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Konsumverzicht für spätere Rente fällt schwer

Quelle: Handelsblatt
?Tue Gutes und rede darüber!? So lautet ein Sprichwort, das sich bedenkenlos auf die Situation der betrieblichen Altersversorgung (bAV) übertragen lässt. So einfach die Aussage ist, so schwierig ist die Umsetzung.
HB DÜSSELDORF. Es ist naheliegend, dass die mit der bAV verbundenen Ziele der Arbeitgeber nur erreicht werden, wenn die Beschäftigten die entsprechende Wertschätzung dafür aufbringen. Das ist leider häufig nur unzureichend der Fall.Im Konzern der Deutschen Telekom wurde bereits frühzeitig nach der Privatisierung ein modernes, beitragsorientiertes System der bAV installiert, das durch Möglichkeiten der Entgeltumwandlung ergänzt wird. Der Telekom-Pensionsfonds (TPF) ist als einer der ersten Pensionsfonds Deutschlands an den Start gegangen. Inzwischen nutzen über 24 000 Beschäftigte die Möglichkeiten. Dies entspricht einer Teilnahmequote von rund 20 Prozent. Im Marktvergleich steht der TPF damit aktuell an der Spitze. Diesen Erfolg hat er unter anderem auch einer systematischen internen Marketingkampagne zu verdanken.

Die besten Jobs von allen

Im Vorfeld der Riester-Reform wurden die Beschäftigten über Intranet und Direktmailing angesprochen. Der Intranet-Auftritt wurde systematisch um interaktive Elemente wie z.B. einen Versorgungsrechner ergänzt. In den Wochen, bevor die Mitarbeiter sich erstmals zum Pensionsfonds anmelden konnten, haben wir über 200 000 Zugriffe auf die entsprechenden Seiten gezählt. Weite Teile dieses Kommunikationskonzeptes wurden mit dem Sozialpartner abgestimmt und mit ihm gemeinsam durchführt: Das steigert die Akzeptanz erheblich.Zusätzlich haben wir ein Call-Center eingerichtet, das nur für Fragen der bAV zuständig war. In der Spitze waren hier bis zu 1 000 Beratungsgespräche pro Tag zu leisten. Die hohe Akzeptanz wurde zum Anlass genommen, das Call-Center über die Anfangsphase hinaus zu behalten; Konsequenz: In den vergangenen sechs Monaten haben sich weitere knapp 5 000 Beschäftigte für den TPF entschieden.Eine Teilnahmequote von 20 Prozent erscheint jedoch immer noch nicht ausreichend. Auf den schwer wiegenden Wandel in der gesetzlichen Rentenversicherung stellen sich die Betroffenen nur zögerlich ein. Die Umwandlung von Lohn und Gehalt in Rentenbeitrag ist etwas Unangenehmes. Sie setzt aktuellen Konsumverzicht voraus, wogegen die Gegenleistung meist in weiter Zukunft liegt. Eine wesentliche Aufgabe des innerbetrieblichen Marketings für die bAV liegt darin, den Beschäftigten die Veränderungsprozesse der gesetzlichen Versorgungssysteme zu vermitteln und ihnen die Möglichkeiten der bAV zu zeigen.Der Erfolg hängt jedoch auch davon ab, in welchem Umfang sich die Medien, der Gesetzgeber, die Träger der Sozialversicherung und alle weiteren Beteiligten an diesem Aufklärungsprozess beteiligen. Sollte der Bedarf an zusätzlicher privater Versorgung in den nächsten Jahren eine Selbstverständlichkeit werden, dürfte sich auch das interne Marketing der bAV einfacher gestalten.Carsten Velten leitet die Abteilung Betriebliche Altersversorgung der Deutschen Telekom. Er ist Mitglied des Vorstands des Telekom-Pensionsfonds.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.04.2004