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Klassenraum statt Entwicklungslabor

Das Interview führte Dominik Schöneberg.
In Deutschland herrscht Lehrermangel. Um die Lücken zu füllen, haben viele Bundesländer Seiteneinsteigern die Wege ins Klassenzimmer geebnet. Auch Ingenieure können unterrichten, zum Beispiel an Berufsschulen. Volker Scheele hat jahrelang in der Mobilfunkbranche gearbeitet. Im Interview berichtet er, warum er sich zum Wechsel an die Schule entschlossen hat.
karriere Online: Warum haben Sie sich entschlossen, als Quereinsteiger in den Lehrerberuf zu wechseln?

Volker Scheele: Für mich stand bei meiner Entscheidung für den Umstieg im Vordergrund, dass ich mich auf einem neuen Gebiet ausprobieren wollte. Die Arbeit, die ich bislang gemacht habe, bot zuletzt in meinem Tätigkeitsbereich wenig Neues. Außerdem hat man natürlich als Lehrer einen krisensicheren Job. Wegen des Lehrermangels bei technischen Fächern bekomme ich so gut wie sicher eine Stelle.

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karriere Online: Profitieren Sie beim Unterricht von ihrer Praxis-Erfahrung?

Scheele: Während meiner Arbeit in der Mobilfunkbranche hatte ich regelmäßig mit Mitarbeitern ohne technische Ausbildung zu tun. Im Gespräch ? etwa mit Kaufleuten ? war wichtig, dass ich technische Sachverhalte erklären konnte, ohne mit Fachbegriffen um mich zu werfen. Diese Fähigkeit, verständlich erklären zu können, hilft mir auch in der Schule. Außerdem wirken praxiserprobte Lehrer auf die Schüler glaubwürdiger. Für die jungen Leute ist es anschaulicher, wenn ich bestimmte Themen anhand von Beispielen aus der Praxis erklären kann. Die Schüler merken dann schnell, dass ihr Lehrer weiß, wovon er redet.

karriere Online: Welche Schwierigkeiten kann der Quereinstieg mit sich bringen?

Scheele: Um Lehrer werden zu können, musste ich an die Universität zurückkehren. Das war eine große Umstellung: Zum einen sitze ich im Hörsaal neben Kommilitonen, die gerade erst ihr Abitur gemacht haben. Zum anderen unterscheidet sich der Uni-Alltag sehr stark vom Arbeitsleben. Und nicht für jeden ist der Lehrerberuf das richtige: Eine Klasse von 30 Schülern bei Laune zu halten und zum Lernen zu motivieren ist sicher nicht jedermanns Sache

Zur Person:
Volker Scheele (38) studierte Elektrotechnik an der Fachhochschule Lippe in Lemgo. Nach seinem Abschluss 1996 arbeitete er bei der Stadtwerke Essen AG und anschließend bei E2-Mobilfunk/VIAG Interkom (inzwischen O2) und MobilCom in der Funknetzplanung. Nachdem MobilCom seine UMTS-Aktivitäten eingestellt hatte, arbeitete er als freiberuflicher Ingenieur für E-Plus. Derzeit studiert er an der Universität Dortmund Lehramt für berufsbildende Schulen. Bei Praktika sammelte er bereits Unterrichtserfahrung

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Weiterführende Links:

Bildung ist Ländersache. Daher sind die Richtlinien für den Quereinstieg in den Lehrerberuf in jedem Bundesland anders. Folgende Übersichtsseite enthält Links mit Informationen für alle Bundesländer:
http://www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=1573

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Dieser Artikel ist erschienen am 28.06.2004