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Machtkampf bei MG Technologies

Bei MG Technologies gibt es Spekulationen um einen neuerlichen Führungswechsel. Vorstandschef Udo Stark, der erst im Juni vergangenen Jahres von MG-Großaktionär Otto Happel an die Spitze des Unternehmen geholt wurde, muss einem Zeitungsbericht zufolge gehen. Das Unternehmen wies die Spekulationen zurück.
HB FRANKFURT. Eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung werde über die Position Starks noch in diesem Monat befinden, heißt es in dem Bericht. Stark scheiterte auf einer Sitzung des Kontrollgremiums am Freitag mit seinem Vorhaben, den Aufsichtsrat dazu zu bewegen, Happel aus dem Gremium zu drängen. Der Aufsichtsrat stellte sich einstimmig gegen Stark. Damit gilt das Vertrauensverhältnis als zerstört. MG wies die Spekulationen zurück. "In der heutigen Aufsichtsratssitzung hat es außer der Ernennung von Herrn Peter Schenk zum Vorstandsmitglied der MG Technologies AG keine weiteren Beschlüsse gegeben", hieß es am Abend in einer Mitteilung.Aus Kreisen des Aufsichtsrates hieß es zuvor, der Streit zwischen dem Vorstand und seinem Großaktionär Otto Happel sei weitgehend beigelegt worden. Happel bleibt nach Unternehmensangaben in dem Kontrollgremium. Der Aufsichtsrat berief außerdem den Chef der Tochter Gea in den Konzernvorstand.

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?Die Differenzen wurden auf der heutigen Sitzung (des Aufsichtsrates) besprochen und weitgehend beigelegt?, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag aus den Kreisen. Faktische Konsequenzen werde es nicht geben. Zuvor hatte es geheißen, das Kontrollgremium erwäge auch die Möglichkeit, ihr Gremiumsmitglied Happel per Gerichtsbeschluss aus seinem Kreis auszuschließen. ?Grundsätzlich lässt sich die Frage, bis wohin nur gut kontrolliert und ab wann zu intensiv eingegriffen wird, nicht beantworten?, hieß es in den Kreisen weiter. Der Aufsichtsrat hatte auf seiner kurzfristig einberufenen Sitzung am Freitag über die Beschwerde des Vorstands diskutiert, dass sich Großaktionär und Aufsichtsratsmitglied Happel zu sehr in das Tagesgeschäft einmische.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Gea-Chef wird in MG-Konzernvorstand berufenEine Sprecherin von MG sagte dazu im Anschluss an die Sitzung, niemand sei aus dem Kontrollgremium ausgeschieden. Der Aufsichtsrat habe außerdem beschlossen, den Chef des Spezialmaschinenbauers Gea, Peter Schenk, mit sofortiger Wirkung in den Konzernvorstand zu berufen. Schenk werde seine derzeitige Position bis zur vollzogenen Verschmelzung der Gea auf die MG Technologies weiter ausüben. Der Chef des MG-Aufsichtsrates, Jürgen Heraeus, hatte in der vorigen Woche zu der außerordentlichen Sitzung eingeladen.Der Unternehmer Otto Happel hält 20,1 % der Anteile an der früheren Metallgesellschaft und sitzt seit vorigem Jahr im Aufsichtsrat. Er hatte 1999 seine Mehrheit an der Gea in die MG eingebracht und sich seither für die Fokussierung des Geschäfts der MG auf diese Tochter eingesetzt. Da der damalige MG-Vorstandschef Karl Josef (Kajo) Neukirchen diese Strategie nicht teilte, musste er im Sommer 2003 nach einem langen, teilweise öffentlich ausgetragenen Machtkampf mit Happel gehen. Der seither an der Spitze des Vorstands stehende Udo Stark galt als Protegee Happels, der dessen Vertrauen genoss. Nun heißt es im Unternehmen, Stark vertrete zwar dieselbe Strategie wie Happel, aber er wehre sich gegen die häufigen Einmischungen des Unternehmers in das operative Geschäft. ?Über die strategische Ausrichtung gab und gibt es keine Differenzen?, hieß es aus den Aufsichtsratskreisen hierzu.Die Aktien der im Nebenwertesegment MDax gehandelten MG gaben am Freitag kräftig nach. Zum Börsenschluss verbuchten sie bei einem Stand von 9,11 ? einen Verlust von 3,09 %.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.10.2004