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Kuscheln im Garten Eden

Liane Borghardt
Der fünfte Kontinent ist nicht nur Traum von Backpackern und Auswanderern. Auch 39 Unis locken mit australischen Spezialitäten. Intensive Betreuung, Top-Ausstattung und Praxisnähe gibt's gegen Gebühr. Barbecue, Beach und Wild Life sind gratis.
Ihre Professoren nennt sie Kathy, John und Peter. Vor der Uni dreht Katrin Wichelhaus Runden in den Botanic Gardens von Brisbane, wo Pelikane, Echsen und Ibisse unterwegs sind. Zwischen zwei Vorlesungen tunkt die Kölnerin sich in den Campus-Pool, am Wochenende surft sie an der Sunshine Coast. Mindestens jedes zweite ist sie zu Barbecue und Foster's Beer eingeladen. Seit einem halben Jahr studiert die 26-Jährige "aussie style" an der University of Queensland. Und es geht ihr verdammt gut dabei. "Die Australier sind super-sportiv, man lernt schnell Leute kennen." Zum Beispiel beim Rudern auf dem Brisbane River, der sich durch die 1,5-Millionen-Metropole in Australiens Osten schlängelt und das Stadtzentrum mit Wolkenkratzern von niedlichen Vororten trennt. Oder beim Tauchkurs im Hippie-Mekka Byron Bay, zwei Stunden südlich von Brisbane.

Gut ist, was grün ist

Nicht nur wegen ihrer Hobbys hat Katrin Wichelhaus sich für ein Master-Programm Architektur in der Hauptstadt des Bundesstaats Queensland entschieden. Nach FH-Diplom in Wuppertal und sechs Monaten Jobben in Mailand stand für sie fest, einen Uni-Abschluss zu machen. Und sich auf klimagerechtes und ökologisches Bauen zu spezialisieren. An der Traditions-Uni of Queensland, mit 36.000 Studenten eine der größten australischen Hochschulen, fand sie den Schwerpunkt. Und das richtige Umfeld: "In Brisbane ist es heiß und tropisch feucht. Deshalb ist es wichtig, Wind in die Häuser zu bekommen. Das Klima in Deutschland ist zwar komplett anders. Aber das Prinzip, im Einklang mit der Natur zu bauen, kann ich nach Hause exportieren", sagt Katrin

Die besten Jobs von allen


Umwelt-, Energie- und Entsorgungsmanagement, alternative Medizin, Meeresbiologie oder Biotech: In grünen Studiengängen ist Australien top. "Auch Medienwissenschaften, IT, Business und Recht sind bei ausländischen Studenten gefragt", sagt Sabine Ranke-Heinemann, Leiterin des gleichnamigen Instituts. Seit drei Jahren vertritt das unabhängige Institut Ranke-Heinemann den australischen Hochschulverbund IDP in Deutschland. Studenten bekommen hier kostenlose Beratung bei der Hochschulsuche sowie Hilfe bei Bewerbung und Einschreibung

37 staatliche und zwei private Hochschulen stehen zur Wahl. Nur eine Uni liegt im Norden, fünf an der Westküste. Das Gros konzentriert sich auf den Osten und den Süden. Hauptstandorte sind hier Sydney, Melbourne, Brisbane und Canberra. Acht der traditionsreichen und angesehensten Unis haben sich in der "Group of Eight" zusammengeschlossen. "Das heißt jedoch nicht, dass die anderen Hochschulen weniger taugen", betont Expertin Ranke-Heinemann. Die Mitglieder der Achtergruppe seien vielmehr Forschungsuniversitäten im deutschen Sinne, während die anderen australischen Hochschulen in der Bundesrepublik eher Fachhochschulstatus hätten. An vielen dieser jungen Hochschulen, die im Zuge des Bevölkerungswachstums in den 80er und 90er Jahren gegründet wurden, sei die Studentenzufriedenheit hoch.

