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Last-Minute-Steuertipps

Katja Stricker
Von der Steuersenkung ab 2005 können viele schon jetzt profitieren. Die besten Last-Minute-Tricks für Arbeitnehmer, Selbstständige und Studenten.
Zum neuen Jahr zündet Hans Eichel die letzte Stufe seiner Steuerreform - mit angenehmen Folgen vor allem für Besserverdiener. Der Spitzensteuersatz, der ab einem Einkommen von 52.152 Euro fällig wird, sinkt von 45 auf 42 Prozent, der Eingangssteuersatz geht um einen Punkt von 16 auf 15 Prozent zurück. So lohnt es sich besonders für höhere Angestellte und Selbstständige, in den letzten Wochen des Jahres mit Einnahmen, Werbungskosten und Betriebsausgaben zu jonglieren, um die Steuerdifferenz strategisch zu nutzen. Bis Silvester gilt daher: Ausgaben rauf, Einnahmen runter.Wer über die Werbungskostenpauschale von 920 Euro kommt, kann mit jeder Anschaffung, die er noch ins Jahr 2004 vorzieht, Geld vor dem Fiskus retten. Die Grenze knacken viele Berufspendler schnell: Wer täglich nur 15 Kilometer zum Job fährt, kommt selbst mit der abgespeckten Entfernungspauschale von 30 Cent pro Kilometer auf Werbungskosten von knapp 1.000 Euro.

Die besten Jobs von allen


Sparen durch shoppen
Jeder ausgegebene Euro senkt die Steuerlast. Vorausgesetzt, der Einkauf erfolgt cash (und nicht etwa auf Kredit) und es handelt sich um Gegenstände, die sich als Werbungskosten absetzen lassen. Zu anerkannten Arbeitsmitteln zählen der Schreibtisch, Regale oder Lampen fürs häusliche Arbeitszimmer, Fachbücher, Aktentasche, Büromaterial, PDA, Computer, Fax und Kopierer. Alles, was weniger als 475 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) kostet, können Steuerzahler noch in diesem Jahr komplett absetzen. Teurere Anschaffungen wie Computer, Notebooks, Drucker und Scanner müssen über drei Jahre abgeschrieben werden. Anfallende Gebühren für Sprach-, Computer- und andere Fortbildungskurse sollten noch vor Silvester bezahlt werden, selbst wenn diese erst 2005 starten. Fürs Finanzamt ist allein das Datum der Zahlung entscheidend. Tipp: die passende Fachliteratur gleich dazukaufen.Großzügigkeit macht sich nicht nur beim Shoppen, sondern auch beim Spenden bezahlt: Denn vorweihnachtliche Überweisungen an Hilfsorganisationen oder die monatliche Unterstützung des Patenkindes in Afrika oder Asien sind als Sonderausgaben absetzbar.
Arztkosten abwälzen
Praxisgebühr, Zuzahlungen bei Medikamenten und Massagen, Zusatzkosten bei Brille und Zahnarzt - wer in diesem Jahr viele Arzt- und Gesundheitsausgaben hatte, sollte nachrechnen, ob er den Fiskus beteiligen kann. Denn Krankheitskosten gelten ebenso wie Scheidungs- und Beerdigungskosten als außergewöhnliche Belastung. Es gibt allerdings eine Zumutbarkeitsgrenze, bis zu der jeder Steuerzahler die Ausgaben komplett aus eigener Tasche finanzieren muss. Je nach Einkommen, Familienstand und Kinderzahl liegt sie zwischen einem und sieben Prozent der Gesamteinkünfte. Alles was darüber hinausgeht, lässt sich als außergewöhnliche Belastung absetzen.Ein Single mit 40.000 Euro Jahreseinkommen kommt mit 2.400 Euro über diese Grenze. Ein Ehepaar mit Kind und einem 80.000-Euro-Familieneinkommen kann alle außergewöhnlichen Kosten oberhalb 3.200 Euro von der Steuer absetzen. Wer in diesem Jahr die Grenze übersteigt, sollte etwa die neuen Zahnkronen und Inlays noch vor Silvester bezahlen und die neue Brille gleich dazu.
Wichtig: Quittungen sammeln.


Rechnungen schieben
Freiberufler und Selbstständige drücken ihre Einnahmen für 2004 und damit ihre Steuerlast, indem sie Rechnungen an Kunden und Auftraggeber möglichst erst Anfang Januar rausschicken. Gleichzeitig können Selbstständige, auch im Nebenjob, die in den kommenden zwei Jahren neue Büromöbel, Computer oder einen neuen Firmenwagen kaufen wollen, schon jetzt 40 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungskosten als Betriebsausgabe vom Gewinn abziehen.Angestellte, die im Dezember normalerweise Boni, Prämien oder Sonderzahlungen erhalten, sollten ihren Chef bitten, diese erst im Januar zu überweisen. So kann der Arbeitnehmer das Extra-Geld 2005 zu den niedrigeren Sätzen versteuern. In kleineren Firmen ist das häufig auch ganz unbürokratisch mit dem Weihnachtsgeld möglich.


