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Kilometergeld

Michael H. Schulz
Foto: Bob Heinemann
Viel Rummel hatte es Anfang 2001 um die neue Kilometergeldregelung von Finanzminister Eichel gegeben. Dann wurde es stiller: Die nächste Steuererklärung schien noch so weit weg. Doch jetzt ist es soweit. Die Änderungen machen sich bemerkbar und für die nächste Steuererklärung lohnt sich die Suche nach steuermindernden Belegen.
Viel Rummel hatte es Anfang 2001 um die neue Kilometergeldregelung von Finanzminister Eichel gegeben. Dann wurde es stiller: Die nächste Steuererklärung schien noch so weit weg. Doch jetzt ist es soweit. Die Änderungen machen sich bemerkbar und für die nächste Steuererklärung lohnt sich die Suche nach steuermindernden Belegen.

Zwei Drittel aller Berufstätigen steigen morgens ins Auto, um zur Arbeit zu kommen. Bis zum vergangenen Jahr konnten nur sie ihre Fahrtkosten als Werbungskosten pauschal geltend machen: Pro Kilometer einfache Fahrt schlugen 70 Pfennig für maximal 230 Arbeitstage steuermindernd zu Buche. Wer mit Bus oder Bahn pendelte, musste die tatsächlichen Kosten fürs Ticket nachweisen.

Die besten Jobs von allen


Seit Januar 2001 gewährt der Fiskus allen Berufspendlern die volle Entfernungspauschale - sogar Fußgängern. Für die ersten zehn Kilometer können 70 Pfennig abgerechnet werden, ab dem elften Kilometer mindern 80 Pfennig das steuerpflichtige Einkommen. Gerechnet wird mit bis zu 230 Arbeitstagen und einfacher Wegstrecke. Egal, ob Arbeitnehmer mit dem Auto, mit Bus oder Bahn, mit dem Fahrrad oder per pedes pendeln.

Einen zusätzlichen steuerlichen Vorteil haben allerdings nur diejenigen, die mehr als 2.000 Mark im Jahr für ihren Beruf ausgeben. So viel gesteht das Finanzamt jedem Arbeitnehmer mit der Werbungskostenpauschale für Fahrtkosten, Computer oder Fachliteratur zu, ohne dass sie vorgerechnet werden müssen. Mit den neuen Pendlersätzen knacken Arbeitnehmer aber ziemlich schnell diese Hürde, und dann mindert jeder weitere Kilometer zum Job die Steuerlast.

Natürlich gibt es die Entfernungspauschale nicht in unbegrenzter Höhe: Wer mehr als 10.000 Mark durch Pendelkilometer ansetzen will – auf den Betrag kommt man schon bei einer Distanz von 57 Kilometern - muss dem Finanzamt belegen, dass die Kosten tatsächlich entstanden sind. Das heißt: Tank- und Inspektionsquittungen sammeln, eventuell sogar Fahrtenbuch führen.

Von der neuen Entfernungspauschale profitieren vor allem Fernpendler, Fußgänger und Fahrgemeinschaften. Jeder Pkw-Insasse kann das pauschale Kilometergeld absetzen, auch wenn ihm gar keine Kosten entstanden sind. Erstmals können auch in einem Auto pendelnde Ehepartner für die gemeinsame Fahrt zum Büro den Pauschbetrag jeder für sich geltend machen, obwohl die Kosten nur einmalig anfallen. Ob Auto, Fahrgemeinschaft, Bus, Bahn oder Schusters Rappen: Maßgeblich für die Berechnung ist in jedem Fall die kürzeste Straßen(!)verbindung zwischen Haustür und Arbeitsstätte - egal, welche Schleifen der Bus dreht. Und wer Umwege über die Dörfer fährt, um nicht im Stau zu stehen, kann deshalb nicht mehr Kilometergeld geltend machen.

Bus- und Bahnfahrer können wählen, ob sie die effektiven Kosten für die Tickets ansetzen - Belege sammeln! - oder ob sie die Kilometerpauschale wählen. Noch mehr Rechnereien sollten Park-&-Ride-Anhänger jetzt schon anstellen: Wer Auto und Bahn kombiniert kann für 2001 entweder die realen Ticketkosten plus die Autokilometer ansetzen oder die Pauschale über die gesamte Strecke wählen.

Mixen können auch alle, die zwischen Auto und öffentlichem Nahverkehr wechseln. Variante a): Die Kilometerpauschale verkehrsmittelneutral über die gesamte Strecke. Variante b): Die realen Ticketkosten plus die Kilometerpauschale für die ?Autotage“. Sinnvoll für den eigenen Überblick ist es, eine Strichliste über die Pkw-Einsätze zu führen und die Fahrscheine zu sammeln. Das Finanzamt akzeptiert Einzeltickets und Zeitfahrkarten.

Arbeitnehmer, denen das Unternehmen ein Jobticket spendiert, können trotzdem die Kilometerpauschale ansetzen, müssen sich aber gefallen lassen, dass der Fiskus den Preis für das Ticket abzieht.

Die schöne neue Entfernungspauschale bringt aber auch Nachteile: Für das Steuerjahr 2000 konnten beispielsweise Computer-Techniker, Ärzte oder Kundendienstler, die nach Feierabend als Rufbereitschaft erreichbar sein mussten, mehrere Fahrten pro Arbeitstag ansetzen. Dieses Privileg gilt in diesem Jahr nicht mehr, wie eine Verfügung der Oberfinanzdirektion Karlsruhe klarstellt (Az. S 2365 A - 24 - St 321). Auch Wochenendeinsätze fallen unter den Tisch.

Von dem Pendlerbonus können clevere Arbeitnehmer schon jetzt profitieren, indem sie sich die Sprit- und Fahrkartenkosten auf der Lohnsteuerkarte eintragen lassen. Dazu müssen sie bei ihrem Finanzamt einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung für das Jahr 2001 stellen. Wird der Eintrag auf der Karte beispielsweise zum Juni gültig, zahlen sie für den Rest des laufenden Jahres weniger Lohnsteuer und haben monatlich mehr Geld im Portemonnaie. Für die bereits verstrichenen Monate gibt es den Pendlerbonus dann erst über die Steuererklärung.

E-Mail: m.schulz@vhb.de
Dieser Artikel ist erschienen am 18.05.2001