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Licht ins Dunkel

2006 wird es ernst für die Vorstände börsennotierter AGs: Per Gesetz zwingt Bundesjustizministerin Brigitte Zypries sie dazu, ihre Gehälter individuell offen zu legen. Fixe und variable Gehaltsanteile, wie erfolgsabhängige Komponenten oder Aktienoptionen, sollen einzeln aufgeschlüsselt werden. Den Aktionärsschützern geht der Gesetzentwurf aber nicht weit genug: An welchen Leistungen sich Erfolg misst und ?unter welchen Bedingungen die erfolgsabhängigen Komponenten des Gehalts gezahlt werden?, will die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wissen.

Mancher Vorstand würde dagegen das Gesetz am liebsten ganz kippen: Die zu erwartende Neiddebatte könne Gleichmacherei nach sich ziehen, fürchten beispielsweise die Chefs von Commerzbank und Münchener Rück. 16 der Dax-30-Unternehmen haben nun die Flucht nach vorn angetreten und listen freiwillig sämtliche Vorstandsgehälter auf. Das Gesetz werden sie damit jedoch nicht mehr verhindern ? und neben der Vergütung womöglich auch noch, so eine weitere Forderung, die Pensionsansprüche ihrer Ehemaligen transparent machen müssen. Auf der Umgehungsstraße befindet sich unterdessen Porsche: Mit Dreiviertelmehrheit nämlich kann die Hauptversammlung gegen die Gehälterveröffentlichung stimmen und so das Gesetz aushebeln. Was dem Sportwagenbauer in Familienbesitz nicht schwer fallen wird.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.05.2005