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Keine Zeit für Trallala

Von Eberhard Krummheuer
Manny Fontenla-Novoa lebt im Dauerstress: Der Thomas-Cook-Chef schmiedet den zweitgrößten Tourismuskonzern Europas. Keine leichte Aufgabe, denn die Branche befindet sich im Umbruch. Doch der Manager hat einige Eigenschaften, die ihn ideal für den Posten machen.
Den gebürtige Spanier Manny Fontenla-Novoa führt nun den Thomas-Cook-Konzern.
Partys in den Messehallen rund um den Funkturm, Workshops im Internationalen Congress-Centrum und noch mehr Partys bis spät nachts in den Luxushotels: Am Mittwoch startet die Internationale Tourismus-Börse in Berlin, die weltgrößte Reisemesse. Da trifft sich wieder alles, was in der Branche etwas zu sagen hat. Doch einer der großen Spieler fehlt: Manny Fontenla-Novoa. Der Vorstandschef von Thomas Cook, der erst im Dezember überraschend an die Spitze von Europas zweitgrößtem Reiseanbieter rund um die Fluggesellschaft Condor und die Marke Neckermann nach Oberursel wechselte, kommt nicht nach Berlin.Ohnehin macht er sich rar. Nicht einmal die Chefs der führenden Wettbewerber haben den 52-Jährigen bislang zu Gesicht bekommen. Der Mann ist einfach ?busy?. Auf Geheiß der Konzernmutter Karstadt-Quelle wird der seit der Kindheit in Großbritannien lebende gebürtige Spanier, dem eine Zeitung eher anerkennend einen breiten ?West-Londoner Akzent? bescheinigt, Chef der künftig an der Londoner Börse notierten Thomas Cook plc.