Gäste bringen Geld

Meist entscheiden sich Gaststudenten, die das Grundstudium hinter sich haben, für so genannte Study-Abroad-Programme. Ein bis zwei Semester belegen sie Lehrveranstaltungen aus ihrem Studienjahr, wahlweise auch aus benachbarten Fächern. Ob und welche Scheine die Heimat-Uni anerkennt, sollten sie vor Abflug klären. Da Study-Abroad-Teilnehmer ihren Aufenthalt nicht mit einem akademischen Abschluss krönen, ist die Bewerbung unkompliziert; gute Englischkenntnisse und durchschnittliche Leistungen genügen

Für Absolventen von Unis, Fachhochschulen sowie Berufsakademien oder für Studenten, die sechs Semester inklusive Vordiplom hinter sich haben, bieten sich ein- oder zweijährige Masterprogramme an. Hier wird allerdings nicht jeder angenommen. Das Institut Ranke-Heinemann prüft, wie die Chancen an den jeweiligen australischen Hochschulen stehen. Um in ein solches Postgraduierten-Programm aufgenommen zu werden, muss der Notendurchschnitt in der Regel mindestens zwischen gut und befriedigend liegen.

Studenten-Servicestellen wie in Essen und Berlin unterhält der australische Hochschulverbund weltweit. Marketing, das sich für die Unis ordentlich auszahlt. Ausländische Uni-Besucher werden nicht wie die Einheimischen vom Staat gefördert, sondern zahlen während des Studiums den vollen Satz Gebühren. Geistes- und Sozialwissenschaften kosten mindestens 12.000 australische Dollar pro Jahr, Ingenieurwissenschaften 16.000 aufwärts. Für Laborfächer wie Medizin sind der Ausstattung entsprechend bis zu 24.000 Dollar jährlich zu berappen.

Grosser Nachbar Asien

Besonders in Singapur, Hongkong, Malaysia und China werben australische Hochschulen um Jungakademiker. Mit Erfolg: Knapp 50 Prozent der ausländischen Studenten kamen im letzten Semester aus diesen vier Ländern. Die Zahl der Uni-Gäste hat sich in den vergangenen drei Jahren auf 150.000 verdoppelt. "Deutsche Studenten sehen in Australien den großen Asien-Nachbarn. Sie treffen dort ihre Kollegen von morgen", erklärt Sabine Ranke-Heinemann eine der Attraktionen.

Die Zuwachsraten spürt sie auch im Institut. 2001 betreuten ihre Mitarbeiter 350 deutsche Studenten, in diesem Jahr sind es über 600. "Und das sind nur jene, deren Hochschulen keine Austauschvereinbarungen mit Australien haben", betont Ranke-Heinemann. Hessen und Queensland, Baden-Württemberg und South Australia - zunehmend strecken deutsche Fachschaften ihre Fühler gen fünften Kontinent aus. Denn Hochschulpartnerschaft heißt oft Erlass der Studiengebühren. Außerdem vergibt beispielsweise der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) Budget-schonende Stipendien. Allerdings nicht allzu viele: Zuletzt zählte der DAAD 300 Anwärter auf 50 Plätze

Katrin Wichelhaus scheute den Papierkram nicht und bewarb sich um ein Stipendium. "Wichtig ist, dass man genau begründen kann, warum man an welche Uni will." Die Architektur-Studentin machte sich auf der Website des Instituts Ranke-Heinemann über Hochschulen und Studiengänge schlau. Zuzüglich Studiengebühren bekommt Katrin jetzt monatlich 1.000 Euro Lebensunterhalt vom DAAD. Umgerechnet 500 Euro, die sie in Köln für eine schnöde Mietwohnung hinblättern würde, zahlen sie und ihr Freund in Brisbane für ein Häuschen mit Garten.

Manchen ist's zu familiär

Komfortabel auch die Verhältnisse an der Uni: Für ihr Masterprojekt zieht Katrin demnächst auf die naturgeschützte Heron Island am Great Barrier Reef und entwirft ein ökologisches Studentenwohnheim. Auf der Insel betreibt die Uni of Queensland eine Forschungsstation für Meeresbiologie. Professoren sind rund um die Uhr ansprechbar, Kontakte ins Berufsleben knüpft Katrin nebenbei. Zu ihren Tutoren zählen renommierte Queensländer Architekten.

"Die Studiengebühren schlagen sich in intensiver Betreuung nieder. Manchen deutschen Studenten ist das System zu verschult", weiß Sabine Ranke-Heinemann. Der Kölnerin Katrin Wichelhaus gefällt's. Dass sich ihr Englisch in sechs Monaten durch den intensiven Austausch verbessert hat, merkt sie nicht nur, wenn sie Studienarbeiten schreibt. Beim Joggen stoppt sie nicht mehr, um auf den Gruß zu antworten: "G'day, how ya doin?"
Dieser Artikel ist erschienen am 28.02.2003