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Lichtgestalt des Karnevals

Von Georg Weishaupt, Handelsblatt
Karnevalsprinz Manni I. ist im wirklichen Leben Unternehmer. Dem 50-Jährigen Manfred Kluth gehört eine Firma für Leuchtensysteme. Und Kluth ist nicht der einzige Unternehmer, der im Rheinland das Oberhaupt der Narren mimt.
HB HILDEN. ?Das war nix?, schimpft Manni I. später im Foyer der Stadthalle. Statt wie geplant durch die Mitte musste er seitlich von der Bühne zurück in den Saal. Und außerdem habe er ständig Anweisungen bekommen. Das passt dem Karnevalsprinzen von Hilden, einem Städtchen am Rande Düsseldorfs, gar nicht.Das ist vor allem der Unternehmer Manfred Kluth nicht gewohnt, denn das ist Manni I. im wirklichen Leben. Dem 50-Jährigen gehört eine Firma für Leuchtensysteme, die sich selbstbewusst ?der Kluth: GmbH? nennt. Der Elektromeister hat die Firma 1989 in Hilden gegründet. Heute beschäftigt er 25 Mitarbeiter und verkauft großflächige, computergesteuerte Lichtdecken und -wände in alle Welt. Sie leuchten in Foyers von Bürohäusern, auf Messen und in Armani-Läden.

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Kluth ist nicht der einzige Unternehmer, der im Rheinland das Oberhaupt der Narren mimt. Der Prinz des Kölner Dreigestirns hat einen Metallbau-Betrieb. Der Bauer kommt aus einer Immobilienfirma. Und seine Tollität im westfälischen Münster betreibt einen Getränkevertrieb.Aber warum zwängt sich ein gestandener Unternehmer in eine weiße Strumpfhose, schwarze Lackschuhe mit neckischen Strassbroschen und weite Pluderhosen? Ist das die Methode, um im rheinischen Klüngel neue Kontakte zu schaffen und so an Aufträge zu kommen? ?Nein, ich glaube nicht, dass jemand Prinz wird, um daraus einen großen wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen?, meint Volker Wagner vom Bund Deutscher Karneval e.V. in Köln, der für 4700 Karnevalsvereine in Deutschland spricht.Kluth sieht das ähnlich. ?Meine Kunden finde ich kaum in Hilden, sondern überall in Deutschland und im Ausland?, stellt Kluth klar. Warum dann? ?Sie können im Karneval viel für den Berufsalltag lernen?, lautet die verblüffende Antwort des kantigen Mannes mit der tiefen Stimme.?Zum Beispiel, wie man sich auf einer Bühne vor Hunderten von Leuten gut präsentiert.? In einem Altenheim küsste er einer Dame die Hand, und schon ?kreischten die Frauen wie die Teenies?, erzählt er. Das sind Erfahrungen, die er nutzt, wenn er in Hamburg oder Dubai für seine Lichtsysteme wirbt.Aber das Prinzsein ist nicht immer zum Lachen. Kluth, der sich im vergangenen Sommer ?aus dem Bauch heraus? für die Karnevalskarriere entschieden hat, findet sich plötzlich in allen Lokal- und Boulevard-Zeitungen der Region wieder. Jetzt muss er sich Schlagzeilen gefallen lassen wie ?Prinzenrolle rückwärts? oder ?Tränen, Zoff, Rücktritte?. Und das alles, weil er seinen eigenen Stil pflegt. Statt wie üblich eine fremde Partnerin als Prinzessin zu engagieren, nahm er seine Frau Marlene, ?weil die Chemie mit den Kandidatinnen nicht stimmte?, wie Prinzessin Marlene I. sagt. Außerdem sorgte er mit dem Abgang einer Hofdame für Wirbel.Die Reaktionen waren so heftig, dass er sich und seine Familie diffamiert sah und deshalb seine Kandidatur für den Hildener Stadtrat zurückzog. Aber beim Narrenvolk kommt der Mann gut an, der keine vorformulierten Texte abliest und den Freunde als ?manchmal überraschend unorthodox, aber als ehrlich und direkt? beschreiben.Und er lässt sich nicht lumpen. Er investiert nach eigenen Angaben rund 40 000 Euro und 570 Stunden Arbeitszeit in sein Prinzenleben. Dahinter steckt nicht nur Menschenfreundlichkeit. Er kann zwar nicht wie seinerzeit der Leverkusener Brauer Peter Ganser als Kölner Prinz für seinen Gerstensaft werben oder wie der Münsteraner Getränkehändler auf mehr Umsatz hoffen. Aber die Begriffe Licht und Kluth sollen sich schon einprägen. Sein Zepter sieht aus wie eine Riesentaschenlampe. Auf dem Karnevalsorden prangt das Firmenlogo, daneben leuchten drei Birnchen. Und der Tanzgarde in der Hildener Stadthalle überreicht er selbst gefertigte illuminierte Taschen aus Plastik und Metall und kann sich ein ?Der Kluth! Helau!? nicht verkneifen.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.02.2004