Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Lebensphase <35> das Doppelverdiener-Paar

Ulrike Heitze
Für Denise Schumacher und Klaus-Peter Ehrlich-Schnelting ist die nächste einschneidende Veränderung schon in Sichtweite: Im Mai wollen sie heiraten. An der Wochenendbeziehung zwischen Darmstadt und Voerde am Niederrhein und ihren beiden Wohnungen soll sich aber vorerst nichts ändern.
Das ist der Fall:

Für Denise Schumacher und Klaus-Peter Ehrlich-Schnelting ist die nächste einschneidende Veränderung schon in Sichtweite: Im Mai wollen sie heiraten. An der Wochenendbeziehung zwischen Darmstadt und Voerde am Niederrhein und ihren beiden Wohnungen soll sich aber vorerst nichts ändern.

Die besten Jobs von allen


Die Familiengründung wollen sie später angehen, ein Kind, am liebsten aber mehr, sollen es aber irgendwann schon werden. Konkretes zu Babypause und Rückkehr in den Job hat die 32-jährige noch nicht geplant. In zehn Jahren will das Paar ein Haus kaufen. Der 38-jährige hat sich vorgenommen, in 15 Jahren nur noch so viel zu arbeiten wie er möchte und nicht wie er muss.

Derzeit verfügen die T-Online-Managerin und der selbstständige SAP-Berater über ein komfortables Einkommen. Nach Abzug aller fixen Kosten wie doppelte Miete, Bafoeg-Rückzahlung, Unterhalt für Klaus-Peter Ehrlich Tochter aus erster Ehe und Lebenshaltung bleiben ihnen monatlich ein paar tausend Euro für ihre Hobbys Tauchen, Skifahren, Theater und Klamotten. Als langfristige Strategen sehen sich beide nicht, eine Geldanlage sollte wegen der Familienplanung und schlechter Erfahrungen an der Börse risikoarm und pflegeleicht sein.

Für kurzfristige Ausgaben legt das Paar monatlich rund 100 Euro auf ein Sparbuch, 60 wandern in einen Fondssparplan. Darüber hinaus zahlen beide in Bausparverträge ein.

Neben Hausrat- und Haftpflichtversicherung besitzt Denise Schumacher eine Kapitallebensversicherung. Berufsunfähigkeitsversicherungen haben beide. Ihr Freund verfügt über zwei Risikolebensversicherungen ? eine als Sicherheit für sein Büro, eine für die Tochter.

Das rät der Experte:

Frau Schumacher und Herr Ehrlich sind in der typischen Double income no kids-Phase und sollten diese Zeit der zwei (hohen) Einkommen nutzen, so viel anzusparen wie möglich. Denn die beiden haben in den nächsten Jahren einiges vor. Dafür braucht das Paar viel Geld, zumal es bislang kaum etwas auf die hohe Kante gelegt hat. Hinzu kommen größere Unsicherheiten in der Zukunft: Zumindest in der Babypause fällt ein Einkommen weg und die Einkünfte eines Selbstständigen können stark schwanken.

Meine Empfehlung: Spar-Rate deutlich rauf, Lebenshaltungskosten runter. Denn unter der Annahme, dass die Ausgaben inklusive Inflationsausgleich in den nächsten Jahren auf dem jetzigen Niveau bleiben, benötigt das Paar für den vorgezogenen Ruhestand ein Versorgungskapital von mehr als drei Millionen Euro. Dazu müssten sie jeden Monat mehr als 13.000 Euro bei Seite legen. Ohne große Erbschaft oder Lottogewinn ist ihr Ziel so nicht erreichbar.

Deshalb rate ich, ein festes monatliches Spar-Budget zu definieren. 2.500 Euro wären gut. Die halbwegs sicher, mit vier Prozent Rendite nach Steuern auf 15 Jahre angelegt, ergeben ein Kapitel von rund 610.000 Euro. Das ist schon ein guter Wert.

Möglicherweise ist es sinnvoll, dass das Pärchen sich auf eine risikoreichere, aber dennoch attraktive Anlage einlässt. Es könnte in eine britischen Lebensversicherung einzahlen, wobei das Kapital zum großen Teil fremdfinanziert wird. Das hat zwei Vorteile: Nach 15 Jahren, am Finanzierungsende, steht eine monatliche ?Rente? für den frühzeitigen Ruhestand zur Verfügung. Und die Steuerlast wird jetzt reduziert, die monatliche Belastung hält sich in Grenzen. Das Risiko ist dann tragbar, wenn ausreichend Sicherheitspolster eingebaut werden. Leider gibt es am Markt schon wieder eine Vielzahl von ?schlechten? Angeboten zu solchen Rentensystemen. Eine sorgfältige Beratung, ob dies für das Paar die richtige Anlagestrategie ist, wäre hier also wichtig.

Darüber hinaus sollten die Eheleute eine eiserne Reserve aufbauen und zusätzlich noch in Investmentfonds sparen. Langfristige Verträge halte ich zurzeit nicht für gut. Flexibilität ist wichtig, da ja Frau Schumacher nicht weiß, wie lange sie noch verdienen wird und ob und wann sie nach den Babypausen wieder starten wird.

Wichtig erscheint mir auch ein Testament wegen der Tochter aus erster Ehe, denn viel zu häufig gibt es im Erbfall Streit bei Kindern aus zwei Ehen.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.01.2003