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Männliche Führungsriegen bremsen Frauen bewusst aus

Mehr als die Hälfte der weiblichen Führungskräfte im mittleren Management (56 %) verdienen aktuell weniger als 50.000 Euro im Jahr. Damit ist das Gehaltsniveau für Frauen in Führungspositionen auf das Niveau von 1986 zurückgefallen. Bei den männlichen Kollegen ist der Rückgang wesentlich weniger prekär. Nur rund ein Viertel der Männer in Führungspositionen muss sich zurzeit mit einem vergleichbar niedrigen Verdienst zufrieden geben. Das berichtet das Job- und Wirtschaftsmagazin Junge Karriere in seiner am 27. August erscheinenden Ausgabe unter Berufung auf bisher unveröffentlichte Ergebnisse einer aktuellen Studie der Hamburger Wirtschaftsprofessorin Sonja Bischoff.

?Nicht nur beim Gehalt, sondern auch bei der Besetzung von Führungspositionen fallen deutsche Frauen im internationalen Vergleich zurück?, beobachtet Jörn Hüsgen, Chefredakteur Junge Karriere. Gerade mal ein Zehntel der berufstätigen Frauen schafft es hierzulande auf den Chefsessel. Knapp die Hälfte der Deutschen (47 %) macht dafür die Unternehmen und männlich dominierten Führungsetagen verantwortlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Online-Umfrage von Junge Karriere unter 567 Teilnehmern. Danach glauben gut 30 Prozent der Befragten, dass Unternehmen Frauen beruflich ausbremsen, weil sie Ausfälle durch Mutterschaft fürchten.

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Knapp 17 Prozent geben den Männern in Vorständen und Managementpositionen die Schuld, weil sie Frauen bewusst ausgrenzen und lieber unter sich bleiben wollen. Knapp ein Drittel der Befragten sucht dagegen die Schuld bei den Frauen selbst: Sie glauben, dass Frauen beruflich nicht vorankommen, weil sie sich unter Wert verkaufen (21,16 %) oder den Konkurrenzkampf scheuen (9,71 %).

Zu wenig Kinderbetreuungsplätze sehen knapp 22 Prozent als Hauptgrund für die wenigen weiblichen Top-Führungskräfte. Tatsächlich steht in Deutschland nur für 8,5 Prozent der Kinder unter drei Jahren und für 14,3 Prozent der Schulkinder ein Krippen- oder Hortplatz zur Verfügung. Die Folge: Gut ausgebildete Frauen entscheiden sich zugunsten ihrer Karriere bewusst gegen Nachwuchs. Bereits 40 Prozent aller Akademikerinnen haben keine Kinder.

Umfrage: Warum machen Frauen so selten Karriere?

Unternehmen bremsen (potenzielle) Mütter aus: 30,5 %
Es fehlen Kinderbetreuungsplätze: 21,87 %
Frauen verkaufen sich unter Wert: 21,16 %
Männliche Führungsriegen wollen lieber unter sich bleiben: 16,75 %
Frauen scheuen den Konkurrenzkampf: 9,71 %

Quelle: Online-Umfrage von jungekarriere.com unter 567 Teilnehmern

Die September-Ausgabe von Junge Karriere erscheint am 27. August 2004.
Dieser Artikel ist erschienen am 26.08.2004