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König der Übernahmen

Von Gerd Braune
Wenn sich um Kanadas Unternehmen Übernahmegerüchte ranken, dann fällt der Name Gerald Schwartz. Der 65-jährige ist der unbestrittene Übernahme-König des Landes und gehört zu den Großverdienern. Selbst einige missglückte Versuche konnten seinem Ruf als einer der erfolgreichsten Financiers nichts anhaben.
TORONTO. Gerald Schwartz hat einen guten Überblick. Von seinem Büro im 49. Stockwerk des BCE Place ? des großen Bürokomplexes im Zentrum Torontos ? blickt er auf die Bay Street, das kanadische Finanzzentrum. Oder er lässt seinen Blick über den Ontariosee schweifen. Von hier aus leitet er die Geschicke seiner Holding Onex ? falls er sich nicht gerade im New Yorker Büro aufhält. Schon als Schüler in Winnipeg hatte der Mann mit dem kurzen, lockigen schwarzen Haar das Ziel, ein Unternehmen zu führen. Jährlich mindestens 10 000 Dollar sollte es bringen. ?Ich dachte, 10 000 Dollar sind eine große Sache?, erinnert er sich.Heute rangiert der 65-jährige Gerald Schwartz, der von allen nur Gerry genannt wird, unter den Großverdienern Kanadas. Er ist der Übernahme-König des Landes. Wenn um Unternehmen Übernahmegerüchte ranken, dann fällt der Name Schwartz. Mit Magna-Chef Frank Stronach zusammen tüftelte er ein Angebot für den defizitären Autohersteller Chrysler aus. Mit der US-Investmentfirma KKR bildete er ein Konsortium, um den kanadischen Telekomgiganten BCE zu kaufen. Und auch die Fusion von Air Canada mit Canadian Airlines hatte er sich zum Ziel gesetzt.

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In all den Fällen kam Schwartz nicht zum Zug. Seinem Ruf als einer der erfolgreichsten Financiers des Landes schadete es nicht. Die Unternehmen, an denen Onex beteiligt ist, haben weltweit 167 000 Mitarbeiter. Mit Einnahmen von 18,6 Mrd. kanadischen Dollar und einem Gewinn von einer Milliarde Dollar im letzten Jahr rangiert Onex unter Kanadas börsennotierten Unternehmen an 17. und 30. Stelle. Gerry Schwartz steht auf der Liste der bestbezahlten Manager Kanadas ebenfalls auf Platz 17. Vergangenes Jahr beliefen sich Gehalt und Bonuszahlungen auf 13,6 Mill. Dollar.Sein privates Refugium hat Gerry Schwartz in Torontos renommiertem Bezirk Rosedale. Hier wohnt er mit Frau Heather Reisman (58) ? ebenfalls eine illustre Persönlichkeit in der Geschäftswelt. Er der Übernahme-Artist, sie die Herrin über Kanadas Buchmarkt. Heather Reisman ist Präsidentin von Chapters-Indigo, einer Buchhandelskette, die in Kanada fast ein Monopol hat. 1996 hatte Reisman Indigo Books and Music gegründet. 2001 kaufte Schwartz über sein Unternehmen Trilogy für 121,5 Mill. Dollar den Konkurrenten Chapters. Das Privatinvestment gehört in die Kategorie ?Kleine Geschenke, die die Freundschaft erhalten?. Als Heather ihren 40. Geburtstag feierte, lud ihr Mann das berühmte Kingston Trio ein, ihr ein Ständchen zu singen. Heather revanchierte sich bei Gerrys nächstem Geburtstag mit einem roten Porsche.Schwartz und Reisman ? für beide ist die 1982 geschlossene Ehe die zweite ? sind Kanadas ?Power-Paar?, wie die Medien es beschreiben. Ihre Namen können die Führungsetagen ?von Bay Street bis zum Parliament Hill? ? dem Parlament in Ottawa ? zittern lassen, meint das Magazin ?Toronto Life?.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Schon als Junge hatte Gerry Einblick in die Geschäftswelt.Ihre Beziehungen reichen weit ins politische Leben hinein. Der lange regierenden Liberalen Partei stehen sie nahe, sind Freunde des früheren Premiers Paul Martin. Für ihn organisierten sie 2003 das größte Fundraising-Dinner des Landes. Je 700 Dollar zahlten die mehr als 3 000 Gäste für die Teilnahme und brachten mehr als zwei Mill. Dollar in die Parteikasse. Als sie sich letztes Jahr demonstrativ von den Liberalen abwandten, weil die Partei im Libanon-Krieg nicht eindeutig Position zu Gunsten Israels ergriff, war dies eine politische Sensation in Ottawa. Schwartz/Reisman gelten als die einflussreichsten Förderer israelischer Anliegen in Kanada.Schon als Junge hatte Gerry durch Vater Andrew, einen Autozubehörhändler, Einblick in die Geschäftswelt. ?Die Grundlage dessen, was ich weiß, stammt mehr aus der Zeit, die ich mit meinem Vater verbrachte, als von irgendetwas anderem?, sagt Schwartz. Am Freitagabend und am Samstag arbeitete er dort. Nach der High School studierte er an der Universität von Manitoba Wirtschaft und Recht. Anschließend zog es ihn an die Harvard Business