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Kolumne

Martin Roos
Damit einem nichts Spanisch vorkommt.
Wenn Sie in Barcelona zur Arbeit gehen, ziehen Sie sich schick an. Die Einheimischen mögen das. Der Anzug ist Favorit unter leitenden männlichen Angestellten, Frauen haben es leichter. Das Kostüm ist nur beim ersten Kontakt ein Muss. Danach geht's auch ohne - Kostüm. Wie überall gibt es aber auch in Barcelona Berufe, bei denen es vollkommen schnuppe ist, wie Sie aussehen, zum Beispiel in der Musikbranche, in Internet-Unternehmen oder in der Nahrungsmittelindustrie - als Eisverkäufer.

Spanisch sollten Sie grundsätzlich können, wenn Sie in Barcelona Geschäftsbeziehungen aufbauen möchten. Viele der spanischen Geschäftsführer haben nämlich immer noch Schwierigkeiten mit Englisch. Sollten Sie kein Spanisch können, versuchen Sie es mit Katalanisch. Gelingt ihnen auch das nicht, überlegen Sie sich, wo sie als nächstes hinziehen möchten.

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Die Arbeit in Büros beginnt meistens zwischen 8.30 Uhr und neun Uhr. Einen Rechtsanwalt werden Sie nicht vor zehn Uhr antreffen. Allerdings arbeitet er auch bis in die Nacht. Die Mittagspause dauert mindestens eine Stunde, außer im öffentlichen Sektor. Dort halten sich die Angestellten an die Siesta-Tradition: Mittagspause von zwei bis drei Stunden, bei schönem Wetter Essen im Restaurant am Meer. Kommen Sie dann nicht auf die Idee ins Wasser zu springen. Sind Sie Barceloneser oder nur Tourist?

Eine persönliche Beziehung zu Geschäftskollegen ist im spanischen Berufsleben sehr wichtig - besonders, wenn es um zukünftige Arbeitspartner geht. Die Chemie muss stimmen, damit der Kontakt gefestigt und Verträge abgeschlossen werden können. Eine spanische Geschäftsbeziehung basiert auf gegenseitigem Vertrauen. Oft werden verbale Abkommen getroffen, die den Anfang einer Geschäftsbeziehung bedeuten. Es sei allerdings geraten, zu einem geeigneten Zeitpunkt auf einen formellen Vertrag zu pochen, um zukünftige Schwierigkeiten zu vermeiden - für seine Zahlungsmoral ist kein Spanier berühmt.

Ein Geschäftstreffen wird meist einige Tage im Voraus telefonisch festgelegt. Da Katalanen gerne spontan sind, kann es aber auch vorkommen, dass Anruf und Verabredung am selben Tag stattfinden. Zudem sehen es die Einheimischen mit der Pünktlichkeit nicht besonders eng. Zehn bis 15 Minuten Verspätung sind die Regel. Um der Wartezeit zu entgehen, hat es keinen Sinn, dass nun auch Sie später kommen. Damit schieben Sie das Treffen nur unnötig weiter nach hinten. Der Katalane ist stolz, will nicht warten und wird deswegen immer später kommen als Sie.

Wenn Sie einen Kunden in Barcelona noch nicht gut kennen oder gerade kennen lernen, geben Sie ihm oder ihr einfach die Hand. Dass dann aus dem Sie schnell ein Du wird, ist normal. Wenn Sie die Person das nächste Mal treffen, ist es üblich, sich zu umarmen oder sich Küsschen auf die rechte und linke Wange zu geben. Der Kuss auf den Mund ist bei diesen Treffen zu vermeiden. Heben Sie sich ihn für Barcelonas Nachtleben auf.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.06.2001