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Kleines Geld, große Wirkung

Kornelia Turkiewicz
Youth Banks fördern mit Geld und Beratung Projekte von Jugendlichen für Jugendliche. Federführend dürfen nur Leute sein, die jünger als 25 Jahre sind.
Wie eine Bankangestellte wirkt Jana Beyer mit ihren hennaroten Haaren nun wirklich nicht. Auch die anderen Jungs und Mädels zwischen 15 und 20 Jahren, die mit Jana um den runden Tisch im Kölner Bürgerhaus Stollwerck sitzen, tragen statt Anzug und Krawatte Jeans und T-Shirt. Doch die elf Jugendlichen betreiben bereits ihre eigene Bank, eine Youth Bank. Ein Girokonto bekommt man hier zwar nicht, dafür gibt es unbürokratisch Geld für gemeinnützige Projekte.

"Wir ermöglichen jungen Leuten, für ihre ehrenamtlichen Projekte eine einmalige Förderung von 50 bis 400 Euro zu erhalten", erklärt die 17-jährige Jana. Bisher hat die Youth Bank Köln unter anderem eine "Schüler gegen Rechts"-Demo und eine Promotion-Aktion der Schülerzeitung Salto aus Essen gefördert. Wichtigstes Kriterium für die Bewilligung: Alle Projekte müssen Jugendlichen zugute kommen und grundgesetzkonform sein. Federführend dürfen nur Leute sein, die jünger als 25 Jahre sind.

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Das Geld für die Projekt-Schecks kommt von der Deutsche Bank Stiftung. Wer gefördert wird, entscheiden aber die Jugendlichen selbst: "Als Youth-Bank-Verantwortliche schaue ich mir die Anträge an und setze mich gegebenenfalls mit den Leuten in Verbindung", erklärt Jana, "per Mehrheitsentscheidung stimmen wir dann in unserer wöchentlichen Sitzung ab."

Unkomplizierte Hilfe.
Weitere Partner der Youth Banks sind die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung und die Servicestelle Jugendbeteilung, die bundesweit Jugendbeteiligungsprojekte veranstaltet, koordiniert und mit Rat und Tat unterstützt. "Denn mit Geld alleine ist es ja nicht getan" fügt Jana hinzu, "wir beraten und unterstützen die Leute auch bei ihren Projekten." Jana weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Jugendliche mit den relativ kleinen Beträgen auf die Beine stellen können. Denn ohne die Youth Bank würden sie und ihre zehn ehrenamtlichen Kollegen und Kolleginnen, allesamt Schüler oder frischgebackene Abiturienten, heute nicht an diesem Tisch sitzen. "Wir wollten für Kölner Jugendliche eine Online-Seite aufbauen, auf der alle Veranstaltungen für Jugendliche zu sehen sind. Die Finanzierung war unser größtes Problem", erzählt die Gymnasiastin. "Irgendwann haben wir damals von der Youth Bank Flensburg erfahren und uns an diese gewandt. Wenig später haben wir 350 Euro überwiesen bekommen." Dafür haben sie lediglich ein Formular ausfüllen und eine Projektbeschreibung einreichen müssen. "Doch noch wichtiger war, dass wir von denen die Software für die Online-Seite zur Verfügung gestellt bekommen haben und beraten wurden."

An diesem Abend im Stollwerck diskutiert die kleine Truppe selbst über förderungswürdige Projekte. Denn vor ein paar Monaten haben sie eine eigene Youth Bank gegründet. Vier Mikroprojekte werden derzeit gefördert, eines davon ist die ZON - die Zeitung ohne Namen: Diese Schul- und Stadtzeitung wird im lippischen Horn-Bad Meinberg von 22 Schülern herausgegeben.

"Wir wollten eine überschulische und eigenständige Zeitung, die an allen weiterführenden Schulen der Stadt verteilt werden soll, herausbringen", erzählt die 18-jährige Katrin Rulle. Über einen Bekannten hat sie von der Youth Bank Köln erfahren: "Wir haben im Oktober angefangen, unsere Zeitung zu planen. Im November haben wir einen Antrag bei den Kölnern eingereicht. Im Januar gab's dann 200 Euro Starthilfe für die Druckkosten." Und nachdem die erste Ausgabe der ZON so gut angekommen ist, soll demnächst die Arbeit an der zweiten Ausgabe losgehen

[ www.youthbank.de ] Pragmatische Idealisten

Egoistisch oder engagiert - wie sind heutige Jugendliche drauf?

Klaus Hurrelmann: Egoistisch klingt mir zu negativ. Ich spreche lieber von Ego-Taktikern, Ego-Zentrikern oder auch Ego-Opportunisten. Jugendlichen bleibt in der heutigen Situation eigentlich nichts anderes übrig, als genau abzuwägen, wo sie für sich die besten Chancen sehen. Die Angst, arbeitslos zu werden oder erst gar keinen Ausbildungs- oder Studienplatz zu bekommen, ist groß. Doch diese Haltung trifft nicht auf alle Jugendlichen zu. Immerhin ein Drittel der Zwölf- bis 25-Jährigen - darunter mehr Mädchen als Jungen - engagiert sich regelmäßig ehrenamtlich.

Wie selbstlos ist das Engagement dieser Gruppe?

Die meisten sind so genannte pragmatische Idealisten. Viele engagieren sich aus Überzeugung, aber sie sehen es nicht als ihre Pflicht in der Gesellschaft. Sie engagieren sich da, wo es ihnen und ihren Altersgenossen etwas bringt, zum Beispiel in der Schülerverwaltung, in der Kirche oder im Sportverein. Nicht aber unbedingt für Schwächere.

Warum kommt Engagement bei Arbeitgebern gut an?

Ehrenamtliches Engagement zeigt, dass jemand über den Tellerrand hinausschauen kann und dass jemand für eine Idee lebt, ohne sofort einen Nutzen davon zu haben. Oft stellen Jugendliche nicht als Einzelkämpfer, sondern in einer Gruppe etwas auf die Beine. All diese Eigenschaften sind auch im Berufsleben gefragt. Gleichzeitig sollte man aber auch an die Unternehmen appellieren, dass sie Mitarbeiter, die sich engagieren, schon mal eine Stunde früher Schluss machen lassen oder mal zwei Tage freistellen

Klaus Hurrrelmann, Professor für Sozialwissenschaften, hat für die Shell-Jugendstudie die Jugend von heute untersucht.
Dieser Artikel ist erschienen am 04.06.2007