Kindergeld retten

Verdienen Studenten nebenbei mehr als 7.680 Euro pro Jahr, wird ihren Eltern das Kindergeld gestrichen. Ist die Grenze bereits überschritten, bleibt nur noch eins: Geld ausgeben. Denn auch Studenten dürfen Werbungskosten von ihrem Verdienst abziehen. Entweder pauschal 920 Euro oder die tatsächlichen Kosten. Bevor den Eltern das Kindergeld für ein Jahr durch die Lappen geht, sind sie vielleicht bereit, zu Weihnachten ein neues Notebook oder Fachbücher zu sponsern, die der Sohn oder die Tochter absetzen kann. Jobsuche absetzen > Auch wer in diesem Jahr Examen gemacht hat oder auf Stellensuche war und daher wenig oder gar nichts verdient hat, kann Steuern sparen - allerdings erst in 2005. Denn Bewerbungskosten, die durch Fotos, Mappen, Kopien, Bücher, Inserate anfallen, sowie Fahrten zu Vorstellungsgesprächen lassen sich als "vorab entstandene Werbungskosten" aufs kommende Jahr übertragen. Ob die Bewerbung erfolgreich war, spielt dabei keine Rolle. So geht's: Alle Belege aufheben und für 2004 eine Steuererklärung machen. Das Finanzamt stellt dann einen Verlust fest, der im kommenden Jahr die Steuern reduziert.


Freistellung checken

Im laufenden Jahr wurde der Sparerfreibetrag inklusive Werbungskostenpauschale auf 1.420 Euro für Singles und 2.840 Euro für Verheiratete reduziert. Anleger sollten daher möglichst bald nachprüfen, ob die Freistellungsaufträge noch optimal verteilt sind. Denn sollten Änderungen nötig werden, ist Eile geboten: Häufig brauchen Banken einige Zeit, bis sie neue Freistellungsaufträge verarbeitet haben. Und gerade vor Weihnachten wird es meist eng.


Eigenheimzulage sichern

Die Förderung für Häuslebauer steht zum Jahresende auf der Streichliste der Regierung; Ende November wird mit einer endgültigen Entscheidung gerechnet. Wer plant, bald in die eigenen vier Wände zu ziehen, sollte sich die Förderung noch vor Silvester sichern. Hauskäufer müssen bis dahin den Notarvertrag unterschrieben haben. Selbst wenn der Eigentumsübergang erst für 2005 oder 2006 vereinbart wird, bekommt der Käufer bei späterem Einzug die Eigenheimzulage nach altem Recht. Den späteren Termin sollte man im Vertrag gut begründen, um die Förderung zu sichern. Mögliche Gründe können etwa Änderungen der Nutzungsrechte von gewerblich in privat oder noch laufende Mietverträge sein.
Wer selber bauen will, sichert sich die Eigenheimzulage, indem er bis 31.12. den Bauantrag stellt. Je nach Stadt oder Gemeinde bleiben ihm dann bis zu fünf Jahre, um mit dem Bau zu beginnen. Ab dem Einzug erhält der Bauherr dann die Unterstützung für die vollen acht Jahre.


Alte Konditionen nutzen
Ab Januar werden Einkünfte im Alter schrittweise besteuert, und die Kapital-Lebensversicherung verliert ihr Steuerprivileg. Kein Grund, sich bis Jahresende noch eine Police aufschwatzen zu lassen. Denn es gibt renditestärkere und vor allem flexiblere Anlageformen. Gutverdiener, die im Alter relativ hohe Einkünfte erwarten, sollten lieber überlegen, ob sie noch eine Direktversicherung abschließen, um sich die alten Konditionen zu sichern. Denn für Neuverträge ab 2005 gilt die nachgelagerte Besteuerung im Alter. Auch der Abschluss einer Rentenversicherung vor dem 31.12. kann Sinn machen: Da ab kommendem Jahr neue Sterbetafeln gelten, die die längere Lebenserwartung berücksichtigen, ist mit Preissteigerungen von bis zu 15 Prozent zu rechnen.
Letzte Chance für 2002
Steuermuffel aufgepasst: Silvester ist die absolute Deadline, um noch seine Steuererklärung für 2002 abzugeben, danach ist definitiv nichts mehr zu holen. Wäre doch schade, eine eventuelle Rückerstattung dem Fiskus zu schenken.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.12.2004