia

Profil: Die Columbia Business School, Teil der New Yorker Columbia University, liegt nur wenige Minuten vom Finanzzentrum Wall Street entfernt. Der Standort zahlt sich aus: Viele MBA-Absolventen landen bei Firmen rund um die New Yorker Börse, viele Banker kommen zu Veranstaltungen an die Schule.
Stärken: Die Nähe zur Wall Street ist fraglos das größte Pfund, mit dem die Columbia Business School wuchern kann. Aber sie bietet noch mehr: In insgesamt 14 Dual-Degree-Programmen lässt sich neben dem MBA ein weiterer Abschluss erwerben, darunter Architektur, Ingenieurwissenschaften, Jura, Politik, Journalismus oder Zahnmedizin. Columbia gilt darüber hinaus als eine der herausragenden US-Business- Schools in "entrepreneurship".
Schwächen: In einer Weltmetropole mit allen ihren Verlockungen und Abgründen zu studieren, ist nicht jedermanns Sache, zumal das MBA-Programm mit 500 Studenten pro Jahrgang nicht gerade intim ist.
Für wen: Für alle, die mit einer beruflichen Zukunft in New York oder in der Finanzindustrie liebäugeln.
www.gsb.columbia.edu

Frankreich
HEC

Profil: Die Ecole des Hautes Etudes Commerciales, besser bekannt als HEC (sprich: asch-e-ce), ist neben ESSEC die führende französische Wirtschaftshochschule mit einem eigenen, riesigen Campus in Jouy-en-Josas, 20 Kilometer westlich von Paris. Der MBA kam später. Zusammen mit Stern (New York) und der London School of Economics bietet HEC auch einen Executive MBA an.
Stärken: Als eine der Elite-Hochschulen (Grandes Ecoles) des Landes bietet die HEC beste Kontakte zu praktisch allen französischen Top-Unternehmen. Das MBA-Programm legt großen Wert auf den Aspekt der Persönlichkeitsentwicklung. Französischkenntnisse lassen sich hier natürlich auch erwerben.
Schwächen: In Frankreich top, weltweit eine unter vielen. Auch wenn das MBA-Programm selbst sehr international ist, bleibt die unterentwickelte Internationalität der Schule ein Manko.
Für wen: Für Frankophile, die mit dem MBA eine Karriere in der Grande Nation anstreben und einschlägige Kontakte knüpfen wollen.
www.hec.fr

Deutschland
HHL

Profil: Die private Handelshochschule Leipzig (HHL) bietet zurzeit das beste eigenständig entwickelte MBA-Programm in Deutschland an. Als eine der ersten Business Schools hierzulande führt sie außerdem das Gütesiegel der AACSB und spielt somit auch in der internationalen MBA-Liga mit.
Stärken: Anders als die meisten ihrer - schlechteren - deutschen Wettbewerber hat die HHL keine vollmundigen Ankündigungen oder Versprechungen gemacht, sondern konsequent ihr MBA-Programm auf- und ausgebaut. Hinzu kommt der gute Ruf der Wirtschaftshochschule insgesamt, von dem zweifellos auch das MBA-Angebot profitiert.
Schwächen: Als Newcomer am Markt, noch dazu aus dem "Nicht-MBA-Land" Deutschland, hat es die HHL schwer, internationale Bekanntheit zu erlangen, was notwendig wäre, um die besten ausländischen Studenten nach Leipzig zu locken.
Für wen: Die erste Adresse für jeden, der einen MBA in Deutschland absolvieren will.
www.hhl.de

Spanien
IESE

Profil: Die von der umstrittenen katholischen Laienorganisation Opus Dei kontrollierte IESE Business School der Universität von Navarra gilt noch vor dem Instituto de Empresa (Madrid) und ESADE (Barcelona) als die zurzeit beste Business School der spanischsprachigen Welt. Auch in den maßgeblichen Rankings hat sie sich weit nach vorne geschoben und spielt heute auf den ersten europäischen Plätzen mit.
Stärken: Das IESE-MBA-Programm basiert auf dem Modell der Harvard Business School und bietet ein sehr gutes, umfassendes General-Management-Programm. Die Schule profitiert von besten Kontakten in der gesamten spanischsprachigen Geschäftswelt. Weniger bekannt ist ihre Stärke im Bereich Unternehmensgründung (Entrepreneurship) mit einem eigenen kleinen Wagniskapitalfonds.
Schwächen: Auch wenn keine Versuche ideologisch-religiöser Indoktrination bekannt sind, wirkt die Nähe zum Opus Dei auf viele abschreckend.
Für wen: Für Spanien- und Lateinamerika-Orientierte, die ein vollwertiges MBA-Programm am Mittelmeer suchen.
www.iese.edu

