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Kunst, Kommerz und Karneval

Von Georg Weishaupt, Handelsblatt
Helge Achenbach tanzt auf vielen Hochzeiten: Er ist Kunstberater, Strandgastronom und Immobilienentwickler.
DÜSSELDORF. Einmal im Jahr muss er auf seine Insel. Mindestens. Nach Ibiza. Aber eigentlich ist das zu wenig. So hat Helge Achenbach das Party-Eiland einfach nach Düsseldorf geholt. Statt Mittelmeerwellen umspült sie das Rheinwasser im Düsseldorfer Hafen. Statt Ibiza heißt sie ?Monkey?s Island?, außerdem ist sie nur eine Halbinsel.?Wir wollten auf das brachliegende Grundstück etwas Urlaubsstimmung bringen?, plaudert der Mann mit dem kragenlangen, grauen Haar, der von seinem Büro aus auf das Gelände im Hafen hinabschaute. Er ließ Sand aufschütten, aus Brettern Bars zimmern, Liegestühle, Strandkörbe aufstellen. Und Malerstar Jörg Immendorf, der mit seiner Kokainaffäre für Schlagzeilen sorgt, spendierte die Affenskulptur. Hunderttausende kamen im vergangenen Jahr, um bei Caipirinha und Budweiser abzuhängen. Bundesweit sorgten Achenbach und seine Partner Rainer Wengenroth und Ciro Colella für Aufsehen.

Die besten Jobs von allen

Das dürfte ihnen in diesem Jahr kaum gelingen. Von Lübeck bis München sind mehr als zwei Dutzend Lokale mit City-Strand entstanden. ?Wir sind da völlig entspannt?, sagt Achenbach, der selbst die Lässigkeit in Person zu sein scheint: Der 52-Jährige sitzt in seinem Büro in Bluejeans und offenem Hemd, den rechten Fuß hinter sein linkes Bein geklemmt, während seine linke Hand auf dem Besprechungstisch ruht. ?Dass uns so viele kopieren, ist für uns das schönste Kompliment.?Aber seine Ruhe täuscht. Achenbach plant, im Oktober mit dem Ferienflieger LTU unter ?Monkey?s Travel? Reisen zu besonderen Stränden anzubieten. Erstes Ziel ist selbstverständlich Ibiza. Außerdem will er das Strandkonzept vervielfältigen in Berlin und London und, und, und.Doch eigentlich ist all das nur sein Nebenjob, sein Spielzeug. Denn sein Geld verdient er als Kunstberater. Er gilt als Pionier dieser Branche in Deutschland, in der sich heute mehrere Dutzend Beratungsfirmen tummeln. Ende der siebziger Jahre war er Einzelkämpfer, heute unterhält er Büros in Düsseldorf, Köln, Karlsruhe, Leipzig und München. Auf seiner Referenzliste stehen die Victoria Versicherung, die Hypo-Vereinsbank, IBM und der Werberiese BBDO. Er sagt den Firmen, welche Kunstwerke sich für ihre Foyers und Büros eignen.?Aber nicht als nette Dekoration.? Sie müssten zur Firmenkultur passen. Er legt ?Wert auf Qualität?. So konnte er Malerstar Gerhard Richter dafür gewinnen, Bilder für die Zentrale der Victoria zu schaffen. Er kennt Größen wie Nagelkünstler Günter Uecker und Fotostar Andreas Gursky.Er ist Netzwerker oder ?Projektentwickler?, wie er sich nennt, und entwickelt nebenbei noch Immobilien. ?Er schafft es, in der Wirtschaft Verständnis für Kunst zu wecken und seine Vorstellungen hartnäckig zu verfolgen?, beschreibt Immendorf das größte Talent Achenbachs.Doch momentan spürt der die Zurückhaltung der Unternehmen, ihr Geld in Kunst zu investieren. Er ist froh, dass sich mehr vermögende Privatleute beraten lassen. ?Die suchen nach schlechten Erfahrungen im Aktien- und Immobilienmarkt eine gute langfristige Geldanlage.?Diese Kundschaft wäre Ende der sechziger Jahre kaum auf ihn zugekommen. Da ist er Asta-Vorsitzender der Uni Düsseldorf, Mitglied des Sozialistischen Hochschulbundes und viel mit Malern und Bildhauern der Kunstakademie zusammen. Mit 21 Jahren gründet er eine Galerie und verkauft ihre Bilder, bis er die Kunstberatung entdeckt, als ihn ein Architekt bittet, für ein Unternehmen Gemälde auszusuchen.Auch heute kommt noch der Alt-68er bei ihm durch. Sein Büro schmückt eine Schiefertafel von Joseph Beuys mit der Aufschrift ?nur noch 1017 Tage bis zum Ende des Kapitalismus?, und gegenüber Fremden rutscht ihm mal ein ?Du? heraus. Er sieht sich als Teil des Establishments, ?aber mit sozial engagiertem Herzen?. Er nennt die Auktion, die er für Kanzler Schröder auf die Beine stellte, um der durch die Jahrhundertflut geschädigten Kunstsammlung Dresden zu helfen.Das kommt nicht überall gut an. ?Wenn er helfen will, soll er das besser mit seinem eigenen Geld tun?, kritisiert der Kölner Galerist Michael Werner, der ihn ansonsten schätzt. In der Galeristenszene hat Achenbach den Ruf des ?Hans Dampf in allen Gassen?. Das liegt auch daran, dass er mal Präsident von Fortuna Düsseldorf war. ?Ich bin da voller Enthusiasmus herangegangen und geteert und gefedert wieder herausgekommen.?Seine Begeisterungsfähigkeit und sein soziales Engagement sind die eine Seite Achenbachs. Die andere ist sein Geschäftssinn. ?Er wollte bei allem, was er anfasst, immer Geld verdienen?, sagt jemand, der ihn lange kennt.Und das sorgt in der Öffentlichkeit für Unmut: wie bei der Sammlung Rheingold, die er mit Investoren wie den Viehoffs aufbaut, den Ex-Eigentümern der Handelskette Allkauf. Sie legen ihr Vermögen in moderner Kunst an und zeigen sie als Leihgabe in Museen. Kritiker werfen ihm vor, er wolle so vor allem den Wert der Gemälde steigern.Der Gescholtene lächelt auf seine charmante Art und spricht von einer ?Win-win-Situation?. Die Museen im Raum Köln-Düsseldorf erhielten in Zeiten knapper Kassen namhafte Kunst als Leihgabe und jedes Jahr ein Gemälde geschenkt. Die Sammler profitierten von der Wertsteigerung und er von den Provisionen für den Ankauf der Bilder.Die kommen seiner Familie zugute. ?Ich habe acht Kinder im Alter von 5 bis 28 Jahren aus drei Ehen.? Am glücklichsten ist er, wenn sich alle treffen. Der Wahl-Rheinländer liebt das Bad in der Menge. Im Karnevalszug stand er auf dem Wagen von Monkey?s Island. ?Das hat mir total viel Spaß gemacht.?
Dieser Artikel ist erschienen am 06.07.2004