Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Kristina Schneider

Einleitung
Outward Bound (31. August 2004)
Welcome Class of 2006!
Orientation Week (06. September 2004)
Die ersten zwei Wochen Unterricht (20. September 2004)
Ranglisten, Pruefungen und Hockey (03. Oktober 2004)
Eishockey fuer alle (17. Oktober 2004)
Final Exams und Red Sox (02. November 2004)
Schon wieder Pruefungen (23. November 2004)
Happy New Year everyone! (03. Januar 2005)
Zwischen Schule und Praktikumssuche (23. Januar 2005)
Meine Kurse im Wintersemester (13. Februar 2005)









Liebe Leser,

Die besten Jobs von allen


dies ist also mein erster Eintrag in meinem MBA-Tagebuch.

Seit gestern befinde ich mich in Hanover, New Hampshire in der Region New England der USA. Ich bin hierher gekommen, um an der ?Tuck School of Business at Dartmouth?, so der vollstaendige Name dieser Business School (auch wenn ihn kaum jemand so benutzt, denn fast jeder sagt einfach nur ?Tuck?), meinen zweijaehrigen MBA in General Management zu machen.

Bevor ich Euch mehr ueber Tuck und meine ersten Eindruecke vermittle, moechte ich Euch ein wenig zu meiner Person mitteilen. Nach dem Abitur habe ich meinen BSc (Hons) in Property Development an der Sheffield Hallam University in England gemacht. Von der ersten Minute an drehte sich bei meinem Studium alles um die verschiedenen Aspekte der Immobilie. Dieser Ausrichtung treubleibend habe ich die letzten vier Jahre als Facility Management Berater fuer ein mittelstaendisches Ingenieurbuero gearbeitet. Das heisst ich habe die unterschiedlichsten Bauherren in Bezug auf den spaeteren Betrieb ihres Neubaus beraten. Hierzu habe ich z.B. Sicherheits- und Reinigungsdienstleistungen definiert und diese anschliessend ausgeschrieben; Hinweise zum besseren Design von geplanten Gebaeuden gegeben, so dass diese optimaler und vor allem kostenguenstiger betrieben werden koennen.

Schon waehrend meines Bachelor-Studiums habe ich daran gedacht einen Masters zu machen. Eines der Probleme, welches ich in der Vergangenheit hatte, dadurch dass ich nie in Deutschland studiert habe, ist die Einstufung meines Bachelor-Abschlusses. Nicht alle sehen ihn wie ein vollwertiges Diplom. Auf Grundlage des Umfangs an vermitteltem Fachwissen und meiner geschriebenen Diplomarbeit sehe ich ihn als gleichwertig. Aber langfristig gesehen war fuer mich klar, dass ich mich weiterqualifizieren muss, um mit meiner Karriere voranzukommen.

Waehrend ich mich zuerst fuer MSc-Studiengaenge im Immobilien bzw. Facility Management interessiert habe, wurde mir bald klar, dass ich doch lieber einen MBA machen wollte. In meinem Bachelor-Studium haben wir nur ein Grundwissen in Bezug auf Economics und Finances vermittelt bekommen. Fuer einen MBA habe ich mich entschieden, weil ich mehr darueber wissen will, wie Firmen funktionieren (so koennte ich mir durchaus vorstellen, mich einmal selbststaendig zu machen). Ich plane dem Immobilienwesen treu zu bleiben, aber mit einem MBA habe ich bessere Jobchancen und die Moeglichkeit zum Einstieg in die Unternehmensberatung.

Als ich den Auswahlprozess fuer meine Business School begann, wusste ich von Anfang an, dass ich in den USA studieren wollte. Mit meinen 27 Jahren und vier Jahren Berufserfahrung entspreche ich sehr gut dem Durchschnittsprofil des amerikanischen MBA-Studenten. In den USA habe ich die Moeglichkeit von einer sehr traditionellen, aber immer den aktuellen Zeiten angepassten Ausbildung zu profitieren, waehrend ich mich gleichzeitig in einem sehr internationalen Umfeld befinde. Als Frau und als Deutsche, so glaube ich, kann ich interessante Impulse fuer das Studium geben. (Bei einem MBA, so heisst es, lernt man mindestens genausoviel, wenn nicht sogar mehr, von seinen Mitstudenten wie von seinen Professoren. Dies macht u.a. die Auswahl des richtigen Programms so wichtig.)

Anfangs standen dann auch Schulen mit einem bekannten Schwerpunkt im Real Estate Bereich auf meiner Bewerbungsliste, z.B. Wharton, MIT, Chapel Hill, Cornell. Ich muss gestehen, dass ich mit dem Namen ?Tuck? nichts anzufangen wusste, bis zur MBA Fair in Muenchen. Sicherlich hatte ich die Schule in den Rankings gesehen, aber dass sagte mir eben nichts. Nach meiner Anmeldung zur MBA Fair bekam ich eine Einladung zu einem Fruehstueck mit Tuck Alumnis, an welchem ich auch teilnahm. Das dort Berichtete ueberzeugte mich von Tuck.

In mancherlei Hinsicht ist diese Ivy League Business School etwas Aussergewoehnliches. Bereits im Jahre 1900 fing man hier an, Business Adminstration zu unterrichten. Damit ist Tuck die aelteste Business School in den USA. Da sich Tuck im kleinen Staedtchen Hanover in New Hampshire befindet, entsteht unter den Studenten ein ganz besonderer Zusammenhalt. Wir, die Class of 2006, sind nur knapp ueber 240 Studenten. Davon leben die meisten auf dem Campus oder in wenigen Meilen Entfernung (sicherlich zum Teil auch wegen der angesagten strengen Winter).

Spricht man mit Tuck Alumni, so fangen die Augen auch noch an zu leuchten, wenn diese z.T. schon seit mehreren Jahren mit dem MBA-Studium fertig sind. Sie versuchen an moeglichst vielen Ehemaligen-Treffs teilzunehmen oder richten diese aus und besuchen regelmaessig den Tuck Campus, nicht zuletzt auch um gegenwaertige Studenten anzuwerben.

Fuer mich deutete dies auf eine offene und einladende Atmosphaere, welche ich Mitte April bei meinem ersten Besuch in Tuck auch fand. Ich war hier zum Admitted Students Weekend (ASW). Jeder, der bereits die Zusage von Tuck hatte, war herzlich eingeladen. So nahmen dann auch ueber dreihundert ?prospective students? und ihre Partner teil. Dies stellte Tuck vor eine Herausforderung. Noch nie hatte es so viele Zusagen gegeben. Da die Teilnehmer groesstenteils bei gegenwaertigen Studenten mit im Zimmer oder Haus schliefen, war einiges an Organisationstalent gefragt.

Das besondere am ASW in Tuck ist, dass es ausschliesslich von den Studenten organisiert wird. Das gesamte Programm wird von ihnen organisiert und gestaltet. Neben gemuetlichem Get-together gab es auch Vorlesungen und diverse Panels (Alumni, Student Life, Women in Business, International Students etc.). Extra fuer uns moegliche zukuenftige Studenten gaben drei Professoren verkuerzte Vorlesungen, um uns so einen Einblick in ihre Lehrmethoden zu gewaehren. (Seitdem habe ich eine Vorahnung, was bei der Umstellung vom Arbeitsleben wieder zum Studentsein so alles auf mich zukommt.)

So hatte ich an diesem verlaengerten Wochenende die Moeglichkeit ,Tuck und meine moeglichen zukuenftigen Mitstudenten (Es gab drei Standardfragen an diesem Wochenende: ?where are you from??, ?what do you do?? und die wichtigste von allen ?have you decided yet??) kennenzulernen. An diesem Wochenende gab es keinen der so typischen ?Sales Pitches?. Alles war natuerlich und ueberzuegend Tuck: freundlich, aufgeschlossen, aber auch intellektuell fordernd. Und seitdem stand fuer mich fest, ich werde ?Tuckie?.

Als ich gestern hier ankam, fuhr eine der Admin Damen gerade nach der Arbeit nach Hause. Vier Monate nach dem ASW hat sie mich erkannt und mich mit meinem Namen begruesst. Das ist Tuck. Outward Bound (Eintrag vom 31. August 2004)

Vor dem eigentlichen Unterrichtsbeginn bietet Tuck diverse Moeglichkeiten fuer verschiedene Vorbereitungsprogramme. Neben akademischen und kulturellen Programmen gibt es auch das so genannte ?Outward Bound? Programm, an welchem ich teilgenommen habe.

