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Kommen Sie nach Lüneburg!

Ein guter Bachelor bringt keine dünnbrettigen Mini-Wissenschaftler hervor, sondern vermittelt jungen Leuten Berufsfähigkeit. Das haben viele Hochschulen noch nicht begriffen. Meint Klaus Landfried.
Ob es einer Installateurmeisterin nützt, wenn sie auch ein Bachelor-Zeugnis in ihrer Werkstatt aushängen kann? Eine derzeit laut diskutierte Frage. Für mich wäre ihre Fähigkeit, das Leitungsgewirr meines alten Hauses zu sanieren, viel wichtiger als ein solches Zeugnis. Auch die Frage, was die seit einigen Jahren von den Hochschulen ausgebildeten Bachelors, wirklich wissen und vor allem können, erscheint mir bedeutender als das Lamento vieler Professoren, wie furchtbar doch jene (angeblich) neuen Abschlüsse die (angeblich) gute alte deutsche Universität ruinierten.Die hohen Herren übersehen schlicht die Tatsache, dass man nicht 30 oder gar 40 Prozent eines Altersjahrgangs so ausbilden kann wie einst jene drei Prozent, als sie selber jung waren. Die meisten Absolventen werden nach dem Studium in der Wirtschaft und nicht in der Wissenschaft arbeiten. Und dafür braucht es andere Lehr- und Lernmethoden als den vielerorts noch gepflegten Belehrungsdrill zeitlich komprimierter Fachwissenschaften. Die Kritik an vielen Bachelor-Programmen, sie seien zu verschult und beschränkten mit ihrer Spezialisierung die spätere Berufsfähigkeit, teile ich.

Die besten Jobs von allen

Da wurden oft die früheren Vor-Diplome ein Stück weit "abprüfungsgerechter ausgerichtet" und mit einem Etikett versehen, ohne zu fragen, ob die Inhalte die im 21.Jahrhundert nötige Kombination aus Bildung und Ausbildung treffen. Stattdessen spukten wieder kleine Fachwissenschaftler in den Köpfen der fantasielosen Designer. Ja, wissen Sie denn eine Alternative? So fragt mancher verzweifelt. Ja, sage ich, die kenne ich. Und wie sieht sie aus? Kommen Sie mit nach St. Gallen oder seit kurzem auch nach Lüneburg, an die dortige Universität "Leuphana", wo in diesem Herbst der "Leuphana-Bachelor" startet. Am Anfang steht ein für alle gemeinsames erstes Semester, das vier Lernbereiche enthält: Methoden wissenschaftlichen Arbeitens, philosophische Grundfragen der gegenwärtigen Kulturen auf historischer Grundlage, Verantwortung für die Gesellschaft und eine Einführung in das gewählte Hauptfach. Inhalte werden hier nicht einfach eingetrichtert, sondern in kleinen Studenten-Teams erarbeitet.Es gibt viele studentische Mitarbeiter, die die Lernteams als junge Mentoren begleiten. Anspruchsvoll und anstrengend bleibt es allemal. Die Persönlichkeiten sich entwickeln zu lassen ebenso wie die Fähigkeit, Probleme auch auf nicht speziellen Gebieten zu lösen, das gehört zu dieser neuen, kreativen Form eines wissenschaftlichen Studiums, das aber nicht dünnbrettige Mini-Wissenschaftler fördert, sondern jungen Leuten Berufsfähigkeit vermittelt. Die Absolventen aus St. Gallen zeigen, dass ein solches aktiv gestaltetes Studieren auch den oft verächtlich gemachten "Bätscheler" zu einem respektablen Abschlussgrad machen kann.
Dieser Artikel ist erschienen am 08.10.2007