Schweiz
IMD

Profil: Bei vielen Unternehmen gilt das International Institute for Management Development in Lausanne (IMD) als beste europäische Business School. Das hängt vor allem mit den hochkarätigen Programmen für (Top-)Manager zusammen, die die ehemalige Nestlé-Weiterbildungseinrichtung anbietet. Das MBA-Programm dagegen ist mit nicht einmal 100 Studenten pro Jahrgang relativ klein und sehr kurz (zehn Monate).
Stärken: Das IMD gilt als die "internationalste" Business School in Europa. Die Schule unterhält beste Kontakte zu den Top-Unternehmen weltweit.
Schwächen: Das Format des MBA-Curriculums, das eher ein Leadership- als ein klassisches MBA-Programm darstellt, erlaubt keine Spezialisierung. Das IMD gilt als eher forschungsarm und schwach im Bereich Finance.
Für wen: Das IMD-Programm ist ideal für ältere MBA-Interessenten, die ihre berufliche Zukunft nicht in der Unternehmensberatung oder im Investmentbanking sehen.
www.imd.ch

Frankreich/Singapur
INSEAD

Profil: Das 1959 als Institut Européen d'Administration des Affaires gegründete INSEAD war die erste "richtige" Manager-Schule in Europa nach US-amerikanischem Vorbild. Die Schule in Fontainebleau, 80 Kilometer südlich von Paris, lebt von ihrer Internationalität. Seit einigen Jahren unterhält sie als einer der wenigen MBA-Anbieter weltweit auch einen eigenen Campus in Asien.
Stärken: INSEADs Standbein in Singapur erlaubt den MBA-Studenten, Asienluft zu schnuppern, ohne die üblichen logistischen Probleme einer Auslandsstation. Da die Schule schon fast 50 Jahre existiert, ist ihr Ehemaligen-Netzwerk entsprechend groß. INSEAD gilt nebenbei als die MBA-Schule mit dem besten Party-Faktor.
Schwächen: Obwohl INSEAD zu den drei besten Business Schools in Europa zählt, reicht sie an die führenden Business Schools in den USA immer noch nicht ganz heran.
Für wen: Für Leute, die in Europa internationales Flair und lockere Atmosphäre suchen.
www.insead.edu

Großbritannien
London Business School


Profil: Die London Business School ist nicht nur die Nummer eins in Großbritannien und eine der drei besten Business Schools Europas. Sie ist vor allem die einzige, die es mit der US-Konkurrenz aufnehmen kann, was auch dadurch unterstrichen wird, dass die LBS-Chefin Amerikanerin und ehemalige Clinton-Beraterin ist. Die Schule ist so international wie der Finanzplatz London. Das MBA-Programm folgt dem zweijährigen US-Modell.
Stärken: Finance ist die Stärke der London Business School, daneben punktet sie mit International Management und Strategy. Die Schule unterhält glänzende internationale Kontakte bis nach Indien und China.
Schwächen: Einige Disziplinen, beispielsweise Marketing, und der schuleigene Career Service gelten als unterentwickelt. Zu deutschen Unternehmen sind die Kontakte eher mau.
Für wen: Perfektes Sprungbrett in die Finanzwelt und zu allen britischen und internationalen Top-Arbeitgebern auf der Insel.
www.london.edu

