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Leben und Arbeiten in Djakarta

Von Christina Schott
Die Hauptstadt des größten muslimischen Landes der Welt ist chaotisch. Aber die Menschen der Mega-Metropole sind trotzdem immer freundlich. Zwei deutsche Auswanderer geben Einblicke in das Privat- und Geschäftsleben von Djakarta.
Chaotischer Verkehr in den Tropen. Jochen Sautter, 40, kam mitten in der Asienkrise. Das deutsch- indonesische Business Center für Mittelständler hat er trotzdem erfolgreich aufgebaut.

Die besten Jobs von allen

Wenn Jochen Sautter seine Gäste durch das moderne, achteinhalbstöckige German Center im Süden der indonesischen Hauptstadt Jakarta führt, glänzt trotz aller professionellen Zurückhaltung der Stolz in seinen Augen. ?Als ich 1996 zum ersten Mal hierher kam, gab es noch nicht mal eine durchgehende Straße zum Flughafen. Beim Baubeginn des German Center ein Jahr später steckte Indonesien mitten in der Asienkrise. In solchen Zeiten ein deutsch-indonesisches Businesscenter für mittelständische Betriebe aufzubauen, war eine große Herausforderung?, erzählt der 40-jährige Diplomkaufmann aus Pfullingen bei Stuttgart.Sautter musste erst einmal im Atlas nachsehen, wo Indonesien liegt, als ihm die baden-württembergische Landesbank anbot, als Projektmanager nach Djakarta zu gehen. Vor allem das tropisch-schwüle Klima und der chaotische Verkehr in der 12-Millionen-Metropole setzten ihm anfangs zu. Doch der Lateinamerika-Experte lernte schnell, sich in dem südostasiatischen Staat mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt zurecht zu finden. ?Die nützlichste Einführung bekam ich von einem indonesischen Anwalt, mit dem ich bis heute gut befreundet bin: Er gab mir Fahrunterricht im hiesigen Verkehr und erklärte mir, wie man zwischenmenschliche Probleme auf Indonesisch löst.? Heute parliert der sprachgewandte Schwabe mit einheimischen Geschäftsleuten auf Bahasa Indonesia, kennt sich mit den lokalen Essgewohnheiten aus und ist seit 2002 mit einer Indonesierin verheiratet. ?Das Businessumfeld hier ist sehr spannend. Man kann auf vielfältige Weise Erfolg haben, wenn man nur geduldig und flexibel bleibt?, erklärt der heutige President Director des German Centers, das auf seinen knapp 25000 Quadratmeter Fläche momentan gut ausgelastet ist.Weniger schön findet der Katzen- und Orchideenfan die verschmutzte Umgebung in der Megacity. ?Ich vermisse, dass ich hier in Parks spazieren gehen kann. Daher habe ich angefangen Golf zu spielen ? im Großraum Djakarta gibt es zwar kaum Parks, dafür aber 40 Golfplätze. Und das tropische Grün ist einfach toll.?Lesen Sie weiter auf Seite 2: Miriam Paschmann, Unternehmerin in JakartaGenutzte Chancen.Miriam Paschmann, 34, reiste ihrem Freund hinterher. Sogar bis nach Indonesien. Heute ist sie selbstständige Unternehmerin und gibt zehn Prozent des Gewinns an Straßenkinder.Meine größte Angst anfangs war, in diesem verwirrenden Chaos auf den Straßen verloren zu gehen. Ich konnte niemanden verstehen und hatte überhaupt keine Orientierung. Ich bekam einen totalen Kulturschock?, erinnert sich Miriam Paschmann an ihren ersten Eindruck von Djakarta. Die heute 34-Jährige reiste zunächst eher unwillig in die asiatische Megastadt, um ihren Freund zu besuchen, der dort einen Job angenommen hatte.Drei Jahre später hat die Düsseldorferin zu ihrer eigenen Überraschung das Leben in der quirligen Metropole so sehr schätzen gelernt, dass sie sich kaum noch vorstellen kann, nach Deutschland zurückzukehren. Zusammen mit ihrem Freund und einer Kollegin lebt Miriam Paschmann heute im multikulturellen Stadtviertel Kemang, wo es im Supermarkt auch europäische Produkte zu kaufen gibt. Das hübsche Haus mit Garten und Swimmingpool teilt sich die deutsche Dreier-WG mit einer Haushälterin sowie drei Hunden, einer Katze und einem Affen. ?Inzwischen empfinde ich die Andersartigkeit der Dinge hier als bewusstseinserweiternd. Besonders die Menschen hier mag ich gern, sie sind immer freundlich. Und auch vom Islam habe ich mich noch nie bedroht gefühlt ? es fühlt sich eher nach leben und leben lassen an", erzählt die selbstständige Grafikdesignerin.Nachdem sie sich anfangs mit Aufträgen aus Deutschland und Design-Jobs vor Ort durchschlug, wollte sie auf Dauer lieber ihr eigener Boss sein und gründete gemeinsam mit ihrer Mitbewohnerin ein eigenes Label für Laptop-Taschen. ?Die Produktionsbedingungen hier sind ideal. Außerdem könnte ich in Deutschland niemals Arbeit und Familie so gut unter einen Hut bringen ? allein dass ich keine Hausarbeit machen muss, spart mir viel Zeit", erklärt die werdende Mutter. Weil sie jedoch nicht wie die Made im Speck leben wollen, haben Paschmann und Partnerin ihrem Unternehmen einen sozialen Auftrag verpasst: Frauen sollen besondere Arbeitsbedingungen erhalten und zehn Prozent des Gewinns gehen an eine Organisation für Straßenkinder.
Dieser Artikel ist erschienen am 26.02.2008