Alles, was ich vor Beginn wusste, war, dass es eine super Gelegenheit sei, um die zukuenftigen Klassenkameraden kennenzulernen. Und so war es auch. Zu 14. waren wir ueber 40 Stunden auf einem kleinen Segelboot, oder vielleicht doch eher einem Ruderboot (die Amerikaner nannten unser Gefaehrt auch tatsaechlich so, naemlich ?pulling boat?) unterwegs. Vor der Kueste des Bundesstaates Maine gingen 11 Klassenkameraden und 2 ?Ausbilder? an einem Montagmittag an Bord und verliessen, mit Ausnahme des morgendlichen Schwimmens und eines kurzen Inselbesuchs, das Boot nicht vor Mittwochnachmittag.

Die Kueste von Maine hat sehr viele vorgelagerte Inseln und Buchten, durch welche wir kreuzten und dabei langsam das Segeln lernten. Alle Taetigkeiten an Bord wurden von uns Studenten erledigt: Segeln, Rudern, Navigieren, Kochen, Ausguck. Es gab immer mindestens einen von uns Studenten, der wusste, wie etwas richtig zu machen war, so dass unsere ?Ausbilder? meistens nur eine Art Stand-by-Funktion hatten.

Weitere Tage dieser Woche verbrachten wir bei herrlichem Wetter auf einer Insel mit Klettern und verschiedenen Gruppenuebungen. Eine dieser Uebungen war zum Beispiel ein abgetakeltes Ruderboot (kontrolliert) zu kentern. Hierbei war vor allem Geduld gefragt, erst beim langsamen Kentern lassen, dann beim Wasserausschoepfen. Am letzten Abend kochte unsere Gruppe eine Riesenportion Spaghetti (fuer ca. 70 Personen). Gleich im Anschluss wurden wir ueber die Insel verteilt. Jeder erhielt einen kleinen Bereich zugewiesen (wo er keinen anderen sehen oder hoeren konnte) und verfuegte ueber eine Zeltplane, Strick und seinen Schlafsack. So verbrachte jeder fuer sich allein die letzte Nacht mit seinen Gedanken. Nach der Enge des Ruderbootes war dies fuer alle eine willkommene Abwechslung.

Unmittelbar nach unserer Ankunft wieder in Hanover, NH, hiess es sich fuer das Schuljahr zu registrieren. Welcome Class of 2006!

Seit Samstag, den 28. August 2004, bin ich offiziell Mitglied des Jahrganges 2006. Wir sind insofern etwas besonderes fuer Tuck, als wir die groesste Klasse sind, die es hier jemals gab. Insgesamt sind wir 262 Studenten und vertreten 35 Laender (ich bin z.B. die einzige Deutsche). Die normale Klassenstaerke ist ca. 240. Das Durchschnittsalter des Jhg.06 ist 28, mit einer Spanne von 24 bis 44.

An diesem Samstag erfolgte eine offizielle Begruessung durch unseren Dean Paul Danos (Schuldirektor), den Director of Admissions Kristine Lacca (der Dame, welche uns zugelassen hat) und andere wichtige Funkionaere mit anschliessendem Barbecue. Das Cook Auditorium (unser grosser Veranstaltungssaal mit ca. 350 Plaetzen) war voller als jemals zuvor, da viele Studenten auch ihre Ehepartner oder Freundinnen sowie Kinder mitgebracht hatten.

Auch wurde von jedem Studenten eine kurze Videobotschaft (?My name is ... and people call me ...?) aufgenommen, welche im Intranet dann neben dem jeweiligen Namen und Foto zu finden ist. Ich glaube, der Grund hierfuer ist, dass alle anderen sich anschauen koennen, wie man die Namen ggf. richtig ausspricht. Dies ist manchmal wirklich nicht so einfach.

Beim anschliessenden Barbecue hatte jeder die Gelegenheit, die anderen Studenten kennenzulernen. Waehrend der ersten ca. zwei Wochen tragen alle Studenten ein Namensschild. Des weiteren erhielten wir laminierte Namensschilder, welche wir im Unterricht vor uns aufstellen, so dass sowohl Professor als auch Kommilitonen wissen, wer spricht.

Jetzt befinde ich mich mitten in meiner ?Orientation week? (Orientierungswoche). Vormittags gibt es Vorlesungen zu diversen interessanten/wichtigen Themen, z.B. Time Management. Nachmittags gibt es manchmal weitere Vorlesungen oder auch, wie zum Beispiel gestern, einen Nachmittag bei Spiel und Sport mit anschliessendem Essen. Fuer Mittwochnachmittag ist ein ?Day of service? vorgesehen, dass heisst wir werden alle verschiedenen Gruppen zugeteilt und erledigen gemeinnuetzige Taetigkeiten. Aber mehr zum Rest meiner Woche in meinem naechsten Tagebucheintrag. Orientation Week (Eintrag vom 06. September 2004)

Die Einfuehrungswoche ist vorbei. Sie war so prall gefuellt mit Taetigkeiten, dass sie mir wesentlich laenger vorkam.

Nach dem offiziellen ?Willkommen? am Samstag hiess es fuer mich zeitig aufstehen, da die internationalen Studenten am Sonntagmorgen um 10.00 Uhr eine Informationsveranstaltung hatten. Da ging es um Visa und Reisen in und ausserhalb von den USA. Es gibt hier wohl in der Naehe einen Checkpoint der Border Patrol (der amerikanischen Grenzpatrollie), obwohl wir deutlich mehr als hundert Kilometer von der kanadischen Grenze entfernt sind. Also heisst es auf Reisen immer den Reisepass und saemtliche Papier mitnehmen, wenn man nicht ueber einen laengeren Zeitraum festgehalten werden moechte. Mit den ?Undergraduates? und Lehrkraeften gibt es in Dartmouth College, so heisst die gesamte Uni hier, mehr als 1500 Auslaender.

Nachmittags hiess es ID und Laptop abholen. Meine Business School zwingt ihre Studenten quasi dazu, einen von ihr vorgeschriebenen Laptop zu erwerben. Man hatte die Wahl zwischen drei unterschiedlich guten Modellen (alles IBM Thinkpads). Die Preise fuer die Notebooks sind gut. Die zugehoerige Software reichlich. Und mit dem Kauf eines Thinkpads erwirbt man auch den Support der Schule bei Computerproblemen. Gerade am Anfang ist das sehr hilfreich.

Wer wollte, konnte am Nachmittag an einem Examen teilnehmen, um zu sehen, ob er von verschiedenen Kursen befreit wird. (Das kam fuer mich leider nicht in Frage.)

Montag Vormittags gingŽs zur Vorlesung und Nachmittags zum Ballspielen, Wandern, oder einfach nur Quatschen an einen nahegelegenen See. Waehrend der gesamten Einfuehrungswoche war immer fuer ein abendliches Programm gesorgt.

Die Vorlesungen drehten sich z.B. um ?Ethics? (Ethik), ?Communication across Cultures? (Kommunikation zwischen Kulturen) und ?Time Management? (Zeitmanagement). Es gab Einfuehrungen in die Intranetseiten der Schule. Von dort kann man sich zum Beispiel die Stundenplaene und Hausaufgaben herunterladen.

?Study Group? (Lerngemeinschaft)

Dienstag Nachmittag war es endlich soweit. Die ?Study Groups? wurden bekannt gegeben. Das sind die Lerngemeinschaften, mit denen jeder Student die ersten zwei Semester (Fall A und Fall B) uebersteht. Man kann aus ihnen nicht herauswechseln. Die Schule legt die Gruppen fest und versucht ein moeglichst ausgewogenes Mix zu erreichen. Ohne die Study Group geht quasi nichts. Es heisst, dass man sich fast taeglich fuer drei bis sechs Stunden trifft. Eine gute Study Group ist also sehr, sehr wichtig.

Meine Study Group ist sehr gut. Es sind Luke, ein Koreaner, Michael, ein Amerikaner koreanischer Abstammung, Keith und Brad, beides Amerikaner, und Sienna, auch Amerikanierin. Von unseren beruflichen Hintergruenden her ist alles vertreten: Finance (Finanzen), Sales und Retail (Verkauf), Banking/Accounting (Bankwesen), Consulting (Beratung). Nach einem Quiz zum ?Aufwaermen? hiess es gemeinsame Ziele und Regeln festlegen. Wir haben Festlegungen getroffen, auch wenn ich glaube, dass sich die eigentlichen Regeln erst im Laufe der Zeit einstellen werden.

?Day of Service? und Karriereplanung

Mittwochs hatten wir den ?Day of Service?. Jeder Student wurde einer Gruppe zugeteilt, welche fuer eine gemeinnuetzige Organisation in der Umgebung taetig wurde. Ich wurde zufaellig (nach dem Alphabet) einer der Teamleiter, welcher mit einer grossen Grupe mit dem Bus nach Saint-Gaudens, einem Freiluftmuseum fuer den Bildhauer Saint-Gaudens, fuhr. Unsere Taetigkeiten waren zum Beispiel Unkraut jaeten, Buecher transportieren und Wegearbeiten. Wir fanden auch etwas Zeit, um uns die Skulpturen anzusehen. Mir sagte der Name Saint-Gaudens ueberhaupt nichts. Mit Ueberraschung stellte ich fest, dass ich verschiedene Werke von ihm kannte. Er ist der Bildhauer, welcher z.B. den sitzenden Lincoln in Washington D.C. erschaffen hat.

