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Kümmert euch um die ausländischen Studenten!

Wer als Ausländer in Deutschland studiert, wird nicht immer als Gast behandelt. Wer hier arbeiten will, muss den Kampf mit der Bürokratie aufnehmen. Ein Fehler. Meint Klaus Landfried.
Kaum geht es mit der Wirtschaft bergauf, schreien die Unternehmen laut, dass sie für ihre Aufträge nur mühsam und mit erheblichen Mehrkosten die zusätzlichen qualifizierten Fachkräfte anwerben können. Dass vor allem in großen Unternehmen in den letzten Jahren infolge einer kurzsichtigen Controller-Mentalität erfahrene Kräfte freigestellt wurden, vergessen sie dabei. Und dass über Jahre vernachlässigte Weiterbildung Lücken hinterlässt, die nicht mit Crashkursen zu schließen sind, steht ebenfalls auf einem anderen Blatt

Was tun? Zum einen sollen die Studentenzahlen in den technischen Fächern erhöht werden, zum anderen sollen die Lücken mit ausländischen Mitarbeitern gefüllt werden. Doch es wäre ein Trugschluss zu glauben, dass ausgebildete Ingenieure scharenweise nach Deutschland strömen würden. Das haben wir schon bei der Green Card gelernt. Die gehen eher in die USA oder nach Großbritannien, weil die Jobmöglichkeiten dort besser sind. Bei uns wirkt der unglaubliche Paragrafenzaun mit seiner Vorrangregelung für meist unauffindbare, gleichwertige Deutsche und einem gefälligst nachzuweisenden Jahresgehalt von 85 000 Euro abschreckend

Die besten Jobs von allen


Fest steht aber auch, dass die bloße Erhöhung der Studierendenzahl aus dem eigenen Land nicht ausreichen wird, die hochqualifizierten Fachkräfte zu gewinnen, die Deutschland braucht, will es mit einer Industrie im eigenen Land seine wirtschaftliche Zukunft mitbestimmen. Junge Menschen aus den Ländern jenseits der EU-Grenzen müssen die Chance haben, bei uns nicht nur eine erstklassige Ausbildung zu erfahren, sondern auch nach dem Studium hier zu arbeiten. Von den insgesamt etwa 250 000 ausländischen Studenten in Deutschland studierten im Jahr 2006 knapp über 52 000 Fächer wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik

Letztere Zahl in den nächsten zehn Jahren durch eine umfassende und gemeinsame Anstrengung von Bund, Ländern, Wirtschaft und Hochschulen auf 75 000 zu bringen und allen Absolventen zugleich reale Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu geben, könnte den wachsenden akademischen Fachkräftemangel etwas mindern

Unsere Hochschulen müssten allerdings ihre Prioritäten neu und internationaler definieren: sich um die als Gäste kommenden ausländischen Studenten intensiver kümmern. Das bedeutet: viel mehr Stipendien einwerben, die akademischen Auslandsämter personell drastisch verstärken, Mentoren aus der Wirtschaft gewinnen, bessere Deutschkurse mit Familienanschluss, studentische Patenschaften und vieles mehr. Nur mit den von DAAD-Generalsekretär Bode kürzlich wieder geforderten zusätzlichen mehreren Milliarden Euro wird das Hochschulsystem seinen Beitrag zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands leisten können.
Dieser Artikel ist erschienen am 29.10.2007