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Macher mit spitzen Ellenbogen

Von Tobias Moerschen
Mit spitzen Ellenbogen und unkonventionellen Investitionen hat Stephen Schwarzman die Blackstone Group zu einer der weltweit führenden Beteiligungsgesellschaften gemacht. Dass er vor Konflikten nicht zurückschreckt, beweist sein Drang zu milliardenschweren Investitionen in Deutschland.
NEW YORK. Klein, freundlich, wasserblaue Augen und meist gerötete Pausbacken ? auf den ersten Blick sieht Stephen Schwarzman aus, als könne er kein Wässerchen trüben. Doch dieser Eindruck verfliegt schnell, wenn man den Chef der New Yorker Beteiligungsgesellschaft The Blackstone Group reden hört. Gern erzählt Schwarzman Anekdoten wie die vom arroganten Empfangschef eines Londoner Hotels, der ihn zu lange auf ein Treffen mit der Geschäftsführung warten ließ. Pech für den Herrn: Schwarzmans Firma kaufte das Hotel, und der neue Besitzer feuerte prompt den hochnäsigen Angestellten. Seine Bemerkungen würzt Schwarzman auch mit Kritik an allgemein akzeptierten Meinungen ? wie zum Beispiel der Ansicht, dass der US-Konjunkturboom noch Jahre anhält. Der Blackstone-Chef hat kürzlich spezielle Fonds für pleitebedrohte Unternehmen aufgelegt ? in Vorbereitung auf die nächste Rezession.Mit spitzen Ellenbogen und unkonventionellen Investitionen hat Schwarzman die Blackstone Group zu einer der weltweit führenden Beteiligungsgesellschaften gemacht. Dass er vor Konflikten nicht zurückschreckt, beweist sein Drang zu milliardenschweren Investitionen in Deutschland, trotz der ?Heuschrecken-Debatte? und trotz der monatelangen, hässlichen Auseinandersetzungen mit Minderheitsaktionären des Chemiekonzerns Celanese, den Blackstone übernahm und inzwischen an der New Yorker Börse platzierte. Das Prädikat ?unkonventionell? verdient sicherlich Schwarzmans jüngste Entscheidung, ein 4,5 Prozent großes Aktienpaket der Deutschen Telekom für 2,7 Mrd. Dollar zu kaufen. Traditionell konzentrieren sich Private-Equity-Firmen auf die Übernahme von Kontrollmehrheiten.

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Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kontake zur Elite der Geschäftswelt und der politischen Szene halfen Schwarzman beim Aufstieg.Doch angesichts von Schwarzmans Erfolgsbilanz würde es niemanden wundern, wenn sich auch der Telekom-Coup für ihn auszahlt. Seit der Gründung 1985 hat Blackstone mehr als 55 Mrd. Dollar für Investitionen in andere Unternehmen eingesammelt. Der jüngste Private-Equity-Fonds zählt mit mehr als zehn Mrd. Dollar Volumen zu den größten der Welt.Gemeinsam mit seinem zwanzig Jahre älteren Mentor und Mitgründer Peter Peterson verließ Schwarzman vor 21 Jahren die renommierte Investmentbank Lehman Brothers und startete ein völlig neues Unternehmen. ?Am Anfang hatten wir nur 200 000 Dollar Kapital je Gründer und unsere Kontakte?, erzählt Schwarzman. Das Wagnis zahlte sich aus: Das US-Magazin Forbes schätzt Schwarzmans heutiges Vermögen auf 2,5 Mrd. Dollar. Damit liegt der 59-jährige in der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt auf Platz 292.Bei seinem Aufstieg nutzte der Sohn eines Händlers aus Philadelphia seine Kontakte zur Elite der Geschäftswelt und der politischen Szene. Sein Geschäftspartner Peterson arbeitete einst als Wirtschaftsminister für den konservativen US-Präsident Richard Nixon. Der heutige Präsident George W. Bush studierte zusammen mit Schwarzman an der Eliteuniversität Yale.Zum Blackstone-Beraterkreis zählt bereits seit Jahren auch Ex-Telekom-Chef Ron Sommer, der sich allerdings aus den Verhandlungen mit dem Telefonriesen herausgehalten hat. Nach dem Telekom-Deal dürfte nun Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in Schwarzmans Visitenkartenkartei auftauchen.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.04.2006