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Leo Kirchs rechte Hand

Von Hans-Peter Siebenhaar
Jan Mojto war die rechte Hand Leo Kirchs. Heute ist er einer der wichtigsten Filmproduzenten und Filmrechtehändler Europas. In Cannes wirbt er für sein neuestes Werk.
Alle, die in der Filmbranche etwas zu sagen haben, sind gekommen. Sie wollen Jan Mojto sehen. Der steht vorne auf der Bühne im großen Saal des Belle-Epoque-Hotels ?Majestic?. Der 58-Jährige spielt den Entertainer, erzählt Anekdoten und nimmt sich vor allem selbst auf den Arm. Aber unter der lockeren Oberfläche ist er angespannt, streicht sich nervös seine silbrigen Haare aus der Stirn.Denn Mojto will vor allem seine Filme verkaufen. Rund 25 Millionen Euro muss er für sein sechsstündiges Werk ?Krieg und Frieden? nach Leo Tolstoi auftreiben. Das ZDF, sein wichtigster Kunde, hat schon einen Millionenbetrag investiert. Auch das italienische Staatsfernsehen RAI und der ORF aus Österreich sind an Bord. Aber er braucht noch mehr Geld. Und das will er auf der Filmmesse im südfranzösischen Cannes auftreiben.

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Jan Mojto ist einer der wichtigsten Filmproduzenten und -rechtehändler in Europa. Ihm gehört die Filmproduktionsfirma EOS (Events on Screen), die etwa das Hochwasserdrama ?Sturmflut? oder Filmepen über römische Kaiser wie Augustus produziert hat. Er ist Mitinhaber der Kineos, die deutsche Film- und TV-Rechte im Ausland verkauft. Er betreibt den Musik-Bezahlsender ?Classica?. Seine Firmen kommen auf einen geschätzten Umsatz von rund 80 Millionen Euro. Er ist groß im Geschäft ? wieder.Vor fünf Jahren war das anders. Da war er ganz unten. Sein Ziehvater Leo Kirch stellte am 8. April 2002 den Antrag auf Insolvenz für die Kirch Media: der Auftakt zur spektakulärsten Firmenpleite der deutschen Medienbranche. ?Ich hätte nie gedacht, dass es so weit kommt?, sagt Mojto heute.Das war der Tiefpunkt in seiner Karriere. Vor 30 Jahren hatte der gebürtige Slowake Mojto beim fränkischen Winzersohn Kirch in München begonnen. Bereits 1977 startet Mojto als Drehbuchlektor bei der damals noch übersichtlichen Filmhandelsfirma. Er kommt mit seinem diplomatischen Geschick schnell voran. Sein Gespür für Stoffe, seine Leidenschaft für Filme und seine Risikobereitschaft machen ihn zu einem der wichtigsten Weggefährten Leo Kirchs. Schließlich wird er im Boomjahr 2000 sogar Vizechef der Kirch Media, des Herzstücks des Medienimperiums. Mojto, der mit einer deutschen Adeligen mit historischem Herrenhaus im österreichischen Zillertal verheiratet ist, profitiert in seiner Karriere von seinem außergewöhnlichen Sprachtalent. Mit seinen Geschäftspartnern in Rom, Madrid oder Paris verhandelt er souverän in den jeweiligen Landessprachen.Seinem Lehrmeister Leo Kirch bleibt er bis heute treu. Die Begeisterung für klassische Musik verbindet die beiden auch privat. Und Mojto ist ? zufällig oder auch nicht ? eine Art Nachlassverwalter der Kirchschen Firmen. Aus dem Insolvenzverfahren erwarb der clevere Ex-Angestellte nach einem Bieterkampf gegen die ARD die Vertriebsfirma Beta Film mit ihrem riesigen Filmrechtebestand und die Unitel mit ihrer 1000 Titel umfassenden Rechtebibliothek an Konzerten und Opern. Vor zwei Jahren gründet er Kineos, ein Unternehmen von Beta Film und Kirch Media, um die legendäre deutschsprachige Filmbibliothek der Kirch Media zu verwerten.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Einen Freundschaftsdienst hat Kirch nie vergessenWoher das Geld für seine Firmen stammt, verrät er nicht. Auch nach Jahren gibt der schlitzohrige Filmproduzent die Namen nicht preis. Es sei ein vermögender Investor aus dem Ausland (aber nicht aus der Schweiz), gibt er gebetsmühlenartig immer wieder zu Protokoll. Doch sein Verhältnis zu Leo Kirch und seiner Frau Ruth gilt als nach wie vor eng.Zur Illustration erzählt Mojto gern die Geschichte, wie Kirch seine Beziehungen in die damalige kommunistische CSSR spielen ließ und im Sommer 1983 die Ausreise von Mojtos Eltern erreichte. ?Kirch war ein Ermöglicher. Er sagte mir: ,Ich will, dass deine Eltern zu dir kommen??, erinnert sich Mojto. Das Geschäft war einfach: Kirch produzierte mit den Slowaken Filme. Und für die Devisen gab es im Gegenzug die Ausreisevisa. Jeweils zwei Visa pro Film.Diesen Freundschaftsdienst in Zeiten des Kalten Krieges hat sein leitender Angestellter Leo Kirch nie vergessen. Geblieben ist auch die Abneigung gegen Ideologien. Mojto, der 1969, ein Jahr nach dem Einmarsch der Russen in der CSSR, seine Heimat verließ, orientiert sich ebenso wie Kirch lieber an den Werten der katholischen Kirche. Es ist kein Zufall, dass das Duo zwischen 1993 und 2002 die gesamte Bibel, von der Genesis bis zur Geschichte der Apostel, verfilmen ließ.In seinem neuen Leben als Unternehmer ist Mojto selten in seiner Firmenzentrale im Münchener Vorort Oberhaching anzutreffen. Der Grandseigneur der Film- und Fernsehbranche, der opulente Essen schätzt und sich mit Jogging und Tennis fit hält, reist viel. ?Als Produzent und Verkäufer ist kaum jemand in Europa so gut vernetzt wie Jan Mojto?, sagt Ufa-Chef Wolf Bauer. Und Mojto, der auch in München wohnt, denkt zwar noch nicht ans Aufhören. Doch seit eineinhalb Jahren arbeitet eine seiner beiden Töchter für sein Musikunternehmen Unitel und den Bezahlsender Classica. Ist die studierte Kulturmanagerin eine potenzielle Nachfolgerin?Mojto geht es bei seinen Geschäften nicht nur ums Geld. Obwohl die Kasse bei einer nach eigenen Angaben zweistelligen Rendite stimmt: Kurz vor Weihnachten steht er an der Eingangstür der Alten Universität im verschneiten Salzburg. Mojto hat zum Privatkonzert mit Weltstar Anne-Sophie Mutter geladen. Mojto, Besitzer der Musikfirma Unitel und Betreiber des Bezahlsenders ?Classica?, hat das Konzert organisiert ? und lässt es mitschneiden. So verbinden sich seine Leidenschaft für Musik und das Geschäft aufs Vortrefflichste. Der Meister genießt es.
Dieser Artikel ist erschienen am 20.04.2007