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Klaus Zumwinkel: Requiem für die gelbe Eminenz

Von Axel Granzow und Dieter Fockenbrock
Klaus Zumwinkel wäre beinahe schon vor drei Wochen gestürzt. Das konnte sein Kollege Frank Appel gerade noch verhindern. Der Post-Chef fiel seinem möglichen Nachfolger regelrecht in die Arme bei dem missglückten Versuch, über eine Stuhlreihe zu klettern. Diesmal aber konnte Appel Zumwinkel nicht mehr helfen.
DÜSSELDORF. Ort des Geschehens: das Weltwirtschaftsforum in Davos. Appel fing geistesgegenwärtig seinen Vorstandsvorsitzenden auf. Der nahm seine Rettung vor einem bösen Fall mit Dank zur Kenntnis.Gut fünf Stunden nach Beginn einer Durchsuchung seiner Privatvilla im vornehmen Kölner Stadtteil Marienburg am frühen Donnerstagmorgen ist Zumwinkel von der Polizei wegen des Verdachts eines millionenschweren Steuervergehens zu Hause abgeholt worden.

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Es ist ein Bild, das der Post-Chef wohl nie mehr vergessen wird. Der Imageschaden ist irreparabel, obwohl des Top-Managers Schuld noch längst nicht feststeht. Keine 36 Stunden später hat Zumwinkel die Kosequenzen gezogen und tritt am Freitagmittag zurück.
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Dass er in Geldfragen nicht immer sehr sensibel agierte, bewies Zumwinkel indes erst vor ein paar Wochen. Damals verkaufte er Optionen auf Post-Aktien ? und das, unmittelbar nachdem der Bundestag den Post-Mindestlohn verabschiedet hatte. Die private Gelddruckaktion brachte dem Post-Chef nicht nur eine Finanzspritze von mehr als zwei Millionen Euro, sondern auch viel öffentliche Kritik. Die FDP sprach von einem ?Monopoly-Spiel?, die Grünen nannten den Deal ?moralisch? verwerflich ? eine Aktion, die Zumwinkel inzwischen bedauert. Dem Handelsblatt sagte er noch im Januar: ?Ich habe da einen Fehler gemacht.?Zumwinkel, seit jungen Jahren durch den Verkauf der elterlichen Handelskette ein vermögender Mann, führt seit fast 20 Jahren als eine Art gelbe Eminenz die Post. In seine Ära fallen der Börsengang des einstigen Staatskonzerns und die Verwandlung der Behördenpost in einen weltweit tätigen Logistikkonzern. Der Vertrag des 64-Jährigen als Vorstandschef wäre Ende des Jahres ausgelaufen. Er selbst wird dann 65 und wollte eigentlich in den Aufsichtsrat wechseln, um seinem designierten Nachfolger, Post-Logistikvorstand Frank Appel, den Weg frei zu machen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: All das steht nun in Frage und noch einiges mehrAll das steht nun in Frage und noch einiges mehr. Denn Zumwinkel ist auch Aufsichtsratschef der Telekom und der Postbank, Kontrolleur bei der Lufthansa, Arcandor sowie Mitglied des Board of Directors der US-Investmentbank Morgan Stanley. In all diesen Konzernen wird man sich nun Gedanken über die Besetzung des Aufsehergremiums machen müssen.Die Börse hat bereits ihre Schlüsse aus den Vorgängen gezogen. Die Post-Aktie hat gestern mit einem Kurssprung auf die Nachricht von der Razzia reagiert. Händler erklärten, der Markt spekuliere auf den Abschied des Managers. Als die Nachricht dann kam, zogen die Kurse am Freitagmittag nochmals an, die ?Aktie Gelb? war am Mittag größter Gewinner im Dax.
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Zumwinkel gilt an der Börse als Bremser, Zauderer und als schlechter Kommunikator. Erst kürzlich opferte der Vormann seinen Finanzchef ? nach Beschwerden von Investoren über die ungenügende Kommunikationspolitik des Unternehmens.Nicht der einzige Kritikpunkt: Auf der Hauptversammlung im vergangenen Frühjahr schmähten Investoren Zumwinkel als Mann von gestern und bemängelten die ?mangelnde Profitabilität? der Post, insbesondere hervorgerufen durch das seit Jahren kriselnde Amerika-Geschäft.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.02.2008