Auf dem Rueckweg fuehrte uns unser Weg noch an der laengsten ueberdachten Bruecke von Amerika vorbei. Hier muss man sich eine ca. 100 Meter breite voellig geschlossene Holzbruecke vorstellen. Der Connecticut River scheint in Hanover insgesamt ziemlich breit zu sein.

Am Donnerstag ging es los mit dem ?Career Development?. Schon vor unserem Eintreffen in Tuck waren wir gebeten worden, an unserem Lebenslauf zu arbeiten. Das ?Career Development Office (CDO)? (Kariereentwicklungsbuero) zeigte uns zur Einfuehrung die Statistiken fuer Sommerjobs des Jahrgangs 2005 (Geschaeftsbereich ? hier vor allem im Finanz- und Consultingbereich, wann gefunden ? 50% im Maerz, 100% im Juni). Nach dieser kurzen Einfuehrung zogen sich die verschiedenen Study Groups zurueck und gingen gegenseitig die Lebenslaeufe durch. Fuer unsere sechs Lebenslaeufe brauchten wir gut 2,5 Stunden. Aber am Ende war jeder zufrieden, auch wenn fuer die eine oder andere offene Fragen auf das CDO zurueckgegriffen werden muss.

Mitte September heisst es, den fertigen Lebenslauf einreichen, so dass sie alle zusammen in einem Buch veroeffentlich werden koennen. Dieses Buch wird an potentielle Personaler geschickt oder kann von diesen online angesehen und durchsucht werden.

Freitags ging es weiter mit dem Thema Jobs. Erst hielt der Vizepraesident von ESPAN International, ein Alum von Tuck, einen Vortrag zum Thema Traumjob. Danach ging es um das Vorgehen auf dem Weg zum Traumjob. Jeder Student erhielt im Anschluss einen Ordner voller Unterlagen.

Spaetestens zu diesem Moment wurde alles ein bisschen viel. Ich hatte zuvor schon meine Buecher abgeholt. Ueber 300 Dollar nur fuer die Buecher von Fall A (ein Teil wird in Fall B weiterverwendet). Vom Kopiercenter erhielten wir ebenfalls einen dicken Stapel Unterlagen. In meinem Briefkasten hatte ich mittlerweile ?Tuck und Tucker? (Die Geschichte des Entstehens der Tuck Business School und der Business School im allgemeinen), das Studentenhandbuch, einen Ratgeber zum Essen- und Ausgehen/Entertainment in Tuck usw. gefunden. Ich fragte mich, wann ich dass alles nur lesen soll.

Auf dem hoechsten Berg von New Hampshire

Aber Freitag Abend ging es erst einmal zum Tanzen ins ?Hop?. Das ?Hop? ist eigentlich das ?Hopkins Center for the Arts?, so heisst hier unser lokales Verantstaltungszentrum. Dort gibt es Kino, Variete, Ballett und sonstige Vorstellungen. Auch gibt es in diesem Gebaeude einen der groessten Saele der Stadt, welcher gerne von der Uni genutzt wird.

Sonntag bin ich mit elf anderen auf den hoechsten Berg in New Hampshire, den Mt. Washington mit 6.200 ft Hoehe (knapp ueber 2.000 Meter) geklettert. Nach 3,5 Stunden Wanderung waren wir ueber den Wolken. Da wir Glueck mit dem Wetter hatten, konnten wir beim Aufstieg unheimlich weit uebers Land sehen.

Der Abstieg war eine Abfahrt. Obwohl unser Aufstieg eine lange Karawane Menschen enthielt, sind die meisten Amerikaner doch lieber mit dem Auto oder dem Zug auf den Berg gefahren. Wir nutzten den Zug fuer den Abstieg, auch wenn 35 Dollar doch etwas viel Geld dafuer waren. Aber 45 Minuten Abfahrt mit einem Gefaelle von ueber zehn Prozent und in einem dampfbetriebenen Holzzug sind doch ein tolles Erlebnis.

Erste Hausaufgaben (vor Unterrichtsbeginn!)

Heute am Montag gab es keine Zeit, sich von der Wanderung zu erholen. Denn es hiess ueber 50 Seiten in Vorbereitung auf das erste Treffen mit meiner Study Group zu lesen. Zum Glueck hatte ich einen Teil des Samstags schon dafuer genutzt mich vorzubereiten. Fuer meine erste Klassen morgen, ?Leading Organizations? (Fuehrung von Organisationen) und ?Analysis for General Managers? (Analyse fuer allgemeine Manager), gab es bereits die erste Fallstudie zu besprechen und die ersten Fragen zu beantworten. Ueber vier Stunden hat meine Study Group fuer die Vorbereitung gebraucht. Andere Gruppen sassen noch deutlich laenger zusammen. Zur Belohnung gab?s ein gemeinsames Abendessen in der Stadt. Die ersten zwei Wochen Unterricht (Eintrag vom 20. September 2004)
Manchmal kann ich es kaum glauben, dass erst neun Tage Unterricht vorbei sind. Es kommt mir soviel laenger vor.

