Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Lizenz zum Vordenken

Christoph Mohr
Anspruchsvoller als der MBA, praxisorientierter als die klassische Promotion: Wer den Doctor of Business Administration (DBA) macht, hat das Zeug zum Managementguru.
Christian Wunderlins Karriere dürfte es eigentlich nicht geben. Seit vier Monaten habilitiert sich der 36-Jährige an der Universität St. Gallen (HSG), der führenden Schweizer Hochschule, - ohne ein klassisches Abitur abgelegt zu haben. Denn der Sanierungsexperte, der mehrere klein- und mittelständische Unternehmen in der Schweiz "betreut", strebt nach Höherem. Er träumt von einer akademischen Laufbahn, zumindest im Nebenjob. "Ich kann mir durchaus vorstellen, später einmal eine Professur an einer großen Business School im Ausland anzunehmen."Möglich macht's der neue Studiengang Doctorate of Business Administration (DBA), den Wunderlin soeben als erster Absolvent an der Nimbas Business School in Bonn abgeschlossen hat. Im Ausland ist die akademische Variante des MBA längst etabliert. Vor allem in den USA haben viele große Business Schools in den letzten Jahren DBA-Programme in die Angebotspalette aufgenommen. Durchaus mit solidem Eigeninteresse: Gute Managementlehrer sind heute weltweit gesuchte Mangelware. Die DBAs, so die Hoffnung, werden die Managementgurus von morgen sein.

Die besten Jobs von allen

Traumhafte BedingungenEntsprechend hoch ist das Interesse etwa der Harvard Business School (HBS) an hochkarätigen Promoventen. Die HBS gilt als die weltweit forschungsstärkste Business School - vor Wharton, der Stanford Graduate School of Business oder der University of Chicago GSB. Und sie lockt mit tollen Konditionen: "Alle Promotionsstudenten erhalten für das erste Jahr ein Stipendium in Höhe von 26.000 US-Dollar", erklärt Janice McCormick, Executive Director of Doctoral Programs an der Harvard Business School. Ähnlich gute Bedingungen finden DBAler für die folgenden Jahre vor.Doch das Auswahlverfahren ist beinhart: "Vergangenes Jahr hatten wir über 800 Bewerbungen für unsere Promotionsprogramme", sagt McCormick. "Nur 27 Kandidaten wurden genommen." Ausgesucht wird nach Befähigung, nicht jedoch nach formaler Vorbildung. Um an der Harvard Business School zu promovieren, braucht es keinen MBA, nicht einmal einen Master.Hohe Schule des ManagementsWunderlin kam mit einem Diplom als Controller, einem MBA und viel beruflicher Erfahrung zu Nimbas, dem Deutschland-Ableger der britischen University of Bradford. Die Wahl fiel nicht schwer: "Ich habe die maßgeblichen MBA-Rankings genommen, geschaut, welche Business Schools darauf auch einen DBA anbieten, und welche davon in Europa." Das schränkte die Auswahl sehr ein. Nur einige wenige britische Schulen wie Cranfield, Durham, Henley, Manchester oder Leeds haben DBA-Programme im Angebot; in Deutschland ist Nimbas in Bonn (mit Bradford als titelvergebender Universität) die einzige.In Dauer und wissenschaftlichem Anspruch gleicht ein DBA-Programm einem klassischen Promotionsstudiengang. Der Unterschied liegt im Praxisbezug. Erwartet wird keine theoretische Grundlagenforschung, sondern anwendungsbezogene Arbeit. In der Regel schließen sich an das erste Jahr, in dem wissenschaftliches Arbeiten vermittelt wird, drei bis vier Jahre intensiver Forschungstätigkeit an, manchmal verbunden mit einer Lehrtätigkeit als "doctorial associate". Das Ganze ist deutlich durchstrukturierter als ein deutsches Promotionsstudium, mit Pflichtseminaren, intensiver Betreuung und ziemlichem Leistungsdruck.Nicht jeder macht den DBA mit der akademischen Zukunft im Blick. Für Thomas Köhler geht es schlicht um Karriere. Der 32-Jährige hat sich bei der Post vom Schalterdienst bis zum Logistikmanager hochgearbeitet und promoviert derzeit berufsbegleitend an der Cranfield School of Management. "Das Studium hat mir ermöglicht, Aufgaben zu übernehmen, an die ich mit meiner bisherigen Qualifikation nie herangekommen wäre", sagt der Postler. Auch die Bundeswehr profitierte schon von den neu erworbenen Fähigkeiten des Reserveoffiziers: bei Verlegung des Bundeswehr-Kontingents nach Afghanistan.Mittelfristig werden sich DBA-Absolventen so auch in den Unternehmen durchsetzen. Überall dort, wo es darum geht, komplexe Organisations- oder Managementprobleme zu lösen?.
Dieser Artikel ist erschienen am 26.07.2004