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Künftiger Swiss-Chef soll's richten

Der künftige Chef der Swiss, der Deutsche Christoph Franz, will das Ruder herumreißen und die Schweizer Fluggesellschaft schnell aus der Verlustzone führen.
HB ZÜRICH. ?Ich bin zuversichtlich, dass dieser Turnaround erfolgreich sein wird, und dass es zu einem Punkt kommen wird, an dem Swiss nicht mehr tief in den roten Zahlen sein wird?, sagte der ehemalige Lufthansa-Manager am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Die Aktie war nach dem Bekannt werden seiner Wahl um bis zu zwölf Prozent gestiegen.?Die Herausforderung ist, das redimensionierte Swiss-Angebot erfolgreich auf dem Markt zu platzieren?, so Franz weiter. Einzelheiten zu seinen Vorhaben nannte er nicht.

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Analysten begrüssten die überraschend schnelle Nachfolge für den im März zurückgetretenen Andre Dose. Sie zeigten sich über die weitere Entwicklung der Fluggesellschaft jedoch nach wie vor skeptisch. Der Analyst der Zürcher Kantonalbank, Patrik Schwendimann, sieht ?zweifellos Turnaroundchancen mit entsprechendem Kurspotenzial.? Für die Aktie der mit Liquiditätsproblemen kämpfenden Swiss sei ein Totalverlust jedoch nicht ausgeschlossen, so Schwendimann weiter. Die Aufgabe werde für den zum 1. Juli antretenden neuen CEO Franz nicht einfach: Die Airlinebranche habe nach wie vor mit Überkapazitäten und dem Druck durch die Billigairlines zu kämpfen. Bei der Swiss kämen ?interne Probleme der fehlenden klaren Positionierung und der dünnen Liquiditätsdecke? hinzu.Die Aktie notierte bis gegen 13.45 Uhr 7,4 % höher auf 10,90 sfr. Der Titel ist jedoch volatil und äusserst illiquide, da die Grossbanken und die öffentliche Hand zusammen mehr als 50 % der Anteile halten.Der Luftverkehrs-Experte Sepp Moser sieht die Aussichten für die Swiss nach wie vor nicht rosig. Das Problem sei nicht die Person an der Spitze, sondern die Strukturen und die finanzielle Situation. Swiss sei zu gross für ihren Markt. Dass die Fluggesellschaft noch immer nicht den seit vergangenem Jahr gewünschten Betriebskredit abschlissen konnte, deute auf tiefere Probleme hin: Es gebe anscheinend keine Substanz in dem Unternehmen, sagte er.Franz war Anfang der 90er Jahre bei der Sanierung der Lufthansa beteiligt gewesen. Zuletzt war er bei der Deutschen Bahn, bei der er jedoch wegen eines auf Kritik gestossenen neuen Tarifsystems entlassen worden war. Andre Dose hatte seinen Posten an der Spitze der Swiss im Zusammenhang mit Ermittlungen eines Flugzeugabsturzes der Swiss-Vorgängergesellschaft Crossair aufgegeben. Zwischenzeitlich agiert Verwaltungsratspräsident Pieter Bouw zugleich als CEO.
Dieser Artikel ist erschienen am 20.04.2004