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Leben in Japan

Axel Berkofsky
Die Erfahrung und etliche Berichte von in Japan lebenden Ausländern zeigen, dass eine Integration in die japanische Gesellschaft nahezu unmöglich ist.
Menschenmassen und volle U-Bahnen bestimmen den Lebensalltag in Tokio.
Unter den 125 Millionen Japanern leben nur ein Prozent Ausländer. Die Erfahrung und etliche Berichte von in Japan lebenden Ausländern zeigen, dass eine Integration in die japanische Gesellschaft nahezu unmöglich ist. Ausländer bleiben Außenseiter und zwar unabhängig von Aufenthaltsdauer und Kenntnissen der japanischen Sprache. Das heißt aber nicht, dass sich die Japaner nicht für die unter ihnen lebenden Fremden interessieren, nur gehen die Gespräche selten über den üblichen Smalltalk hinaus. Was hilft, engere Kontakte zu knüpfen, sind gemeinsame Interessen an der Uni, das gemeinsame Wohnen und Studieren. Sowieso ist es leichter, junge Leute kennen zu lernen, zumal sich die japanische Jugend gerade in einer Umbruchphase befindet: Sie versucht neue Wege zu gehen, weg von der traditionellen, konformen und von Normen und Regeln geprägten japanischen Gesellschaft. Das äußert sich in Kleidung, Zukunftsplänen und Verhalten und bereitet den konservativen Eliten in Japan große Sorgen. Aber gerade dieser Zwiespalt macht einen Studienaufenthalt in Japan so spannend.

Das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben spielt sich hauptsächlich in Tokio ab, auch wenn Osaka als zweite japanische Metropole in den letzten zwanzig Jahren aufgeholt hat. In und um Tokio leben rund 30 Millionen Menschen auf engstem Raum. Ausländer, die sich hier zurechtfinden und Erfolg haben möchten, brauchen eine große Portion Dynamik und Energie, zumal das alltägliche Leben sehr gewöhnungsbedürftig ist: Menschenmassen, volle U-Bahnen, horrende Preise, die Geräuschkulisse und nicht zuletzt das immer noch latente Misstrauen gegenüber Ausländern machen die japanische Hauptstadt zu einer großen Herausforderung. Das exzellente U- und Eisenbahnnetz ermöglicht es jedoch, die Stadt am Wochenende zu verlassen und sich in den Bergen oder am Meer zu erholen.

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Auch wenn Traditionen nach wie vor eine große Rolle spielen, ist Japan aufgrund der Verwestlichung nicht so asiatisch exotisch wie man sich das in Europa vielleicht vorstellt. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land. Jeder, der tiefer in die japanische Kultur eintauchen möchte, sollte durch die Provinz reisen. Hier bekommt man einen Einblick in das Japan fernab von Großstadt und Hektik.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.04.2001