Die besten Jobs von allen

Nun muss er den Börsengang vorbereiten und das britische Unternehmen My Travel in den Konzern integrieren, das Thomas Cook vor kurzem übernommen hat.Die Nummer eins aus Hannover hat es jedoch zurzeit schwerer als der Konkurrent aus Oberursel. Das vergangene Geschäftsjahr hat Frenzel mit einem dreistelligen Millionenverlust abgeschlossen. Das missfällt den Aktionären und birgt die Gefahr einer feindlichen Übernahme.?Manny? hingegen, wie er konzernweit wegen seines zungenbrecherischen Nachnamens heißt, hat ein weithin gut bestelltes Haus übernommen. In der Zentrale in Oberursel konnte er sich in den Chefsessel eines Unternehmens setzen, das bereits andere vor der Pleite gerettet und wieder fit gemacht hatten.Bei seinem einzigen öffentlichen Auftritt Anfang Februar auf der Bilanzpressekonferenz präsentierte er sich deshalb selbstbewusst: Der Konzern werde in der nächsten Konsolidierungsrunde der Branche mitmischen, kündigte der Besitzer schneller Autos an ? und zwar ?nicht als Gejagter, sondern als Jäger?.Lesen Sie weiter auf Seite 2: An Ehrgeiz fehlt es ihm nichtAn Ehrgeiz fehlt es dem Mann nicht, der zuvor den britischen Cook-Ableger saniert hat. In der Cook-Mitarbeiter-Zeitung hatte ?Manny? im Interview, schon bevor der Kauf von My Travel bekannt wurde, gezielt mit seiner in England weithin bekannten Begeisterung für den britischen Fußballclub FC Chelsea kokettiert.Dieser stehe zurzeit an zweiter Stelle in der Liga, sagte er: ?Ich sehe da viele Parallelen zwischen deren Art zu kämpfen und unserer. Sie geben sich nicht mit dem zweiten Platz zufrieden, sondern nutzen jede Gelegenheit, zum Tabellenführer aufzuschließen.? Die Damen und Herren in der Führungsetage vom Konkurrenten Tui in Hannover dürften da schon geahnt haben, dass ein größerer Coup bevorstand.Fontenla-Novoa gilt als ausgezeichneter Motivator, der es versteht, Optimismus und sogar Enthusiasmus zu verbreiten. Die Aura des Mächtigen zu pflegen liegt ihm dagegen überhaupt nicht. Vor seinem Wechsel nach Oberursel arbeitet er bei der britischen Tochter von Thomas Cook in Peterborough völlig unprätentiös in einem Großraumbüro gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen und den Sekretärinnen. So beruht seine Autorität nicht nur auf seinem Amt, sondern zum großen Teil darauf, dass seine Mitarbeiter ihn als Menschen akzeptieren.In der deutschen Zentrale in Oberursel war das Personal denn auch begeistert, als Fontenla-Novoa Mitte Dezember seinen ungeliebten Vorgänger, Thomas Holtrop, als Vorstandschef ablöste. Der Nachfolger wird im Konzern als bodenständig und kollegial beschrieben ? ein Mann, der den Pförtner mit demselben Respekt behandelt wie seine Vorstandskollegen. Was ihm hoch angerechnet wird: Er gehe auf jede Anregung und Kritik ein, ignoriere niemals die Bitte um einen Rückruf.Doch auch nach oben kommt ?Manny? offenbar gut klar. Mit dem als anglophil bekannten Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff verbinde ihn nicht nur über die englische Sprache ein ausgezeichnetes Verhältnis, heißt es in seiner Umgebung. Auch in der Art, Probleme anzupacken und Dinge voranzutreiben, sei man sich sehr einig, wenn auch der Cook-Chef ? anders als sein Vorgesetzter ? eher hemdsärmelig sei.Lesen Sie weiter auf Seite 3: ?Die Pauschalreise ist nicht sexy.?Höhenflüge liegen Fontenla-Novoa nicht, der in den letzten Wochen nach eigenem Bekunden im ständigen Pendelverkehr zwischen Peterborough, London, Oberursel und der Karstadt-Quelle-Zentrale in Essen viele Bonusmeilen sammeln konnte ? auch nicht bei der Einschätzung des Touristikmarktes.Da geht er ganz pragmatisch heran. Er meidet die in der Branche geführten Diskussionen über das Ende der Pauschalreise oder über den Sinn und Unsinn eines integrierten Touristikkonzerns, der alle Wertschöpfungsstufen vom Reisebüro über Flug und Hotel bis zum Ausflugsprogramm im Urlaubsgebiet umsetzt. ?Flexibilität ist das Zauberwort?, sagt er den Mitarbeitern. In der schnelllebigen Tourismusbranche müsse man halt auf Marktveränderungen rasch reagieren.Dass die Pauschalreise trotz Billigfliegern und individuell zusammenstellbarer ?Baustein-Reisen? eine Zukunft hat, ist für Fontenla-Novoa keine Frage: ?Die Pauschalreise ist nicht sexy. Aber sie bringt gutes Geld.?Vita1954
Er wird am 13. Mai in der spanischen Provinz Galicien geboren.
1972
Fontenla-Novoa startet gleich nach der Schule eine erste Karriere bei Thomas Cook in England.
1991
Er übernimmt eine Führungsposition beim neu gegründeten Reiseveranstalter Sunworld.
1998
Er wechselt als Vertriebsdirektor und stellvertretender Geschäftsführer zur Vertriebsorganisation von Thomas Cook UK. Zwei Jahre später übernimmt er die Geschäftsführung und ist damit unter anderem für 750 Reisebüros, 115 Geldwechselbüros und Call-Center verantwortlich.
2001
Fontenla-Novoa wird Geschäftsführer der Thomas-Cook-Reiseveranstalter in Großbritannien.
2003
Er wird Chief Executive Officer (CEO) von Cook in England.
2006
Er wird am 12. Dezember zum Vorstandschef der Thomas Cook AG in Oberursel ernannt, die zum Karstadt-Quelle-Konzern gehört.
Dieser Artikel ist erschienen am 05.03.2007