Die besten Jobs von allen

Das besondere an Tuck ist, dass das Herbstsemester in zwei Teile gespalten ist (Fall A und Fall B). Diese Aufteilung erlaubt der Uni mittels eines Minikurssystems einen groesstmoeglichen und schnellen Wissenstransfer. Entsprechend wurden wir Studenten wiederholt auf die zu erwartende grosse ?Workload? (die grosse Menge an Hausaufgaben und Vorbereitungen) hingewiesen. Auf Grund der Teilung haben wir bereits in der kommenden Woche die ersten Pruefungen, welche zur Mitte des Semesters (Mid-term) stattfinden.Die Herbstkurse (Fall A)Ich habe in diesem Semester vier Kurse:- ?Leading Organizations? (Fuehrung von Unternehmen?): Die von allen verwendete Abkuerzung fuer diesen Kurs, ?OB? fuer ?Organizational Behavior? (?Das Verhalten von Unternehmen?) deutet auf den Kursinhalt hin. So ging es bisher, um den Aufbau von Unternehmen und das Verhalten von Mitgliedern im Team. Hierzu haben wir einen Videofilm gesehen und anschliessend das Verhalten des dort zu sehenden ?Teams?, 12 Geschworene, ausgewertet. Da diese Veranstaltung an einem Sonntag stattfand, gab?s zum Ausgleich Pizza. Trotzdem hat so mancher ziemlich gegrummelt. Des weiteren haben wir einen kognitiven Test zur Selbsteinschaetzung ausgefuellt (Myers-Briggs) und diese Woche steht dann Verhandlungsfuehrung auf dem Plan.- ?Analysis for General Managers? (Analyse fuer allgemeine Manager): Dieser Kurs besteht aus Fallstudien und Vorlesungen. Ich habe ziemliches Glueck mit meinem Professor gehabt. Professor Argenti ist ein Meister seines Faches. Er versteht es die Klassendiskussionen auf Kurs und immer spannend zu halten. Man verbringt seinen Unterricht auf der Kante seines Stuhles, um ja nichts zu verpassen und so auf den gefuerchteten ?Cold Call? vorbereitet zu sein. Da die vor dem Unterricht zu lesenden Fallstudien meistens ziemlich komplex und aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden koennen (die Vorbereitung in der Study Group dauert im Schnitt 2,5 bis 3 Stunden) ist dies nicht ohne. Die Vorlesungen, welche es bisher gab, wurden einmal von Prof. Argenti zum Thema Externe Kommunikation von Firmen (hierbei gab es sehr viele Werbeclips zu sehen) gehalten. Die zweite Vorlesung war von Prof. Finkelstein zu seinem neuen Buch ?Why smart Executives fail? (Warum intelligente Firmenchefs scheitern). Das Buch ist sehr unterhaltsam zu lesen und entsprechend war auch die Vorlesung mit vielen Beispielen gespickt.- ?Decision Science? (Entscheidungswissenschaft): Hierbei geht es um Excel und diverse Add-ins fuer die Pruefung von, z.B. Sensitivitaet. Wir bauen Modelle, welche berechnen unter welchen Bedingungen die Firma einen Profit erwirtschaftet oder ein Projekt durchfuehrt. Waehrend in manchen Kursen der Einsatz unserer Laptops rundheraus verboten ist, ist er in Decision Science gefordert. So sitzen wir im Unterricht und versuchen verschiedene kleinere Aufgaben in Excel zu loesen. Meine Schwierigkeit in diesem Kurs sind die ins englische uebersetzten Bezeichnungen fuer bekannte und unbekannte Excel-Funktionen. Da suche ich dann schon einmal mit der Online-Hilfe.- ?Financial Measurement, Analysis, and Reporting?: Hinter diesem ziemlich komplexen Namen versteckt sich ?Accounting? (Buchhaltung). So haben wir innerhalb von zwei Wochen bisher das ?Balance Sheet? (Jahresbilanz) und ?Income Statement? (GuV) durchgenommen. Naechste Woche ist dann das ?Cashflow Statement? (lt. LEO, finanzwirtschaftliche Bewegungsrechnung) an der Reihe.Da unser Jahrgang aus vier Sektionen besteht, gibt es fuer jeden Kurs zwei Professoren. Zwei Sektionen, in meinem Fall 1 und 3, wechseln sich mit einem Professor ab. Zum Beispiel, haben wir AGM mit Professor Argenti als erste Stunde. Dann hat Sektion 1 AGM mit Professor Argenti in der zweiten Stunde. Sektionen 2 und 4 haben den gleichen Kurs nur mit Prof. Finkelstein.Zwei Stunden pro Tag ... und doch ein voller TerminkalenderIch habe jeden Tag nur zwei Stunden Unterricht. Jetzt denkt Ihr sicherlich, dass ist aber nicht viel. So habe ich am Anfang auch gedacht ... und wie ich mich geirrt habe.Zusaetzlich zum Unterricht geht es naemlich quasi mit der ersten Minute mit der Jobsuche los. (Die Lebenslaeufe sind heute nachmittag einzureichen.) In der ersten Woche hatten wir jeden Tag ?Sector SMARTS?. Es wurden jeden Tag verschiedene Industriesektoren, zum Beispiel Consulting, General Management, Investmentbanking, etc. vorgestellt. Hierzu sind Ehemalige angereist, um uns in einem Panel Rede und Antwort zu stehen. Im Anschluss konnte man dann bei Kaffee und Plaetzchen nochmal einzelne Fragen stellen und Verbindungen knuepfen. Dies ist wohl das einzige Mal, dass unsere Ehemaligen nicht als Rekrutierer auf den Campus kommen.In der zweiten Woche starteten dann die ?Company Briefings?. Hierzu kommen Firmen, vertreten durch regionale Buerochefs, Personaler, Ehemalige auf den Campus um innerhalb von einer Stunde ihre Firma vorzustellen. Die Boston Consulting Group (BCG) kam zum Beispiel mit 15 Mitgliedern aus allen grossen amerikanischen Bueros. So versuchen die Firmen auf sich und die gegebenen Moeglichkeiten aufmerksam zu machen und die besten MBAler fuer ein Sommerpraktikum zu gewinnen. Insgesamt dauern diese ?Company Briefings? die naechsten vier Wochen an.Die ClubsDes Weiteren hatten wir am Freitag unsere ?Club Fair? (Clubmesse). In der naechsten Woche gehen dann die Kick-Offs fuer die einzelnen Clubs los. Waehrend der Messe ging es zum einen darum die einzelnen Clubs kennenzulernen, aber vor allem, war das Ziel seinen Namen auf moeglichst vielen Mailinglisten einzutragen. Auf diese Art hofft man, kein wichtiges Event zu verpassen.Die Clubs sind von ihrem Anliegen sehr unterschiedlich. So gibt es karrierebezogene Clubs, z.B. Consulting Club, Entrepreneurship Club, Women in Business Club, etc. Es gibt Sportclubs, z.B. Eishockey (DIE Tuck Sportart ueberhaupt), Squash, Volleyball, etc. Aber auch was fuer den guten Zweck im Volunteer Club oder zum Seele-baumeln-lassen, z.B. Glen Tuck (unser Whiskey-Club) oder der Wein Club, wird angeboten.Ich habe mich bei ca. 8 bis 10 Clubs eingetragen, welche ich interessant fand. Mal sehen, fuer wieviele ich die Zeit finden werde. Ranglisten, Pruefungen und Hockey (Eintrag vom 03.10.2004)Am 22. September 2004 wurde das neue Wall Street Journal Ranking, welches wie alle Ranglisten immer mit Hochspannung erwartet wird, veroeffentlicht. Tuck belegte national den 3. Platz hinter der neu umbenannten Ross School (Michigan) und der ebenfalls mit neuem Namen versehenen Tepper School (Carnegie Mellon), aber vor international bekannten Schulen wie Wharton, Chicago, Harvard, Cornell etc.Unsere Schule ist besonders stolz darauf, dass sie den ersten Rang in den qualitativen Bewertungen hinsichtlich Fuehrungspotential der Studenten und Orientierung auf Teamarbeit belegte. In Bereich Strategie wurde Tuck fuenfter und unter der Kategorie ethische/moralische Graduierte kamen wir als dritte.Waehrend wir sicherlich auf unseren Rang stolz sind, sollte man Rankings nicht ueberbewerten. Bei der Auswahl einer Business School geben sie einen guten ersten Eindruck ueber den relativen Wert eines MBAs von einer Schule ? immer unter Beachtung, welche Faktoren in ein Ranking eingeflossen sind und wer die Bewertungen abgegeben hat. Im Falle des Wall Street Journals waren es ?Recruiter? (Personaler) und die Kriterien in diesem Ranking sind sehr unterschiedlich verglichen mit zum Beispiel dem BusinessWeek Ranking, welches aller zwei Jahre veroeffentlicht wird ? was in diesem Oktober wieder soweit sein wird.PruefungenMeine erste Pruefung als MBA-Student war im Fach ?AGM - Analyse fuer allgemeine Manager?. Die Pruefungspapiere wurden am Mittwoch nach dem Unterricht verteilt. Es war eine Fallstudie ueber Martha Stewart und ein versiegelter Umschlag mit den dazugehoerigen Fragen. Wir hatten Zeit bis Montagmorgen um 8.30 Uhr, um zu einer beliebigen Zeit den Umschlag zu oeffnen und innerhalb von drei Stunden die Fragen zu beantworten. Sobald die Zeit einmal lief, konnte sie nicht unterbrochen werden.Tuck hat einen sehr starken ?Honor Code? (Ehrenkodex), welcher diese Art des ?Take home