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Lehrer-Chat im Internet

Rouben Bathke
Das Thema Schüler, Lehrer und Internet wird seit Jahren diskutiert. Im Unterricht werden Lern- und Infoangebote, die im Web stehen, noch nicht ausreichend ausgenutzt. Das Unternehmen IBM und das Land Brandenburg haben sich daher viel vorgenommen: Sie wollen nicht weniger als die Erziehung neu erfinden. "Reinventing Education" heißt der - etwas vollmundige - Titel eines gemeinsamen Bildungsprojekt.

Das Ziel ist hoch gesteckt: Lehrer von Brandenburger Schulen sollen sich per Internet vernetzen, Erfahrungen austauschen und Wissen teilen. Dazu hat der Informationstechnik-Anbieter IBM ein Internet-Portal eingerichtet. "Bisher sind Lehrer bei der Vorbereitung ihres Unterrichts oft auf sich allein gestellt", erklärt Jaan Netzow, bei IBM für das Projekt verantwortlich. "Das wollen wir ändern und Synergien schaffen."

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Nach Großbritannien, Italien und Irland ist Deutschland das vierte europäische Land, in dem IBM sein Lehrer-Projekt umsetzt. Über vierzig brandenburgische Schulen beteiligen sich an dem Projekt. Außerdem ist das Bildungsministerium des Landes Brandenburg mit im Boot, das gemeinsam mit dem IT-Dienstleister die Plattform entwickelt hat (Infos unter: www.bildung-brandenburg.de). Das Unternehmen hat den beteiligten Schulen Computer, Software und schnelle Internetzugänge im Wert von rund einer Million Euro zur Verfügung gestellt. Das speziell entwickelte Programm "Teachers' Workplace" basiert auf IBM-Anwendungen wie Lotus Notes.

In Zukunft sollen Lehrer über die Online-Plattform Fachinformationen und Unterrichtsmaterialien austauschen. Dabei stehen vor allem nicht alltägliche Themen wie Hochbegabtenförderung und Sonderpädagogik im Vordergrund. "In solchen Spezialbereichen ist der Bedarf besonders groß, Erfahrungen und Materialien auszutauschen", weiß IBM-Projektleiter Netzow. Wer nicht täglich damit zu tun hat, begegnet solchen Themen oft zunächst einmal mit Hilflosigkeit. Einen Online-Rat bei anderen Lehrern suchen, die nicht an der eigenen Schule unterrichten, wäre da ein guter Anfang.

Doch der Austausch hat erst begonnen: Rund 150 Pädagogen haben sich in den vergangenen Monaten bei "Teachers' Workplace" angemeldet. Die Aktivität in den Foren halte sich aber noch in Grenzen, berichtet Christian Theuner, Lehrer am Max-Steenbeck-Gymnasium in Cottbus und dort für das Online-Projekt verantwortlich. "Solch ein Netzwerk spielt seine Stärken erst aus, wenn sich viele Lehrer daran beteiligen. So weit sind wir im Moment noch nicht." Zur Zeit macht IBM rund fünfhundert Lehrer mit der Software vertraut. "Wenn sich das Netzwerk erst einmal mit Leben füllt, wird es ein sehr nützliches Instrument für uns sein", sagt Theuner. "Dann kommen Lehrer wesentlich einfacher an Fachinformationen als bisher."

Auf der Online-Plattform können Pädagogen Lehrinhalte hinterlegen, die Kollegen herunterladen können, um sie selbst zu nutzen. So findet sich auf der Seite bereits Material zur Begabtenförderung, darunter Aufsätze und Literaturhinweise.

Außerdem verfügt das Programm über eine so genannte Visitenkarten-Funktion, die Lehrern helfen soll, bei Fachfragen schnell den richtigen Ansprechpartner zu finden. Lehrer können zudem per Chat untereinander Informationen austauschen und Fragen diskutieren.

"Mit Teachers' Workplace können sich Lehrer in ganz Brandenburg vernetzen und virtuelle Wissensgemeinschaften bilden", sagt IBM-Projektleiter Netzow. "So wollen wir die Qualität des Unterrichts verbessern." Das Unternehmen hat bewusst das Land Brandenburg für sein Projekt ausgewählt, weil die Online-Kommunikation ihre Stärken in einem Flächenland besonders stark ausspielen könne - wegen der großen räumlichen Entfernung zwischen einzelnen Schulen.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.05.2007