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Kooperationen zwischen Unis in Deutschland und China

Von Monica von Wysocki, Handelsblatt
Die Zusammenarbeit zwischen deutschen und chinesischen Universitäten boomt. Aus guten Grund. Die jungen Chinesen schätzen das deutsche Bildungssystem.
Liu Jinghui sitzt auf einem Lederstuhl und trinkt grünen Tee. Auf ihrem Schreibtisch stapeln sich die Akten. Die zierliche Chinesin ist Leiterin der Bildungsabteilung der Botschaft ihres Landes in Berlin und kann über mangelnde Arbeit nicht klagen. Die Zusammenarbeit zwischen deutschen und chinesischen Universitäten boomt. Aus guten Grund: ?Junge Chinesen vergleichen das deutsche Bildungssystem mit deutschen Produkten: effektiv und solide?, sagt Liu Jinghui.Die Statistik gibt ihr recht: 366 Kooperationen zwischen deutschen und chinesischen Hochschulen zählt derzeit die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Bonn. 1997 waren es erst 100. Der enorme Anstieg hat das Bildungsministerium in Berlin veranlasst, bei der HRK eine Studie zum Studentenaustausch in Auftrag zu geben. Offiziell erscheint sie erst im August, erste Ergebnisse liegen dem Handelsblatt jedoch bereits vor.

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Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass es derzeit nur wenige deutsch-chinesische Studiengänge gibt, was wohl vor allem an dem hohen Organisationsaufwand liegt. Dabei liegen die Vorteile eines solchen Doppelstudiums auf der Hand: Die Nachwuchsakademiker studieren in China und Deutschland und bekommen aus beiden Ländern ein Diplom. Nur in derartigen Programmen studieren und forschen die Studenten beider Länder wirklich gemeinsam.In der Realität vereinbaren die meisten deutschen und chinesischen Universitäten lediglich Austauschprogramme. Die Studenten besuchen die Partnerhochschule für ein oder zwei Semester. Ihren Abschluss machen sie aber im eigenen Land. Die Schlussfolgerung lautet: Die hohe Anzahl der Kooperationen bedeutet nicht gleichzeitig ein effektives Studium für Studenten, die sich für China oder Deutschland interessieren. Und die vielen unterschiedlichen Kooperationsverträge zwischen deutschen und chinesischen Universitäten sind für die Studenten schier unüberschaubar.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Zukunft liegt in mehr Doppelstudiengängen?Die deutschen Hochschulen haben jetzt erkannt, dass es eine besser strukturierte Zusammenarbeit mit den chinesischen Hochschulen geben muss?, sagt Marijke Wahlers, Asien-Expertin der HRK. Der Ansturm der chinesischen Studenten an die deutschen Hochschulen ist riesig. In diesem Jahr studieren knapp 25 000 Chinesen in Deutschland.Für viele Chinesen sei die bisherige Gebührenfreiheit ein Argument für einen Studienaufenthalt in Deutschland, sagt Liu Jinghui. Umgekehrt halten sich deutsche Nachwuchsakademiker noch zurück. Nach Angaben des chinesischen Bildungsministeriums gingen im vergangenen Jahr 2 200 deutsche Studenten zum Studium nach China.Die Studie der HRK soll die Universitäten jetzt beim Aufbau von gemeinsamen Studiengängen unterstützen. Für Liu Jinghui liegt die Zukunft in mehr Doppelstudiengängen. ?Nur dann forschen chinesische und deutsche Studenten und Professoren zusammen, und die Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen wird effektiver?, sagt sie.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.06.2005