exams? (Pruefungen, welche man mit nach Hause nimmt) erlaubt. Das Fatale an diesen Pruefungen ist, dass man sehr viel mehr Zeit mit ihnen verbringt, als wenn sie nur drei Stunden lang zu einer festen Uhrzeit waeren. So hatten wir beliebig viel Zeit, um die Fallstudie so oft wir wollten zu lesen und uns zusaetzliche Informationen ueber Martha Stewart und ihre Firma zu beschaffen.So war es bei mir endlich am Sonntagabend soweit, dass ich meinen Umschlag mit den Fragen oeffnete. Gluecklicher Weise war ich hinsichtlich Martha Stewarts kuerzlicher Verurteilung wegen ?Insider Trading? (Verkauf von Wertpapieren auf Grund von Insiderwissen) vorbereitet. Andere internationale Studenten fuhren nicht ganz so gut, da sie nichts von dieser Story mitbekommen hatten.Gestern erhielten wir eine Email von unserem Professor, in welchem er uns fuer den bisherigen guten Unterricht dankte und sich darauf freut, uns in Fall B wiederzutreffen. Er steckt noch mitten in der Benotung unserer Pruefungen.Eine weitere Pruefung hatte ich in DecSi (Modelbau unter Nutzung von Excel). Hier hatten wir drei festgelegte Stunden Zeit zum Beantworten der Fragen. Schreiben konnten wir die Pruefung an einem beliebigen Ort. Eingereicht wurde z.T. Online, indem man seine Exceldatei in einen Ordner kopierte. Mit dem Professor wurde waehrend der Pruefung via Email kommuniziert. Er sagte uns spaeter, dass er ueber 150 Emails mit Fragen erhielt.Die Pruefungsergebnisse wurden uns bereits mitgeteilt. Der Durchschnitt liegt bei ueber 86% und mein persoenliches Ergebnis liegt deutlich ueber dem Durchschnitt. Ich bin also hoechst zufrieden.Meine letzte bisherige Pruefung war in Buchhaltung. Sie fand auf traditionelle Art statt. Der Umfang unserer Hausaufgaben in den Tagen zuvor wurde reduziert, um uns Studenten Zeit zum Lernen zu geben.Zur Pruefung durften wir eine Seite mit Notizen mitbringen. Am Vorabend der Pruefung fand innerhalb der Studenten ein reger Austausch dieser Gedaechtnishilfen (im Englischen ?Cheatsheet? genannt) statt, bis wir alle das Gefuehl hatten optimal gewappnet zu sein. Auch wenn meine Bilanz waehrend der Pruefung nicht aufging, habe ich doch ein recht gutes Gefuehl, was das Ergebnis angeht.Jetzt heisst es in der naechsten Woche noch eine letzte Pruefung ueberstehen. Danach habe ich vier Wochen ?Luft?, bis es bereits an die Finals der Fall A (Abschlusspruefungen des ersten Semesters) geht.HockeyNachdem unsere Second Years (MBA-Studenten im zweiten Jahr) wieder von ihren Praktika zurueck waren, starteten die Kick-Offs fuer die einzelnen Clubs. Alle Clubs werden von Studenten zumeist im zweiten Jahr geleitet, so wird die Tradition von Jahr zu Jahr weitergegeben. (Bisher haben wir First Years bereits drei neue Clubs gegruendet, einer davon der Bierclub, ein anderer der Russisch-Club.)Besonders hervorheben moechte ich hier den Hockey-Club. Die Praesentation dieses Clubs war super. Zur Einstimmung zeigten sie einen Ausschnitt des Films ueber das amerikanische Eishockeyteam, welches bei den olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid Gold holte. Sehr dramatisch und auch sehr amerikanisch. Die weiteren Praesentationen zeigten, dass es bei Hockey in Tuck vor allem ums Spass haben geht. Vor lauter Lachen des Publikums ueber gezeigte Bilder und Sprueche kamen die Praesentatoren kaum zum Reden.Hockey ist DER Sport fuer Tuckies. Fast jeder First Year (MBA-Student im ersten Jahr) versucht sich darin. Auch wenn es hier Opferbringen heisst, da wir meistens nicht vor 10 oder auch 11 Uhr abends aufs Eis kommen. Die Saison faengt jetzt an und wird bis naechsten April gehen. Morgen um 10.30 Uhr werde ich das erste Mal in voller Montur auf dem Eis stehen. Beim naechsten Mal erfahrt ihr mehr. Eishockey fuer alle (Eintrag vom 17. Oktober 2004)In den letzten zwei Wochen war ich immerhin vier mal auf dem Eis. Unsere eine Stunde Training fand abwechselnd entweder ab 10.30 Uhr oder 11.45 Uhr abends statt. Da kostet das Eis (oder die Eiszeit - ?ice time? wie die Amerikaner sagen) bedeutend weniger. Da wir hier bis weit in den April hinein Eishockey spielen, ist diese Ueberlegung nicht ganz unwichtig.110 weibliche Tuckies oder Partner haben sich fuers Eishockey angemeldet. Alle Spielstufen und alles spielerische Koennen ist vertreten. Ich kann zumindest auf meinen Schlittschuhen stehen, andere lernen dies noch. Ich habe allerdings mit dem Rueckwaertslaufen so meine Probleme.Als wir das erste Mal mit unseren Riesentaschen voller Hockey-Equipment angetreten sind, wurden wir vorsichtshalber aufgefordert, 30 Minuten vor Beginn zu erscheinen. Schliesslich heisst es Jill-Shorts, Knieschuetzer, Socken, Hose, Schulterpolster, Ellenbogenschuetzer, Jersey, Schlittschuhe, Helm und Handschuhe anlegen. Die Reihenfolge ist allen beim ersten Mal noch nicht so ganz klar gewesen. Aber mittlerweile sind wir alle echte Profis, zumindest im Anziehen.Es macht uns allen sehr viel Spass. Im Moment lernen wir, wie man mit dem Hockeystock umgeht. Erste Tore waehrend des Trainings haben wir schon geschossen. Hier hilft mir das Feldhockey, was ich mal gespielt habe. Auch wenn es auf dem Eis ganz anders zugeht. Gegenwaertig heisst es eher Eislaufen oder Stockspielen. Aber es ist ja bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen.Unsere ueber 100 maennlichen Spieler treten bereits in den ersten Matches gegeneinander an. Es gibt 5 Tripod-Teams. ?Tripod? ist der amerikanische Begriff fuer einen dreibeinigen Stuhl oder Kamerastativ. Es braucht sicherlich nicht viel Fantasie, warum die Anfaenger so genannt werden.Diese Woche fangen die ersten Teamspiele bei den Frauen an. Spaeter gibt es gemischte Teams mit den Maennern zusammen.Das Hockeyspielen ist eine gute Gelegenheit, um die Studenten im zweiten Studienjahr kennenzulernen. So manche, welche es im letzten Jahr zu stressig fand, so spaet noch aufs Eis zu gehen, nimmt in diesem Jahr teil. Auf der Fahrt von und zur Eishalle hat man viele Moeglichkeiten, um mit den aelteren Studenten Erfahrungen ueber das erste Jahr, die Suche nach dem Mitjahres-Praktikum und die dortigen Erlebnisse auszutauschen.Das naechste Semester (Fall B) wird laut ihren Aussagen noch stressiger. Im Moment bin ich in der letzten Woche von Fall A. Kommenden Samstag ist dann mein erstes ?Final? (Abschlusspruefung). Ich kann kaum glauben, dass die Zeit so schnell vergeht. Fuer die anstehenden Pruefungen werde ich diese Woche noch einiges vertiefen muessen. Nach den Pruefungen haben wir, Gott sei Dank, eine Woche Pause.In dieser Zeit werde ich mit dem Consulting Club nach Boston fahren, um mir einige Beratungsfirmen anzusehen. Danach bin ich fuer ein paar Tage in New York City. Nach meiner Rueckkehr wird es dann mit vollem Einsatz ins naechste Semester gehen, denn knapp drei Wochen spaeter sind schon die Zwischenpruefungen und anschliessend haben wir eine Woche frei fuer Thanksgiving (inkl. ?Take home exam? ? wieder eine Pruefung fuer zu Hause). Final Exams und Red Sox (Eintrag vom 02.11.2004)Das erste Semester ist vorbei! Leider sind die endgueltigen Noten noch nicht bekannt.Obwohl wir in der zweiten Haelfte nur noch drei Kurse (statt anfaenglich vier) hatten, hatten wir viel zu tun. Unsere Hausaufgaben in Accounting bestanden zum Beispiel aus einem Kapitel pro Unterrichtsstunde (jedesmal ein neues Konzept mit ca. 50 Seiten Text). Manchmal fragte man sich sich bei dem Tempo schon, was am Ende haengen bleiben wird.Das ?Core? (Kernprogramm) ist so angelegt, dass wir im ersten Jahr die wichtigen Grundlagen lernen. Im zweiten Jahr koennen diese beliebig durch selbst gewaehlte Kurse vertieft werden. Durch diese Vorgehensweise ist es moeglich, die Programme der einzelnen Kurse im ersten Jahr exakt aufeinander abzustimmen. Taetsaechlich erschien es mir so, dass wenn es in einem Kurs etwas ?ruhiger? war, dass es in einem anderen Kurs mehr vorzubereiten und zu lesen gab.Zum Ende meines ersten Semesters gab es die ersten Gruppenarbeiten und -praesentationen. Hier bin ich nach wie vor sehr gluecklich mit meiner Study Group, auch wenn wir am Ende, auf Grund von Schlafmangel und Stress, doch etwas Nerven gelassen haben.Als Bestandteil unseres ?Leadership