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Liebe deine Firma!

Die Inder sind da. Zum Beispiel Mohan Murti, Generalbevollmächtigter des indischen Polyesterriesen Reliance in Europa. Vor eineinhalb Jahren kaufte Reliance den deutschen Faserspezialisten Trevira. Anfangs dachten viele, mit den Indern könne das niemals gut gehen. Denkste. Von ihnen kann man einiges lernen.
Mister Murti, hatten die Leute von Trevira Angst, als die Inder kamen?
Mohan Murti: Es ist normal, wenn Menschen sich sorgen, was morgen wird, und sie sich fragen, was die Inder denn schon zu bieten haben

Fühlten Sie sich da nicht diskriminiert?
Nein. Eher herausgefordert

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Das klingt diplomatisch.
Das meine ich ganz ernst. Deutschland ist Exportweltmeister; und nun kommt da ein braunhäutiger Inder und will denen was beibringen

Wie deutsch ist Trevira heute noch?
Es ist eine deutsche Firma mit indischen Eigentümern. Die Geschäftssprache ist Deutsch, der Geschäftsführer ist ein Deutscher - ein 37-Jähriger. Nur der Marketing-Chef kommt aus Indien.

Was haben Sie dann geändert?
Das Geheimnis unseres Erfolgs in Indien heißt: Jeder Arbeiter soll einen Sinn dafür entwickeln, dass das Unternehmen auch ihm gehört, ein Stück von ihm ist. So auch bei Trevira. Wir wollten, dass keiner einfach mehr hierher kommt, seinen Job macht, Geld dafür kassiert, nach Hause geht, Bier trinkt und Trevira vergisst

Wie gibt man Mitarbeitern das Gefühl, eins mit dem Unternehmen zu sein?
Wie lange, meinen Sie, kann man einen Menschen triezen, indem man von ihm ständig verlangt, jetzt dies und morgen das zu machen? Nicht sehr lange. Man muss den Leuten Aktionsfreiheit geben. Vertrauen schenken. Vollkommenes Vertrauen, indem man ihnen Verantwortung überträgt und ehrlich versichert, dass sie für die Arbeit, die sie machen, unersetzlich sind

Hat das denn geklappt?
Wir sind sehr zufrieden. Wir wussten, dass es schwierig sein würde, bis man uns akzeptiert. Trevira wusste aber auch, das Reliance nicht irgendeine Firma ist. Wir gehören zu den 200 größten Unternehmen der Welt

Warum sind die Inder plötzlich so stark?
Durch unsere Öffnung für fremde Investitionen. Zudem haben wir eine große, junge Generation, die ehrgeizig ist. Wir bringen jährlich eine halbe Million gut ausgebildeter Ingenieure hervor. Diese Leute wollen reisen, erhalten internationale Erfahrung und sind dadurch top ausgebildet

Wie wichtig ist Deutschland für Indien?
Enorm wichtig - schon allein als Tor nach Europa. Deutschland hat fantastische Technologien. Indien sieht es als Senior-Partner in seinen Wachstumsträumen. Wir sprechen immer noch vom deutschen Wirtschaftswunder. Wir bewundern das sehr

Deutschland stagniert seit 15 Jahren.
Aber wir sehen sehr helles Licht am Ende des Tunnels. Die neue deutsche Regierung macht uns große Hoffnungen. Wachstum ist in Sicht. Wir glauben, die Veränderungen könnten in zwei Jahren geschafft sein

Und die Inder helfen uns dabei?
Indische Unternehmen werden noch mehr Jobs in Deutschland schaffen. Wenn junge Bewerber die Chance haben, für eine indische Firma zu arbeiten, ist das eine großartige Investition in ihre Karriere. Denn die Zukunft spielt vor allem in Indien und China

Die Fragen stellte Martin Roos

Dieser Artikel ist erschienen am 08.05.2006