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Leben und Arbeiten auf den Malediven

Christoph Mohr
Für die einen ist es ein Urlaubsparadies, für die anderen ist es ein 15-Stunden-Arbeitsalltag. Harte Arbeit für exotischen Luxus.
Als Kellner in seiner Heimatstadt Leipzig hat er begonnen, nun sei er ?Chef im Paradies?, sagt Carsten Schieck, Direktor des Hilton Maldives Resort. Ein Traumhotel, pardon: ein Over-water-Spa-Village, wie es im Buche steht. Zwei Inseln im Süd-Ari-Atoll der Malediven, verbunden durch einen 500 Meter langen Holzsteg. 50 ?Wasser-Villen? mit First-Class-Komfort, 21 noch luxuriösere ?Spa Water Villas?. Anreise nur mit dem Wasserflugzeug ? eine halbe Stunde von der Inselhauptstadt Male entfernt.Der 41-Jährige hat eine Karriere gemacht, wie sie wohl nur in der Hotellerie möglich ist. Nach den Anfängen als kleiner Kellner in einem Interhotel in Leipzig wechselte er als Food-&-Beverage-Manager ins Hilton Berlin und ging dann als ?Executive Assistant Manager Food & Beverage? ins Hilton Schanghai. Der Hotelkette blieb er treu, die Orte wechselten. Nach Berlin und Schanghai folgten Colombo (Sri Lanka), wo er bereits General Manager wurde, und nach eineinhalb Jahren das Traumangebot. ?Als man mir die Stelle des General Manager Hilton Maldives anbot, zögerte ich nicht lange. Ich wusste, dass es genau das war, wohin ich immer wollte, und ergriff meine Chance.?

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Eine Kulisse wie im Film. Das Meer schimmert türkis und smaragdgrün, im Korallenriff tummeln sich farbenprächtige Papageienfische, Rochen, Seeschildkröten und Langusten. ?Morgens barfuß über den Strand ins Büro, mittags ein, zwei Stündchen tauchen und abends mit der Familie frische Meeresfrüchte unter Palmen?, beschreibt Schieck seinen perfekten Arbeitstag im Indischen Ozean. Der ist allerdings selten. ?Meist bin ich zwischen 15 und 20 Stunden im Einsatz, sechs Tage in der Woche?, sagt der Hoteldirektor, ?und abends sitze ich häufig mit Stammgästen beim Dinner.? Fünf-Sterne-Nichtstun ist für die anderen.Manchmal ist das Paradies auch in Gefahr. Als im Dezember 2004 ein Seebeben im Indischen Ozean einen verheerenden Tsunami auslöste, litt die ganze Region. ?An unserer Hotelanlage gab es keinerlei Schäden?, versichert Schieck. Trotzdem war der Gästerückgang heftig: In den nächsten Monaten kamen nur noch die Hälfte der Gäste.So muss auch im Paradies nachgeholfen werden: ?Wir haben das erste Unterwasserrestaurant der Welt eröffnet. Das liegt fünf Meter unter der Oberfläche des Indischen Ozeans.? Eine ?Weltsensation?, für die Schieck international auf Werbetournee ging. Ständig muss Schieck daran arbeiten, dass alles noch toller, noch komfortabler, noch luxuriöser wird. Fast 1 000 Flaschen der weltbesten Weine hat er eingekauft ? und lässt sie in einem Weinkeller unter dem Wasserspiegel lagern. Es gibt ?Happiness Coaches? für Promi-Gäste, es gibt privaten Butler-Service. Millioneninvestitionen, die zu verschiedenen Auszeichnungen als ?bestes Resort der Welt? geführt haben.?Unser Resort ist einer der romantischsten Orte für das Jawort. Feiern Sie die Zeremonie barfuß am Strand, heiraten Sie in der Kapelle der Liebe an der Lagune, genießen Sie die Aufregung einer Zeremonie unter Wasser oder wählen Sie die Exotik unserer Luxusyacht, und segeln Sie als Mann und Frau in den Sonnenuntergang?, wirbt Schieck. Für Paare stehen vier ?Renewal of Love?-Angebotspakete zur Auswahl.Mehr als nur eine berufliche Station, sind die Malediven zu Schiecks zweiter Heimat geworden. ?Ich lerne ständig von den Gebräuchen der Malediver?, sagt der Hotelchef und weiß das auch zu nutzen: Für die euro-maledivische Küche eines der Hotelrestaurants ließ er die Rezepte bei einheimischen Frauen sammeln. ?Wir sind den Maldivern ernsthaft verpflichtet, mit ihnen zu arbeiten und von ihnen zu lernen, um ihr wunderbares Land beschützen und erhalten zu können.?Aber auch wenn viele seiner Mitarbeiter von den Malediven stammen, kommen sie doch oft nur ein- oder zweimal im Jahr zu ihren Familien auf die anderen Inseln, die zum Teil mehrere Hundert Kilometer entfernt liegen. ?Da ist es wichtig, dass es genügend Erholungsmöglichkeiten und Freizeitaktivitäten gibt, die auch den Zusammenhalt unter den Mitarbeitern stärken.? Zudem kommen auf engem Raum verschiedene Kulturen und Religionen zusammen. ?Viele der Mitarbeiter sind muslimisch. Man könnte deshalb meinen, dass insbesondere während des Ramadans die Zusammenarbeit nicht einfach ist. Aber selbst dann arbeiten alle ungestört zusammen weiter. Einige der europäischen Mitarbeiter fasten sogar gemeinsam mit ihren Kollegen, diese wiederum lernen von den Europäern deren Kultur.?Überhaupt ist interkulturelle Weiterbildung Schieck besonders wichtig. ? Ein junger Malediver arbeitet bei uns in der Wine & Cheese Bar, in der 101 der besten Käse der Welt zusammen mit den korrespondierenden Weinen angeboten werden. Das ist etwas sehr Besonderes, da es auf den Malediven nicht einmal Kühe gibt. Ich habe meinen Mitarbeiter nach Europa auf Weiterbildungsreise geschickt, wo er zum ersten Mal in seinem Leben eine Kuh gesehen hat.? Auch dies hat mittlerweile Anerkennung gefunden: Der Präsident der Malediven zeichnete Schieck für vorbildliches Human Resource Development aus.Manchmal wird es aber sogar im Paradies langweilig: ?Wir sind hier weit weg vom Rest der Welt?, sagt Schieck. ?Kino, Theater ? das gibt?s hier alles nicht.? Zum Glück sitzt der Manager nicht fest auf seiner Insel, reist beruflich viel herum ? demnächst wieder auf Promotiontour, wenn das Paradies in ?Conrad Maldives Rangali Island? umbenannt wird.
Dieser Artikel ist erschienen am 31.10.2007