Development Programs? (Programm zur Entwicklung unserer Fuehrungsfaehigkeiten) haben alle Mitglieder einer Study Group sich gegenseitig bezueglich Fuehrungsstil und Teamarbeit bewertet. Ein Teil des vorgegebenen Fragebogens war individuelles, anonymes Feedback. In meiner Study Group haben wir uns anschliessend offen ueber unser Feedback unterhalten und um Unterstuetzung bei der Umsetzung der Verbesserungsvorschlaege gebeten. Dies ist mir nur von wenigen Gruppen bekannt. Das Niveau des Vertrauens und der Offenheit, welches in meiner Study Group vorherrscht, ueberrascht mich immer wieder.Zwischen den SemesternNach zwei Pruefungen am Montag habe ich meine restliche ?freie? Woche wie bereits angekuendigt in Boston und New York verbracht. Es war sehr interessant die einzelnen Beratungsfirmen und ihre Bueros kennenzulernen (immerhin acht in zwei Tagen). Auch wenn unsere Gruppe mit ca. 70 Studenten so gross war, dass es so gut wie unmoeglich war, einen individuellen Eindruck zu hinterlassen.Anschliessend war ich fuer ein verlaengertes Wochenende in New York City auf einem individuellen Recruiting-Workshop, welchen eine weitere Beratungsfirma fuer deutschsprachige Studenten ausgerichtet hatte. Waehrend somit meine Woche sehr ausgefuellt und lehrreich war, hatte sie den einen grossen Nachteil, dass ich keine wirkliche Zeit hatte, mich zu erholen. Und das neue Semester hat gleich wieder mit vollem Schwung angefangen.Baseball-TraditionenEin wichtiger Bestandteil der letzten Wochen des ersten Semesters waren die Meisterschaftsspiele im Baseball zwischen den New York Yankees und den Boston Red Sox. Tuck ist eindeutig im Fanlager der Red Sox. Viele der internationalen Studenten erhielten beim gemeinschaftlichen Baseballschauen einen Crashkurs der Baseballregeln und der wichtigsten Spieler der Red Sox.Die Spiele zwischen Yankees und Red Sox sind immer etwas ganz besonderes. Seit Jahrzehnten hat sich der Glauben gehalten, dass die Red Sox verflucht sind. Denn seit sie 1918 Babe Ruth (einen der groessten Baseballplayer, den es jemals gab) an die Yankees abgegeben haben, haben sie nie wieder die Meisterschaft im Baseball gewonnen, obwohl sie oftmals sehr, sehr dicht dran waren.Nachdem die Red Sox die ersten 3 von moeglichen 7 Spielen verloren hatten, dachten die meisten, es sei auch dieses Jahr wieder vorbei. Doch in einem nervenaufreibenden Spiel nach dem anderen, haben die Red Sox die naechsten vier Spiele in Folge brilliant gewonnen. Dieser Sieg ueber die Yankees loeste vieles Feiern aus. Doch es sollte noch besser kommen.In der anschliessenden so genannten ?World Series? (jaehrlich zwischen zwei amerikanischen Baseballteams!) marschierten die Red Sox gegen die St. Louis Cardinals durch. Sie fegten ihren Gegner in drei Spielen vom Platz. Nach 86 Jahren ohne Sieg in der Meisterschaft haben sie endlich wieder gewonnen.Ich war in dieser historischen Nacht in Boston. Man muss sich die Siegesfeiern so aehnlich vorstellen, wie wenn Deutschland in einer grossen Fussballmeisterschaft gewinnt. Die ganze Nacht gab?s Gehupe und Freudentaumel. Schon wieder Pruefungen ? die Zeit verfliegt (Eintrag vom 23.11.2004)Ich sitze hier in der Lounge meines Studentenwohnheims und geniesse die Stille. Sie ist wohlverdient.Vor gut drei Wochen bin ich aus Boston und New York City zurueckgekommen und es hat das zweite Semester ?Fall B? angefangen. Jetzt habe ich bereits die ersten zwei Midterm-Pruefungen an einem Samstag hinter mir und eine dritte noch ausstehend. Morgen frueh fliege ich fuer vier Tage zu einer alten Freundin nach Traverse City in Michigan zum Thanksgiving.Herbstkurse (Fall B)Aber zuerst etwas ueber meine vier Kurse in diesem Semester:· General Economics for Managers (?Allgemeine BWL fuer Manager?): Hier lernen wir die Grundlagen bezueglich Angebot und Nachfrage. Wie immer ist das Tempo ziemlich rapid. Aber die einfachen Case studies (Fallstudien) und guten Erklaerungen meines Econ-Professors vermitteln die Kursinhalte sehr anschaulich. Jedoch scheint es die Strategie zu sein, uns mit unmoeglichen Mengen an Lesestoff zuzu?schuetten?. Niemand kann in diesem Semester alles lesen. Das Geruecht ist, dass wir auf diese Art und Weise Prioritaeten setzen lernen sollen.· Capital Markets (?Finanzmaerkte?): Drei Wochen nach Semesterbeginn haben wir alles ueber Bonds (?Anleihen?) gelernt (wie man ihren Wert berechnet, wie man die Informationen des Wall Street Journals liest und interpretiert, usw.) und angefangen, uns mit Stocks (?Aktien?) auseinanderzusetzen. Wie im amerikanischen Studiensystem ueblich, sind die Hausaufgaben vor Unterrichtsbeginn einzureichen. Da die Inhalte erst im Unterricht gelehrt und vertieft werden, bedeutet dies einen erhoehten Aufwand fuer die Hausaufgaben. Hier kommt mir meine Study Group zugute, da wir einen Finanzexperten haben, der uns die Aufgaben erklaeren kann.· Statistics for Managers (?Statistik fuer Manager?): In diesem Fach habe ich einen unheimlich agilen Inder als Professor - er steht keine Sekunde still. Auch bricht er jeden Rekord im Schnellsprechen. Andererseits nimmt er sich die Zeit, bis auch der letzte die Inhalte, z.B. Ermitteln des Durchschnitts oder des Verhaeltnisses anhand einer Stichprobe, verstanden hat. Der Fokus liegt in diesem Fach sehr auf angewandtem Wissen.· Managerial Communication (?Kommunikation fuer Manager?): Dies ist der eine Kurs dieses Semesters, der nichts mit mathematischen Formeln zu tun hat. Hier lernen wir, worauf man beim Schreiben eines Memorandums und einer Praesentation zu achten hat. Die erste Pruefung in diesem Fach ist eine grosse Praesentation jeder Study Group zu einem ausgewaehlten Land. Wir haben uns fuer Suedkorea entschieden, da wir einen Einheimischen bei uns in der Gruppe haben.Diversity Conference, Office Hours und Executive DinnersDie Tuck Diversity Conference findet jedes Jahr im November statt. Circa 90 zukuenftige Studenten, welche sich fuer den Tuck MBA bewerben wollen und einer Minderheit angehoeren, kommen fuer ein langes Wochenende nach Hanover. Aehnlich wie beim Admitted Students Wochenende gibt es ein vielfaeltiges Programm mit Vorlesungen, Gruppendiskussionen und Parties. Auf diese Art versucht Tuck die Anzahl an Studenten, die einer Minderheit angehoeren, zu vergroessern. Ich glaube, hierbei handelt es sich um ein prinzipielles Problem der meisten Top-MBA-Schulen in den U.S.A.Da die Besucher auf dem Campus in den Zimmern von jetzigen Studenten uebernachten, habe ich mich freiwillig gemeldet, jemanden aufzunehmen. Es ist schon faszinierend, wie man jeden moeglichen Bewerber betrachtet und sich ueberlegt, ob man ihn/sie sich als Tuckie vorstellen kann. Ob die MBA-Studenten in anderen Business Schools auch so aktiv an der Auswahl der naechsten Klasse beteiligt sind? Unsere Second Years fuehren einen Teil der Interviews durch und wir First Years nehmen so genannte ?Prospectives? (Bewerber, die den Campus besuchen) mit in unseren Unterricht.Wie bereits einmal ganz zum Anfang erwaehnt, war eine meine ersten Anforderungen als Tuckie das Schreiben meines Lebenslaufs fuer die Jobsuche. Ein weiterer Bestandteil dieses ganzen Prozesses sind Office Hours und Executive Dinners. Eine grosse Anzahl an Executives (?Fuehrungskraefte?) besucht Tucks Campus, um Vortraege in diversen Kursen zu halten. Fast jeder dieser Besucher erklaert sich bereit, gegenwaertige Studenten in Gruppendiskussionen, Einzelgespraechen (Office Hours) oder zum Mittag- oder Abendessen (Executive Dinner) zu treffen. Dies sind grossartige Gelegenheiten, um mehr ueber Firmen oder Industrien zu erfahren. Meistens ist die Nachfrage so gross, dass die teilnehmenden Studenten mittels einer Lotterie ermittelt werden muessen. Ich habe bereits mehrmals auf diese Art mit Executives sprechen koennen.Aber meine beste Veranstaltung war das Abendessen, welches der Tuck-Club ?Women in Business? organisiert hatte. Erst gab es eine Gruppendiskussion mit Frauen aus verschiedenen Beratungsfirmen, und anschliessend konnte man je nach Praeferenz mit dem Vertreter einer Firma zum Abendessen gehen. In einer Runde von fuenf Frauen ist es dann auch einmal moeglich, ueber andere Inhalte zum