Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

L?Oréal-Chef Owen-Jones kündigt überraschend Rücktritt an

Beim weltgrößten Kosmetikhersteller L?Oréal geht eine Ära zu Ende: Nach zwanzig Jahren an der Spitze des Unternehmens kündigte der Chef des französischen Unternehmens Lindsay Owen-Jones gestern an, dass er seinen Posten im kommenden Jahr abgeben wird.
ali PARIS. Neuer L?Oréal-Chef soll im April 2006 der 48-jährige Jean-Paul Agon werden, der das stark wachsende US-Geschäft verantwortet.Auf den neuen Chef warten große Herausforderungen: L?Oréal steht unter wachsendem Druck der Billig-Konkurrenz, und gleichzeitig entsteht durch die Übernahme von Gillette durch Procter & Gamble ein neuer Konsumgüter-Riese.

Die besten Jobs von allen

?Ich werde in ein paar Tagen 59 Jahre alt, es ist ein guter Zeitpunkt, den Generationswechsel einzuleiten?, sagte Owen-Jones. Er verlässt das Unternehmen nicht, sondern will vorerst den neu zu schaffenden Aufsichtsratsvorsitz übernehmen.Owen-Jones machte kein Geheimnis daraus, dass er es für sinnvoll hält, langfristig wieder die Ämter ?Präsident und Generaldirektor in einer Hand zu konzentrieren?. Mit anderen Worten: Der langjährige L?Oréal-Chef wird den Start seines Nachfolgers begleiten; dieser soll aber eines Tages wieder beide Führungsfunktionen übernehmen.Für seinen designierten Nachfolge fand Owen-Jones nur lobende Worte: ?Er ist der ideale Kandidat, er hat eine fehlerfreie Karriere hinter sich, er besitzt mein volles Vertrauen.? Auch Experten äußerten sich positiv: ?Er hat eine sehr gute Performance in den USA gezeigt und in einem schwierigen Umfeld Marktanteile gewonnen?, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg Scilla Huang Sun, Fondsmanager der Schweizer Clariden-Bank.Lesen Sie weiter auf Seite 2: In Europa belastet die schwache Konjunktur2004 setzte L?Oréal eine nunmehr zwanzig Jahre andauernde Serie fort und steigerte den Gewinn vor Steuern mit einer zweistelligen Rate: 10,1 Prozent. Der operative Gewinn blieb mit knapp 1,7 Mrd. Euro nahezu stabil. Hier wirkte sich aus, dass L?Oréal nicht länger den Gewinnbeitrag des Pharmakonzerns Sanofi konsolidiert.L?Oréal hatte an Sanofi-Synthelabo einen Anteil von 19,5 Prozent gehalten. Nach der Fusion mit Aventis im vergangenen Jahr sank der Anteil des Kosmetik- an dem Pharmakonzern auf 10,4 Prozent. So kann L?Oréal nur noch die Dividenden verbuchen. 2004 profitierte L?Oréals Bilanz indes von der Pharma-Fusion, da der Sanofi-Anteil nun höher bewertet wird: Dadurch erhöhte sich der Netto-Gewinn von 1,5 auf 3,6 Mrd. Euro. Der Umsatz legte 3,6 Prozent auf rund 14,5 Mrd. Euro zu.In Europa belastet die schwache Konjunktur den Konzern. Die wichtige Sparte Kosmetik verzeichnete im Kernmarkt Frankreich einen Umsatzrückgang von 2,4 Prozent; auch in Deutschland gingen die Umsatzzahlen um 2,4 Prozent zurück.Die zunehmende Konkurrenz der Handelsmarken setzt L?Oréal dagegen laut Owen-Jones nicht zu. Die großen Supermärkte würden die hochwertigen L?Oréal-Produkte brauchen, um die Kunden in die Läden zu locken. Auch die Folgen der Fusion zwischen Procter & Gamble und Gillette zu einem neuen Konsumgüterriesen findet Owen-Jones wenig beunruhigend. Bei seinem Ausblick für das laufende Jahr blieb Owen-Jones traditionell vage. Er setzt weiter auf Wachstum in aufstrebenden Märkten sowie auf neue Kundengruppen.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.02.2005