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Konrads visionärer Enkel

Von Christoph Nesshöver
Paul Bauwens-Adenauer, Enkel von Konrad Adenauer, hat den Kölner Baukonzern Bauwens durch einen radikalen Umbau gerettet. Der studierte Architekt setzt ganz auf Konzeption und Betreuung von Bauprojekten. Bauwens? neue Position: Systemanbieter.
KÖLN. "Res publica? sagt Paul Bauwens-Adenauer öfters. Nicht, um klassische Bildung herauszukehren. Die ?öffentlichen Dinge? im Sinne eines Cicero sind es, die den Unternehmer ebenso umtreiben wie Umsatz und Strategie seiner Firma, des Baudienstleisters Bauwens: eine attraktivere Stadt, bessere Wirtschaftspolitik, mehr Engagement des Einzelnen für das Gemeinwohl. Das dürfe nicht allein den Politikern überlassen werden, findet Bauwens-Adenauer: ?Es sollten sich mehr Unternehmer für die Res publica engagieren. Denn Wirtschaft ist immer auch Gesellschaft.?Dafür wirbt und streitet der 51-Jährige. ?Paul will immer aktiv gestalten, da spürt man das Erbgut des Großvaters?, sagt sein Freund Franz-Georg Heggemann, Geschäftsführer der Felix Böttcher GmbH & Co. KG, eines Walzenherstellers in Köln. Der Opa des politischen Unternehmers war Konrad Adenauer, Bundeskanzler von 1949 bis 1963 und vor dem Zweiten Weltkrieg von 1917 bis 1933 Oberbürgermeister von Köln, Bauwens-Adenauers Heimat.

Die besten Jobs von allen

Der kleine Paul wuchs mit der Öffentlichkeit auf: ?Zum Geburtstag meines Großvaters schrieb meine Mutter immer Gedichte, die wir Kinder dann bei seiner Geburtstagsfeier im Palais Schaumburg aufsagten ? auch vor laufenden Kameras?, erinnert sich Bauwens-Adenauer. Obwohl die Enkel den Kanzler-Großvater nur selten sahen, ?kannte er immer alle unsere Namen?. Adenauer hatte 24 Enkel.Jahrzehnte später sitzt einer von ihnen im Stammsitz der Bauwens-Gruppe in Köln: groß, schlank, die kerzengerade Haltung wie ein Aristokrat. Hinter ihm ist die Wand voller kleiner Fotos: Jedes zeigt ein Bauobjekt, an dem die Firma in ihrer 132-jährigen Geschichte mitwirkte. Einige sind schwarz-weiß ? etwa das des Kölner Messeturms.Die stammen aus der Zeit, als Bauwens noch eine Baufirma war mit Maurern und Mörtel. 5 000 Mitarbeiter zählte sie in ihrem Zenit ? und dazu Gleise voll Dampfloks für Erdarbeiten, wie ein Foto vom 24. März 1920 zeigt, das im Gang hängt. Einen Großauftrag verdankte die Firma Konrad Adenauer: In den 20er-Jahren überzeugte der ?OB? Henry Ford davon, die Ford-Werke von Berlin nach Köln zu verlegen. Gebaut wurden sie von Bauwens.Die beiden Familien blieben in Kontakt. Firmenerbe Paul-Ernst Bauwens wurde Patenonkel von Paul Adenauer. Weil Bauwens keinen Erben hatte, bot er seinem Patenkind eine Erwachsenenadoption an. So wurde die Betriebsübergabe geregelt, ohne das Überleben der Firma durch Steuerzahlungen zu gefährden. Seit 1986 führt der Enkel die Firma. Und krempelte sie um.1994 verkaufte der dreifache Vater den letzten Bagger ? auf dem Höhepunkt des Baubooms, den die deutsche Einheit der Branche verschaffte. Der Chef sah die Krise kommen und steuerte um, als es noch ging: ?Wir wollten nicht mehr die Letzten sein in der Wertschöpfungskette, nicht mehr von den Krümeln leben, die die anderen übrig lassen. Wir wollten uns befreien.? Der studierte Architekt ? die Sitzungsräume in der Firmenzentrale hat er nach Baumeistern wie Gaudi und Le Corbusier getauft ? setzt ganz auf Konzeption und Betreuung von Bauprojekten. Bauwens? neue Position: Systemanbieter.Lesen Sie weiter auf Seite 2Der Weg dahin war dornig. Viele Hundert Mitarbeiter mussten gehen. ?Das war bitter?, erzählt Bauwens-Adenauer, ?mancher arbeitete schließlich schon in der dritten Generation bei Bauwens.? Der Chef setzte sich persönlich ein, dass alle einen neuen Job fanden ? es klappte.Ist er ein Visionär? Bauwens-Adenauer überlegt: ?Ja, im Grunde genommen schon ? ein bisschen.? Und ein Retter, denn: ?Hätten wir die Firma nicht so radikal umgebaut, gäbe es sie wohl heute nicht mehr.?Nicht nur die Pleiten großer Baukonzerne wie Holzmann oder Walter Bau gaben ihm Recht. Heute hat die Bauwens GmbH & Co. KG 300 Mitarbeiter, die TV-Studios bauen wie das von Entertainer Harald Schmidt, Wohn- und Geschäftshäuser, Ämter. Das Unternehmen investiert zunehmend auch selbst und gibt die Objekte schlüsselfertig weiter an Investmentfonds.Die Firma ist fit für die Zukunft, die Stadt Köln aber noch nicht, findet Bauwens-Adenauer. ?Wenn man Köln vier Milliarden Euro schenken würde, lägen keine Pläne bereit, was man sinnvoll damit anfangen könnte?, unkt der Architekt. Er fordert einen Stadtbaumeister, der die nach 1945 im wenig glamourösen Quadratisch-praktisch-gut-Stil wieder aufgebaute Domstadt herausputzt. Jüngst hat er zudem eine Stiftung gegründet, die heruntergekommene Kölner Grünflächen sanieren will. Beides ist für ihn Wirtschaftspolitik: ?Das Flair einer Stadt wird immer wichtiger, wenn man Investoren anziehen will. Köln hat alle Chancen, aber die Stadt macht zu wenig aus sich.??Wie alle bedeutenden Bürger verbindet er realistisches Vorsicht mit Wagemut, liebt großzügige Entwürfe undbekundet unbürokratischen Gestaltungswillen, was ein hohes Maß an Pingeligkeit gegenüber Untergebenen nicht ausschließt.? Diese Charakterisierung des Großvaters durch dessen Biografen Hans-Peter Schwarz passt auch auf den Enkel, gibt der zu ? inklusive der Pingeligkeit: ?Briefe gehen bei mir erst raus, wenn auch der Stil stimmt.? In die Politik wie der Vorfahr ging Bauwens-Adenauer trotz diverser Angebote nie. Für die Res publica kämpft er aber weiter: Nach dem Tod des Bankiers Alfred von Oppenheim wurde er zum Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Köln gewählt.
Dieser Artikel ist erschienen am 13.04.2005