Thema Beruf zu sprechen, z. B. wie ist es mit der Gleichberechtigung, wie mit der Work-Life-Balance, usw.Ein Grossteil unserer Second Years ist bis Weihnachten nicht auf dem Campus. Ein Teil ist auf Field Study (?Feldstudie? fuer echte Klienten) in allen Teilen der Welt unterwegs; andere machen einfach nur Urlaub. So waren die vergangenen zwei Wochen die letzte Moeglichkeit fuer uns First Years, Informationen zu den Praktikumsfirmen oder den Firmen, wo unsere Second Years nach Tuck arbeiten werden (ein Grossteil hat schon Arbeitsangebote angenommen), zu erhalten. Gleich nach Thanksgiving muessen wir unsere Lebenslaeufe einreichen. Ende Januar starten die Interviews auf dem Campus. Bis dahin wird die Zeit sicherlich wieder verfliegen. Happy New Year everyone! (Eintrag vom 03.01.2005)Die ersten zwei Semester als MBA-Student sind ueberstanden. Jetzt soll es einfacher werden oder, glaubt man anderen Stimmen, so soll es zumindest "anders" sein. Die Herausforderungen im Januar sind auf jeden Fall neue. Ab ca. Mitte Februar haben wir Freitags frei. Schliesslich geht es jetzt ernsthaft mit der Suche nach einem Praktikumsplatz los. Aber zuerst ein kurzer Rueckblick auf November und Dezember. (Einer meiner Vorsaetze fuers Neue Jahr ist wieder zu meinem 14-taegigen Schreibrhythmus zu finden.)Thanksgiving mit Hindernissen (oder am Mittwoch vor Thanksgiving sollte man wirklich nicht reisen)Wie im letzten Eintrag beschrieben, habe ich Thanksgiving bei einer Freundin in Michigan verbracht. Die Reise dahin hat sich allerdings schwieriger gestaltet als gedacht.Nachdem wir einige Ehrenrunden ueber dem Flughafen O'Hare drehen durften und dabei tuechtig durchgeschaukelt worden, setzten wir endlich zur Landung im verschneiten Chicago an. Waehrend meine Mitreisenden klatschten, hatte ich nur den einen Gedanken: Ich muss da wieder rauf. Hoffentlich klappt alles.Ein Blick auf die Anzeigentafel mit lokaler Uhrzeit zeigte mir, dass ich meinen Anschlussflug bereits verpasst hatte. Nicht als Einzige! Das beste, was die Dame hinter dem Schalter fuer mich tun konnte, war, mich auf die Warteliste fuer den naechsten und letzten Flug nach Traverse City, Michigan, meinem Reiseziel, zu setzen.Nach 6 Stunden schier endlosem Warten im restlos ueberfuellten Flughafen und mehrfachem Verschieben meines Fluges wurde er um 8 Uhr abends gestrichen. Die Schalterdame teilte mir mit, dass sie mich am naechsten Abend nach Traverse City bringen koennte. Dies war nicht akzeptabel, da ich schliesslich ein Thanksgiving-Dinner um 17.00 Uhr hatte. Nach einigem Hin und Her buchte man mich auf einen Flug nach Detroit und von dort nach Traverse City - allerdings erst am naechsten Morgen um 6.30 Uhr frueh. Wenn in Amerika ein Flug wegen Wetters ausfaellt, dann muss die Fluggesellschaft nicht dafuer aufkommen. Allerdings gab es preisreduzierte Voucher fuer Hotels. Als ich endlich in meinem Hotel ankam, lohnte sich das kaum noch, da ich ja um 4.00 Uhr wieder aufstehen musste.Gott sei Dank, klappte diesmal alles reibungslos. Mit guten 23 Stunden Verspaetung kam ich endlich an meinem Reiseziel an. Meine Freundin nahm es mit Humor. Sie hatte mit ihrem Freund und der 11-Monate-alten Katze fuer die Fahrt auf Grund des Wetters auch doppelt so lange gebraucht. - Ich werde sicherlich nie wieder versuchen, am Mittwoch vor Thanksgiving irgendwohin zu fliegen. Ich glaube gern, dass dieser Tag mehr Reiseverkehr hat als Weihnachten.Thanksgiving ist das Amerikanische Erntedankfest. Wie wahrscheinlich die meisten wissen, ist es fuer den Truthahn bekannt, welchen es zu essen gibt. Nicht nur am Thanksgiving selbst, sondern auch an den folgenden Tagen. Aber nach dem Mensa-Essen der letzten Monate hat es mir um so besser geschmeckt.Was mir durch meinen Besuch wieder bewusst geworden ist, ist die Tatsache, dass ich waehrend meines MBA-Studiums zwar in Amerika lebe und studiere, aber dass ein Unicampus doch anders ist. Universitaeten sind dafuer bekannt, dass sie ein viel liberaleres Klima fuer Meinungen schaffen. Viele Studenten in New Hampshire sind Anhaenger der Demokraten, welche die letzten Praesidentschaftswahlen verloren haben. Auch sind die Mehrzahl meiner amerikanischen Mitstudenten viel gereist oder haben in anderen Laendern gelebt und gearbeitet. Der Durchschnittsamerikaner war zumeist nur in Mexiko oder Kanada.Auch bin ich hier in Hanover, New Hampshire, alles in allem in einer recht laendlichen Gegend. Der Ort wird gepraegt von den 4.500 Studenten, welche Dartmouth College (inklusive Tuck Business School, Thayer School of Engineering und der Medical School) besuchen. Hanover selbst hat ca. 8.000 Einwohner und die meisten arbeiten im weiteren Sinne fuer die Uni.Zwar ist man in ca. 2.5 Stunden in Boston, Massachusetts. Aber ausser meinen Mitstudenten, welche Ehepartner in dieser Stadt haben, schaffen es die meisten Tuck-Studenten selten nach Boston. New York und Montreal, welche beide ca. 5 Stunden weit weg sind, sieht man dann noch seltener. Jetzt, wo es endlich doch noch Winter wird (bisher hatten wir noch nicht viel oder lange Schnee), verbringt man die Zeit lieber mit Schifahren oder Pond-Hockey (Eishockey auf dem zugefrorenen See).Endspurt fuer Semester "Fall B"Nach Thanksgiving Ende November hiess es einfach nur noch durchhalten bis zum Jahresende. Eine Woche nach unserer Rueckkehr hatten wir eine muendliche Pruefung an einem Samstag. Diese war fuer das Fach "Management Communication" ("Kommunikation fuer Manager").Fuer die Pruefung war ein muendlicher 18-Minuten Vortrag ueber Geschaeftspraktiken in einem anderen Land zu halten. Jedes Mitglied der Study Group musste einen Teil des Vortrags halten. Wir waehlten Suedkorea, da wir ja zwei Experten fuer dieses Land in meiner Gruppe hatten. Alles in allem hat bei unserem Vortrag alles gut geklappt. Mal sehen wie die Noten ausfallen, da die Bewertung sich aus der Gruppen- und der Einzelleistung zusammensetzt.Am darauffolgenden Wochenende hatten wir die zweite Pruefung fuer "Management Communication" zu schreiben. Nebenbei galt es, sich auf die weiteren drei Pruefungen vorzubereiten. Stoff wurde wie immer bis zum vorletzten bzw. letzten Tag gelehrt. Reviewsessions fanden im Anschluss statt, in welchen der Stoff im Schnelldurchgang nochmals wiederholt wurde und Fragen zu den Pruefungen der letzten Jahre beantwortet wurden.Die jeweils dreistuendigen Pruefungen fanden dann Samstag, Montag und Dienstag statt. Dies war das dritte Wochenende in Folge mit Pruefungen. Am 21. Dezember war es endlich geschafft. Nach der letzten Pruefung fand ein grosses "Send-off" ("Verabschiedung") im Auditorium statt.Es gab einen witzigen Sketch mit unserem Statistikprofessor. Ich haette nie geglaubt, wie gut sich die Sprache der Statistiker fuer Witze eignet. Und es gab eine grosse Fotoshow mit allem, was waehrend der 18 Wochen Unterricht (und Freizeit) in den Herbstsemestern "Fall A" und "Fall B" passiert war. Als Student der Tuck Business School kannte man alle Gesichter und Geschichten. Nur war den wenigsten bewusst, wie weit wir in so kurzer Zeit gekommen waren.... Hallo neues Semester!Jetzt sind die Weihnachtsferien zu Ende. Die Wohnheime fuellen sich wieder. Morgen muessen wir uns fuer das Wintersemester registrieren. Auch werden wir heute oder morgen erfahren, wer von den Beratungsfirmen und Banken zum Interview eingeladen wird.Der Prozess funktioniert wie folgt: Beginnend nach Thanksgiving gab es Daten, zu welchen Lebenslaeufe und Anschreiben eingereicht werden mussten. Diese wurden dann gesammelt an die Firmen weitergegeben. Morgen wird dann die Entscheidung mit der Auswahl der Firmen bekanntgegeben, die sogenannte "Closed list" (geschlossene Liste).50 Prozent der Interviewplaetze der Firmen, welche auf den Campus zum Rekrutieren kommen, werden auf die Art gefuellt. Fuer die restlichen 50 Prozent wird geboten. Jeder Student erhaelt hierfuer 1.000 Punkte. Alle hoffen, zumindest auf ein oder zwei "Closed lists" gekommen zu sein, um so mehr Flexibilitaet beim Bieten zu haben. Aber mehr dazu beim naechsten Mal.Wenn jetzt das neue Semester losgeht, sind wir in neuen Gruppen. Die vier "Sections" mit je ca. 60 Studenten wurden neu aufgeteilt. Auch gibt es eine neue Study Group. Ich habe grosses Glueck gehabt und eine meiner besten Freundinnen ist in meiner Gruppe. Mal sehen wie es sich sonst anlaesst, da ich als einzige meiner Gruppe auf dem Campus im Wohnheim wohne und nicht verheiratet bin.Am Mittwoch geht es dann los mit einem ganzen Tag, welcher der Vorbereitung fuer die kommenden Interviews gewidmet ist. Die Leseliste fuer den ersten Unterrichtstag am Donnerstag ist auch schon veroeffentlicht. Wie immer ist sie nicht eben kurz. Aber das bin ich ja mittlerweile gewoehnt.* Ich wuensche Euch allen ebenfalls einen guten Start ins Neue Jahr! Bis demnaechst,