Niederlande
RSM Erasmus


Profil: Die Rotterdam School of Management (RSM) der Erasmus-Universität, Top-Hochschule in den Niederlanden, ist mit einem der besten europäischen MBA-Programme auf dem Markt vertreten. Neben dem Vollzeit-MBA bietet die RSM einen berufsbegleitenden mit der US-Business-School Kenan Flagler und der Chinese University of Hong Kong an.
Stärken: "Diversity" ist das Schlüsselwort zum MBA-Programm der RSM. Die Schule legt sehr großen Wert auf eine bunte Durchmischung, sowohl was die geografische Herkunft der Teilnehmer anbelangt als auch ihren beruflichen und studienmäßigen Hintergrund.
Schwächen: Die RSM agierte lange Zeit weitgehend autonom von der Erasmus-Universität. Durch die Wiedereingliederung hat die Schule ein Stück ihrer Freiheit eingebüßt, was zum Beispiel die Curricula-Gestaltung betrifft.
Für wen: Wer ein gutes MBA-Programm "nebenan" sucht und dabei auf Multikulti-Erfahrungen und spannende Leute nicht verzichten will.
www.rsm.nl

Großbritannien
Said Business School


Profil: Die Business School der University of Oxford hat sich, obwohl erst 1996 begründet, innerhalb kürzester Zeit in die erste MBA-Liga in Großbritannien hochgearbeitet. Seit einer 20-Millionen-Pfund-Spende durch Wafic Said trägt sie dessen Namen. Solche Spenden erlaubten auch den Bau eines hochmodernen Gebäudes, das es ästhetisch mit jedem Museum für moderne Kunst aufnehmen kann.
Stärken: Die Said Business School profitiert vielfältig vom Nimbus und von der Infrastruktur der Universität Oxford. So ist jeder MBA-Student zugleich auch Mitglied eines der legendären Oxford-Colleges und damit auf Lebenszeit Teil eines hochkarätigen Netzwerkes. Als eine der wenigen bietet die Said Business School außerdem einen Schwerpunkt in Social Entrepreneurship.
Schwächen: Als Spätstarter verfügt die Said Business School bislang über kein eigenes großes Ehemaligen-Netzwerk.
Für wen: Für Liebhaber des Old-English-College-Flairs und sozial Ambitionierte.
www.sbs.ox.ac.uk

USA
Tuck


Profil:
Die Tuck School of Business ist Teil des prestigeträchtigen Dartmouth College im Universitätskaff Hanover/New Hampshire und mit über 100 Jahren eine der ältesten MBA-Schulen der Welt. In den USA zählt sie zu den zehn besten. Das Programm ist mit circa 300 MBA-Studenten für US-Verhältnisse klein, der Kontakt zwischen Studenten und Dozenten/Professoren entsprechend intensiv.
Stärken: Mit ihrem guten Ruf bietet die Tuck School entsprechende Jobperspektiven im eigenen Land. Und trotz ihrer Randlage zu den Finanzzentren New York und Chicago gehört Finance zu den unbestrittenen Stärken der Business School.
Schwächen: Als vergleichsweise kleine Business School bietet Tuck nicht das gleiche Angebot an Wahlpflichtkursen wie ihre großen Schwestern. Den abgelegenen Standort muss man mögen. In Deutschland kennt man die Schule kaum.
Für wen: Für jeden, der einen guten MBA in beschaulicher Atmosphäre machen will und eine Laufbahn in den USA anstrebt.
www.dartmouth.edu/tuck

USA
Wharton

Profil: Mit über 200 Vollzeit-Professoren und fast 900 MBA-Studenten ist die Wharton School der University of Pennsylvania in Philadelphia eine der größten Business Schools weltweit. In verschiedenen MBA-Rankings wird sie mittlerweile als weltweite Nummer eins geführt. In jedem Fall gilt sie neben Chicago als die beste im Bereich Finance.
Stärken: Neben ihrem Aushängeschild Finance hat Wharton auch in praktisch jedem anderen Bereich Qualität zu bieten. Ihre schiere Größe macht es möglich, dass sich die MBA-Studenten im zweiten Jahr aus den zahlreichen Kursangeboten ihr Studienprogramm nach Maß zusammenstellen.
Schwächen: Trotz ihres guten Abschneidens in den Rankings hat Wharton international nicht den Bekanntheitsgrad wie Konkurrent Harvard Business School. Die Kontakte nach Deutschland sind entsprechend schwach.
Für wen: Für Banker und alle anderen, die einen wirklichen Top-MBA made in USA in der Tasche haben wollen.
www.wharton.upenn.edu

Dieser Artikel ist erschienen am 06.11.2006