School und danach in die Investmentfirmen New Yorks. Bei Bear Stearns lernte er Banker wie Jerome Kohlberg, Henry Kravis und George Roberts kenne ? die späteren KKR-Gründer. Hier holte er sich das Rüstzeug für fremdfinanzierte Übernahmen.Nach dieser Lehre ging es 1977 zurück nach Kanada. Gemeinsam mit Steueranwalt Izzy Asper gründete er CanWest Capital, die heute als CanWest Global Communications eines der größten Medienunternehmen Kanadas ist. Differenzen in der Strategie trübten Anfang der 80er- Jahre die Beziehung. Asper wollte ?Bäume pflanzen, sie wachsen lassen und dann die Äpfel essen?. Schwartz wollte ?Bäume wachsen lassen, sie verkaufen und sich nach weiteren Bäumen umsehen.?Mit zwei Mill. Dollar in der Tasche hatte Schwartz genug Kapital für andere Bäume. 1983 gründete er Onex. Seine Vision war es, unterbewertete oder schlecht geführte Unternehmen zu kaufen, sie zu sanieren und dann mit Profit zu verkaufen. Als Onex 1987 an die Börse ging, hatte er für 1,3 Mrd. Dollar Unternehmen gekauft, darunter Sky Chefs, den Caterer für Fluggesellschaften, und Purolator Courier, einen Post- und Paketdienst.Schwartz ist die unbestrittene Führungsperson bei Onex. Aber er ist auch, wie Insider anmerken, ein Teamspieler. Er hat eine Gruppe von Mitarbeitern, deren Urteil er vertraut. Dazu gehören der Vizepräsident Donald Lewtas, Finanzchef Ewout Heersink, Andrew Sheiner und Anthony Munk. Doch die Entscheidungen über Investitionen lässt er sich nach Einschätzung von Beobachtern nicht abnehmen. Es könne vorkommen, dass im Vorstand Beschlüsse nicht einstimmig, sondern mit Mehrheit getroffen würden, aber es sei schwer vorstellbar, dass eine Entscheidung ohne seine Zustimmung getroffen wird, heißt es.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Auf eines ist Gerald Schwartz besonders stolzAuf eines ist Gerald Schwartz besonders stolz: ?Dass wir in den mehr als zwanzig Jahren, seit wir als Unternehmen begannen, fast keine Fluktuation hatten.? Diese Stabilität sehen Beobachter als wesentlichen Grund für den Erfolg. Obwohl einige Investitionen mit Verlusten endeten, ist die Bilanz beeindruckend: Die Rendite liegt bei 28 Prozent pro Jahr. ?Dass die selbst bei einigen Verlusten erzielt wurden, zeigt, warum Banken und Pensionsfonds daran interessiert sind, Gerry Schwartz Geld zu geben?, sagt Horst Hueniken, Analyst bei Westwind Partners in Toronto.In Konferenzen mit Analysten und auf Aktionärstreffen zeichnet sich Gerry Schwartz durch Geduld und Bereitschaft aus, auch komplizierte und unangenehme Fragen in Ruhe zu beantworten. Zuhörer und Fragesteller schätzen, dass er selbst bei wiederholten Nachfragen nicht emotional wird.Schwartz wirkt für Außenstehende nicht sehr zugänglich ? dies ist aber nur ein Zeichen des Zeitmangels. Denn er liebt die Gesellschaft, das angeregte Gespräch, auch und gerade über Themen, die nicht unmittelbar sein Geschäft betreffen: die Politik, die jüdische Gemeinschaft Kanadas, die Kunst. ?Jeder hätte Gerry Schwartz gerne als Gast auf seinem Empfang?, erzählt ein Insider.
MeilensteineWerdegang: Gerald Schwartz wurde am 24. November 1941 in Winnipeg geboren. 1962 schloss er mit dem ?Bachelor of Commerce? die University of Manitoba ab, 1966 folgte der Bachelor-Abschluss in Recht. Nach dem Studium an der Harvard Business School in Boston (ab 1969) arbeitete Gerry bei Investmentfirmen in New York mit. 1977 kehrte er nach Winnipeg zurück und gründete zusammen mit Izzy Asper die CanWest Capital Corp. Seit 1982 ist er mit Heather Reisman verheiratet. Das illustre Paar hat vier erwachsene Kinder.Onex Corporation: 1983 gründete Schwartz das Private-Equity-Unternehmen Onex mit Sitz in Toronto. Die Investitionen werden über vier Fonds abgewickelt: Onex Partners LP I mit 1,7 Milliarden US-Dollar und Onex Partners LP II mit 3,5 Milliarden US-Dollar, der im vergangenen Jahr geschlossen wurde. Für Investitionen in kleinere Unternehmen existieren die Fonds ONCAP I und II. Seit der Firmengründung hat Onex insgesamt 7,7 Mrd. kanadische Dollar in Firmenübernahmen investiert. Zu den 28 Unternehmen, die gekauft und wieder verkauft wurden, gehören Sky Chefs Inc. und Purolator Courier Ltd.Geschäftsergebnisse: Die Einnahmen der Onex-Unternehmen lagen im vergangenen Jahr bei 18,6 Milliarden kanadischen Dollar nach 15,5 Milliarden Dollar 2005. Der Nettogewinn erreichte eine Milliarde Dollar oder 7,55 je Aktie. Das Anlagevermögen hatte einen Wert von 22,6 Mrd. Dollar.
Dieser Artikel ist erschienen am 25.07.2007