Kristina *
Zwischen Schule und Praktikumssuche (Eintrag vom 23. Januar 2005)Morgen ist es soweit: die ersten Interviews fuer die Sommerpraktika stehen an!Die Praktika, welche ueber das "On campus recruiting" (dies sind die vom "Career Development Office" (Abteilung, welche die Jobsuche unterstuetzt) organisierten Interviews auf dem Campus, Gegenteil ist eine unabhaengige Suche mit Interviews vor Ort bei den Firmen) angeboten werden, fallen in die Kategorien: Consulting/Beratung, Bankwesen (Finance) und Allgemeines Management (General Management/Strategy). Ich interessiere mich fuer die Beratung.Fuer diesen Bereich kommen die grossen Beratungsfirmen wie McKinsey, Boston Consulting Group und Bain sowie weitere mittelgrosse Firmen auf den Campus. Die Interviewplaetze sind heiss umkaempft. Jedoch ist es an einer kleineren Schule wie Tuck bei weitem nicht so schwierig auf die Interviewliste zu kommen wie bei groesseren Schulen wie Harvard oder Wharton. Unser Consulting Club hat ungefaehr 60 Mitglieder. Dem stehen jeweils ca. 40 Interviews pro Firma gegenueber. Von Firma zu Firma variiert die Zahl der angebotenen Interviews.Zwischen "Closed list" und Geboten habe ich es auf vier Interviewlisten geschafft. Die Vorbereitung fuers die Interviews mit Beratungsfirmen ist sehr intensiv. Im ersten Teil des Interviews werden dem Kandidaten kleine Beratungsfaelle ("the case interview") zum Loesen vorgegeben. Im zweiten Teil geht es dann um den Lebenslauf, die Persoenlichkeit des Kandidaten ect. ("the fit interview"). Die meisten Beratungsfirmen halten Doppelinterviews, d.h. zwei Interviews hintereinander mit jedem Kandidaten ab.Neben den Interviews, welche im allgemeinen am Nachmittag stattfinden, haben wir weiterhin Unterricht. Die Menge an Hausaufgaben wurde leicht reduziert, aber das ist auch die einzige Veraenderung.Jetzt im Winter haben wir in den meisten Wochen nur eine vier-Tage-Unterrichtswoche. Die Freitage sind frei, so dass Studenten den Campus fuer Interviews verlassen koennen, ohne Unterricht zu versaeumen. Denn hat man die erste Runde an Interviews auf dem Campus ueberstanden, wird man zur zweiten Runde ins Buero der Beratungsfirma eingeladen. Aber soweit wagen im Moment die wenigsten zu hoffen.In der ganzen Interviewvorbereitung haben wir "Tuckies" (Spitzname der Tuck Studenten) wie immer kooperiert. Wir haben gemeinsam das Interview simuliert mit Beratungsfaellen und Fragen zum Lebenslauf. Ich denke, dass die meisten Studenten, welche sich fuer die Beratung interessieren, so um die 40 bis 80 Interviews simuliert haben werden. Jetzt bleibt uns nur noch: Tief durchatmen! und auf ins echte Interview. Meine Kurse im Wintersemester (Eintrag vom 13. Februar 2005)Nachdem ich in den letzten Eintraegen viel ueber die Suche nach einem Praktikumsplatz geschrieben habe, hier wieder etwas ueber das Studium.Prinzipiell besteht das Wintersemester eher aus qualitativen, denn quantitativen Kursen. Jedoch geht im Unterschied zu anderen Business School bei uns der Unterricht ganz normal weiter waehrend der Interviewphase. Wir haben nur den Freitag frei, um so Interviews aussserhalb von Hanover wahrzunehmen (auch wenn das nicht immer klappt) und viele der Projekte, die einzureichen sind, sind Gruppenarbeiten, so dass wir uns die Arbeit untereinander besser einteilen koennen. In meiner Study Group klappte das bisher ganz gut.Ich habe dieses Semester die folgenden Kurse:- Global Economics (VWL): Nachdem wir im letzten Semester uns mit BWL auseinander gesetzt haben, dreht sich in diesem Semester alles um Wettbewerbsvorteile, Bruttoinlandprodukte, Handeldefizite oder -ueberschuesse, Inflation, Zinssatz und Waehrungskurse. Eine der interessantesten Stunden in diesem Kurs war, als wir die Wiedervereinigung Deutschlands als Fallstudie behandelt haben. Sie wurde vor allem verwendet, um die Auswirkungen auf die Wirtschaft in Deutschland und die anderen Waehrungen in Europa aufzuzeigen. Als einzige Deutsche in unserem Jahrgang war hier mein Wissen aus Erster Hand sehr willkommen.- Corporate Finance (Firmenfinanzierung): In diesem Kurs geht es um die optimalen Finanzstrukturen von Firmen (wieviel Aktienkapital, wieviel Schulden, wieviel Dividenden, welche externen Projekte man annehmen sollte). Mein Professor fuer CorpFin ist Prof. Rafael La Porta, der zusammen mit drei weiteren Professoren (bekannt als LLSV) weltweites Aufsehen erregt mit der Theorie, dass der wirtschaftliche Erfolg von Laendern z.T. davon abhaengt, ob sie auf einem britischen ("common law rule") oder einem napoleonischen Rechtssystem ("civil law rule") beruhen.- Global and Competitive Strategy (Globale und wettbewerbliche Strategie): Mein erster Strategiekurs ist in den Teil "Business strategy" und "Corporate strategy" unterteilt. Im ersten Teil drehte sich alles um den Markt und den Wettbewerb. Wir haben Konzepte wie Porter's 5 Forces, Value Chain, Added value, Co-optition etc. behandelt. Jetzt im zweiten Teil dreht es sich mehr um die Strategie von Unternehmen: welche Ziele wollen erreicht werden, welche Ressourcen stehen zur Verfuegung, etc. Als Bestandteil dieses Kurses muessen wir in einem Gruppenprojekt eine selbstausgewaehlte Firma hinsichtlich ihrer strategischen Ziele, Erfolge oder Misserfolge untersuchen. Meine Gruppe hat sich USPS (die amerikanische Post) und die wettbewerbliche Bedrohung durch Email und UPS, FedEX, usw. ausgesucht.- Marketing: Mein Marketingkurs wird von einem Belgier unterrichtet. Er beginnt jeden Kurs mit dem Zeigen eines kurzen Werbeclips. Nachdem dann alle aufmerksam sind, werden die Grundlagen des Marketing behandelt (Branding - Markenbildung, die 4 P's (Product, place, promotion, price - Produkt, Ort, Werbung, Preis), PoP's und PoD's (Gemeinsamkeiten und Unterschiede) etc.). Fuer den Unterricht wird neben den ueblichen Fallstudien auf unser Lernerlebnis gesetzt. Wir fuellen Frageboegen aus oder fuehren eine Conjoint Analysis (eine spez. Form der Marktanalyse) durch. Das Gruppenprojekt in diesem Kurs dreht sich um Marketing fuer Pampers. Gott sei Dank, hat Matt in meinem Kurs ein Baby und kennt sich somit etwas aus.- Introduction to Entrepreneurship (Einfuehrung in Unternehmertum): Dieser zusaetzliche Kurs wird vom "DEN - Dartmouth Entrepreneurship Network" angeboten. DEN unterstuetzt Studenten am Dartmouth College oder den Graduate Schulen wie Tuck und Thayer mit Rat, Tat und ggf. finanziellen Mitteln bei den ersten Schritten in die Selbststaendigkeit. In diesem Kurs werden durch erfolgreiche Unternehmer die wichtigsten Schritte vorgestellt. Studenten, welche eine Unternehmensidee haben, haben diese im Kurs vorgestellt und jetzt wird in Gruppen von drei bis fuenf Studenten diese genauer untersucht. Ich arbeite zusammen mit einem Tuck 2nd Year an einem Immobilienprojekt.In den meisten Faechern werden in diesem Semester Fallstudien verwendet. Das theoretische Wissen kommt aus Artikeln und Buechern. Das Lesepensum ist wie immer ziemlich gross. Auch wenn ich mittlerweile gelernt habe zu unterscheiden, was sich zu lesen lohnt und was nicht. Ebenso geben uns dieses Semester die Professoren die Moeglichkeit zu einem "I pass" (dass heisst ein Frage nicht zu beantworten), da sie sich bewusst sind, wie wichtig die Interviews fuer uns alle sind.Des Weiteren wende ich das Wissen aus den ersten Semestern bereits erfolgreich an. Fuer Kurse wie Strategie oder CorpFin benoetige ich das zuvor Gelernte in Buchhaltung oder Kapitalmaerkte.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.08.2004