Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Löschers Mann für Recht, Ordnung, Kunst und Kultur

Von Christoph Hardt
Der neue Siemens-Vorstand Peter Solmssen personifiziert den Umbruch an der Spitze: ein weltläufiger Jurist mit deutschen Wurzeln. Solmssen, das ist mehr als eine Personalie, es ist eine Botschaft, die zahlreiche Facetten zeigt.
Peter Y. Solmssen: neues Vorstandsmitglied bei Siemens. Foto: ap
MÜNCHEN. Will ein neuer Chef reüssieren, so gehört es zu den vielerorts erfolgreich erprobten Rezepten, dann auch neue Leute um sich zu scharen. Insofern haben die Korruptionsskandale, die Siemens seit Monaten erschüttern, für Peter Löscher, seit Juli Vorstandsvorsitzender, auch eine positive Seite: Sie sorgen automatisch für frischen Wind in der Siemens-Spitze. Schon Ende September wird ein Platz frei. Karl Feldmayer, von der Staatsanwaltschaft Nürnberg als Beschuldigter geführter Zentralvorstand, wird das Feld räumen. Dafür rückt mit Peter Y. Solmssen der erste US-Amerikaner in die Führungsspitze des Weltkonzerns ein (Y. soll übrigens für York stehen, sagen Freunde).Solmssen, das ist mehr als eine Personalie, es ist eine Botschaft, die zahlreiche Facetten zeigt. Erstens: Mit Solmssen bekommt ein Chefjustiziar erstmals Vorstandsrang, der 52 Jahre alte Jurist rückt als Antikorruptionschef ins Machtzentrum des Weltkonzerns auf. Zweitens personifiziert Solmssen die weitere Internationalisierung. Drittens steht er dafür, dass Siemens das größte Problem ? die Ermittlungen der amerikanischen Börsenaufsicht SEC ? zu einem für beide Seiten akzeptablen Ende führen will. Viertens kommt der perfekt Deutsch sprechende Manager direkt vom großen Rivalen General Electric (GE), und fünftens ist er mit all dem vor allem eins: Peter Löschers Mann.

Die besten Jobs von allen

Mit Solmssen haben Siemens und Löscher einen höchst interessanten Kopf für eine ziemlich knifflige Aufgabe gefunden. Er ist der Sohn des aus Berlin stammenden Juristen und Romanciers Arthur Solmssen. Er wächst in großbürgerlicher Umgebung auf. Wie sein Vater hat auch Peter in Harvard studiert, zuvor aber lernte er richtig Deutsch ? als Helfer bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Dort soll er die britische Königsfamilie vor den damals schon aktiven Paparazzi geschützt haben.Zurück in den USA, studierte er Literatur und Geschichte, dann Jura. Es folgte eine saubere amerikanische Juristenkarriere ? zunächst als Verwaltungsangestellter eines Bundesgerichts, dann als Anwalt für große Kanzleien. Für eine der ganz großen dieser Welt, Morgan, Lewis & Bockius baute er von 1989 bis 1998 das Frankfurter Büro auf.Dabei bekam er es als Chef für Mergers & Acquisitions auch mit Dax-Unternehmen zu tun. ?Ein durchsetzungsstarker Jurist und Manager, der aber weiß, wie wichtig Konsens ist?, sagt Christian Zschocke, Managing Partner von Morgan Lewis und Ex-Kollege. Ähnliche Qualitäten sagt man auch Peter Löscher nach.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Solmssen wechselt die Seiten und heuert beim Siemens-Rivalen an.Im Jahr 1999 wechselte Solmssen auf die andere Seite und ging zur Nummer eins, zum Siemens-Rivalen GE. Es heißt, der legendäre GE-Chef Jack Welch habe ihn abgeworben. Die Karriere ging also munter weiter, zunächst war er Chefjustiziar des Plastik-Bereichs, dann, ab 2004, Chefjurist der wichtigen Healthcare-Einheit. Dort, in London, lernte er später auch einen Mann namens Löscher kennen und schätzen. Der kam damals vom Rivalen Amersham, der von GE aufgekauft worden war.Bekannte und Kollegen schildern Solmssen als weltläufigen, freundlichen, zugleich aber auch entschlossenen Manager. Seit 1981 ist der Vater dreier Kinder verheiratet. Er liebt die Oper, gilt als Kunstliebhaber und dürfte auch in München gut aufgehoben sein. Als Lieblingssport nennt er Tennis, im Ehrenamt war er Vize der deutsch-amerikanischen Handelskammer in New York.Als Chefjustiziar und oberster Korruptionsbekämpfer rückt Solmssen bei Siemens nun in eine Schlüsselposition. Gegenüber dem Establishment wird ihm seine Deutschland-Erfahrung und die Liebe zur deutschen Kultur gewiss nicht schaden, in Richtung Amerika dürfte seine Expertise äußerst hilfreich sein. Schließlich gilt GE nicht nur in den USA als vorbildlich in Sachen Compliance. Siemens hat sich mit Solmssen davon einfach eine Scheibe abgeschnitten.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.09.2007