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Ihren Bewerbungsmappen verordnen die Briten eine Radikaldiät: Was nicht superschlank ist, landet gleich im Papierkorb. Nur die Referenzliste darf gerne üppig ausfallen.
Was für die USA gilt, passt auch für das englische Bewerbungsschreiben (covering letter, im Gegensatz zum amerikanischen cover letter): Seien Sie konkret, schneidern Sie das Anschreiben auf den Job zu und haben Sie keine Furcht vor Selbstmarketing! Allerdings schätzen es Briten anders als Amerikaner nicht, wenn der Ton allzu selbstbewusst wird.

Adressieren Sie das Anschreiben an eine bestimmte Person - nicht an "Dear Madam or Sir" - und belassen Sie es bei einer Seite. Der maximal zweiseitige Lebenslauf (curriculum vitae, nicht wie im Amerikanischen résumé) wird umgekehrt chronologisch aufgebaut, also beginnend mit der aktuellen Position. Er bekommt weder Unterschrift noch Datum. Der Aufbau variiert. Enthalten sein sollten professional experience, education, special skills (Sprachen, EDV?...) und interests

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Ungewohnt für deutsche Bewerber: In Großbritannien ist es üblich, Referenzpersonen zu nennen - entweder am Ende des Lebenslaufs oder auf einem Extrablatt. Auch der Vermerk "references available on request" ist möglich. Personaler rufen solche Referenzpersonen durchaus an, um mehr über den Bewerber zu erfahren. Informieren Sie die Kandidaten vorher und überprüfen Sie, ob deren Englisch für solch ein spontanes Telefonat ausreicht.

Außer Anschreiben und Lebenslauf schicken Sie erst mal nichts mit - auch keine Zeugnisse. "Zu dicke Bewerbungen landen gleich im Papierkorb", warnt Dirk Neuhaus, Autor des "Bewerbungshandbuch Englisch". Auch in Großbritannien nehmen E-Mail-Bewerbungen zu, weiß Neuhaus: "Man sollte sich vorher informieren, ob das gewünscht ist und welches Format das Unternehmen möchte - ob es zum Beispiel Anhänge geben darf.

Bewerbungsgespräche finden im Allgemeinen in lockerer Atmosphäre statt. Trotzdem sollte jeder Bewerber genau erklären können, warum er zum Arbeiten nach Großbritannien gekommen ist. Zeugnisse, die in der Bewerbungsmappe noch keine Rolle spielten, werden zum Vorstellungsgespräch mitgebracht - inklusive englischer Übersetzung.

Ein mögliches Gesprächsthema: das Alter. "Beim Bewerbungsgespräch werden Sie darlegen müssen, warum Sie älter sind als englische Anwärter", weiß Krischan Ostenrath vom Wissenschaftsladen Bonn. "Dann sollten Sie darauf hinweisen, dass der eigene Uni-Abschluss eher dem britischen Postgraduate-Studium gleicht." Do's and Don'ts

Vorsicht Stolperfallen

Gesamtumfang > Die Bewerbung sollte insgesamt nicht mehr als drei Seiten umfassen. Dabei gilt: Mut zur Lücke, keine Gesamt-chronik Ihres Daseins, keine Zeugnisse.

Betreffzeile > Sie steht im Anschreiben nicht über, sondern unter der Anrede, vor dem ersten Satz.

Anrede > Schreiben Sie bei einer Ansprechpartnerin nicht "Miss", sondern "Ms".

Sprache > Machen Sie sich die Mühe und schreiben Sie Ihren Lebenslauf von Anfang an auf Englisch. Viele 1:1-Übersetzungen wirken unfreiwillig komisch. Das Englisch muss absolut fehlerfrei sein. Am besten lassen Sie zwei Native Speakers Korrektur lesen.

Titel > Über dem Lebenslauf steht nicht "Curriculum Vitae", sondern lediglich der Name des Bewerbers. Auch ein CV ganz ohne Überschrift ist möglich.

Diskriminierungsschutz > Wie in den USA gilt: keine Angaben zu Religion und Alter im Lebenslauf, besser kein Foto.

Persönliche Daten > Angaben zur Person können Sie auch ans Ende des Lebenslaufes stellen.

Erklärungen > Übersetzen Sie auch Schul- und Uni-Abschlüsse nicht wörtlich, sondern nennen Sie die deutsche Bezeichnung, danach in Klammern die englische Erklärung - am besten mit einer Analogie zum englischen System. Also nicht: "Abitur (school leaving certificate)", sondern: "Abitur (German university entrance qualification, equivalent to three to four GCE A-levels)".

Silbentrennung > Lassen Sie kein Standard-Silbentrennungsprogramm über die Texte laufen. Sonst wird womöglich nach deutschen Regeln getrennt. Und das kann ganz schön peinlich werden.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.09.2007