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Kirch holt alte Bekannte in sein Fußball-Team

Von Joachim Hofer und Hans-Peter Siebenhaar
Im Fußballstadion werden nach 45 Minuten die Seiten gewechselt. Ganz so schnell war Leo Kirchs Team nicht, das er sich für die Vermarktung der Bundesliga-Rechte auf den Platz geholt hat. Doch auch seine zwei wichtigsten Neuzugänge haben sich in den vergangenen Wochen mächtig ins Zeug gelegt, um auf die andere Seite zu kommen.
Medien-Unternehmer Leo Kirch formt seine Fußball-Mannschaft. Foto: dpa
MÜNCHEN/CANNES. Dagmar Brandenstein zum Beispiel: Bis vor kurzem war sie noch Geschäftsführerin der Sportrechteagentur Sport A. Über die Tochterfirma von ARD und ZDF kaufte die 41-Jährige die Bundesliga-Rechte für die ?Sportschau? ein.Schon bald wird die resolute Managerin ihren alten Kollegen wieder gegenübersitzen ? aber in einer ganz anderen Rolle: Diesmal muss sie die Rechte an den Mann bringen. Denn Kirch hat Brandenstein zur Chefin von Sirius gemacht, dem neuen Vermarkter der TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga. 500 Millionen Euro garantiert der Medienunternehmer Kirch den 36 Klubs der ersten und zweiten Liga für jede Saison ab 2009.

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Das ist viel Geld, das Brandenstein erst einmal wieder hereinholen muss. Damit am Ende noch ein Gewinn übrig bleibt, müsste sie für Einnahmen von mindestens 550 Millionen Euro sorgen, schätzt ein Medienmanager.Ob Brandenstein das schafft?In den öffentlich-rechtlichen Anstalten hat sie sich jedenfalls einen guten Ruf erworben. ?Sie genießt höchsten Respekt bei den Intendanten?, heißt es in der Branche.Neuzugang Nummer zwei ist Dejan Jocic. Der führte zuletzt den gescheiterten Münchener Bezahlsender Arena. Der 34-Jährige übernimmt künftig die Produktion der Live-Bilder der Fußball-Bundesliga. Dazu gründet Kirch ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Deutschen Fußball Liga (DFL).Lesen Sie weiter auf Seite 2: Auch der Dritte im Bunde ist kein UnbekannterEines haben Brandenstein und Jocic gemeinsam: Sie waren schon einmal für Leo Kirch tätig. Jocic war bis 1999 bei Kirchs Sportsender DSF, dann zog er weiter in Kirchs Bezahlkanal Premiere, um daraufhin auf der gegenüberliegenden Straßenseite in Unterföhring bei der Spielfilmstation Pro Sieben anzuheuern. Brandenstein arbeitete in den 90er-Jahren für Kirchs Sportrechteagentur ISPR.Dritter im Bunde ist Dieter Hahn, der Einzige im Spiel, der ohne Unterbrechung immer auf der Seite Kirchs stand. Zur Erinnerung: Hahn, 46, hätte das Imperium von Leo Kirch führen sollen, wenn der Börsengang Anfang des neuen Jahrtausends geklappt hätte. Stattdessen aber brach das verschachtelte Gebilde unter einem Schuldenberg von 6,5 Milliarden Euro zusammen.Hahn blieb jedoch Kirch treu und fädelte auch jetzt den Deal mit der DFL ein, den die Klubmanager am Dienstag absegneten.In der Branche heißt es, der bullige Manager aus dem Ruhrpott habe sich verändert seit der spektakulären Insolvenz. Auch die Bundesliga-Vereine lernten in den wochenlangen Verhandlungen einen neuen Hahn kennen. Sie bekamen nicht seine frühere Zuckerbrot-und-Peitsche-Strategie zu spüren. ?Die Gespräche waren sehr sachlich und konstruktiv?, sagt ein Beteiligter. Soll heißen: Hier prallten keine Alphatiere aufeinander.?Hahn ist ein sehr gewandter Verhandlungsführer?, berichtet ein Liga-Insider. Bei den Vereinen hat der Mann mit den lichten Haaren und bisweilen müden Augen in den vergangenen Wochen viel Vertrauen aufgebaut.
Dieser Artikel ist erschienen am 12.10.2007