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Lebensphase +/? 30 die Familie

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Selbstständig sein war stets der Traum von Robert Hillebrand und seiner Freundin Aleksandra Bikar. Er hat ihn vor knapp einem Jahr wahr gemacht und zusammen mit einem Freund ein Architekturbüro in einer alten Glaserei in Köln-Ehrenfeld gegründet. Aleksandra Bikar arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Event-Managerin und ist nach Mutterschutz und betriebsbedingter Kündigung jetzt wieder auf Jobsuche. Die 37-Jährige möchte so bald als möglich in ihren Beruf zurückkehren ? am liebsten als Freiberuflerin ? oder alternativ angestellt in Teilzeit. Bis sie das passende gefunden hat, betreut sie als Vollzeit-Hausfrau die gemeinsame Tochter Lucy Maxime, 18 Monate alt.
Das ist der Fall:

Selbstständig sein war stets der Traum von Robert Hillebrand und seiner Freundin Aleksandra Bikar. Er hat ihn vor knapp einem Jahr wahr gemacht und zusammen mit einem Freund ein Architekturbüro in einer alten Glaserei in Köln-Ehrenfeld gegründet. Aleksandra Bikar arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Event-Managerin und ist nach Mutterschutz und betriebsbedingter Kündigung jetzt wieder auf Jobsuche. Die 37-Jährige möchte so bald als möglich in ihren Beruf zurückkehren ? am liebsten als Freiberuflerin ? oder alternativ angestellt in Teilzeit. Bis sie das passende gefunden hat, betreut sie als Vollzeit-Hausfrau die gemeinsame Tochter Lucy Maxime, 18 Monate alt.

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Für die Familie bestehen bereits eine Haftpflicht-, Hausrat- und Rechtschutzversicherung, zudem hat Aleksandra Bikar eine Kapitallebensversicherung über 50.000 Euro abgeschlossen. Hillebrands Beitrag für die Architektenkammer enthält eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die aber nicht sehr hoch ist. Für Tochter Lucy legen die Eltern 25 Euro im Monat auf ein Sparbuch ? für später.

In den nächsten Jahren steht für den 30jährigen Architekten erst mal das Büro im Mittelpunkt ? das will er ans Laufen bringen und eventuell die ersten Mitarbeiter einstellen. Heiraten will das junge Elternpaar vorerst nicht.

Gemeinsames Ziel in den nächsten zehn bis 15 Jahren: Ein Ferienhaus im Süden. Dort könnten sie sich auch vorstellen, im Alter zu leben und zu arbeiten. Denn mit 65 den Griffel fallen lassen, kommt nicht in Frage ? da ist sich das Paar einig. Arbeiten so lange wie möglich, ohne zu müssen und am liebsten freiberuflich, damit man sich die Zeit einteilen kann.

Das rät der Experte:

Im Hause Hillebrand/Bikar ist zurzeit alles etwas unsicher. Wie wird sich das Architekturbüro entwickeln? Steigt Frau Bikar bald wieder in den Job ein oder macht sie sich ebenfalls selbstständig ? und wie viel verdient sie dann? Daher mein Rat: Sich für diese unsichere Lage wappnen.

Der derzeitige Haupternährer Hillebrand hat zwar eine Berufsunfähigkeitsversicherung über die Architektenkammer, aber die dürfte für den Notfall nicht ausreichen. Deshalb erste Priorität: Prüfen, ob die Absicherung reicht und eventuell eine ergänzende Versicherung abschließen.

Selbstständige vergessen häufig, für Steuerzahlungen Rückstellung zu bilden. Meine Empfehlung: In der aktuellen Phase erst mal Liquidität aufbauen ? und zwar für Steuerzahlungen und oben drauf noch eine Reserve für schlechte Zeiten und unerwartete Investitionen von rund 15.000 Euro. Erst wenn die beiden soviel angespart haben ? beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto ?, sollten sie mit dem kontinuierlichen Vermögensaufbau für die Zukunft beginnen. Und zwar am besten über offene Immobilien- und breit streuende Aktienfonds. Von langfristigen Verträgen rate ich derzeit ab. Dazu ist die Unsicherheit in der Lebensplanung noch zu groß.

Für Tochter Lucy ist ein Fondssparplan aus meiner Sicht eine gute Form der ?Ausbildungsvorsorge?. Alternative: Eine Kombination aus Absicherung gegen Erwerbsunfähigkeit, Vermögensaufbau und Hinterbliebenenschutz; ein solches Kombiprodukt gibt es zum Beispiel von der schottischen Lebensversicherungsgesellschaft Standard Life.

Generell rate ich den beiden Erwachsenen, sich gegenseitig abzusichern, zum Beispiel mit einer Risikolebensversicherung über mindestens 250.000 Euro, die jeder Partner abschließt, aber nicht sein eigenes, sondern das Leben des anderen versichert. Vorteil: Im Todesfall erhält der Partner erbschaftssteuerfrei die Auszahlung.

Apropos Erben: Ich halte es für sehr wichtig, dass die beiden in einem Testament klären, wer sich um das Kind kümmert, was mit Geld, Vermögen und Firma geschehen soll, wenn einer stirbt. Auch Vollmachten für den Fall einer schweren Krankheit sind sinnvoll. Durch eine Heirat könnten Herr Hillebrand und Frau Bikar vieles automatisch regeln. Die Vollmachten sind aber auf jeden Fall sinnvoll. Und für die junge Familie wäre der Trauschein zurzeit sicher das beste Steuersparmodell. Aber das sollte natürlich nicht die Motivation sein, vor den Altar zu treten.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.01.2003