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Keine Scheu vor großen Worten

In den USA ist alles anders: Die Lebensläufe sind kompakter, Bewerbungsfotos kommen nicht in die Tüte und wer sich bescheiden gibt, ist es selbst schuld.
Eine amerikanische Bewerbung besteht aus Anschreiben (cover letter) und Lebenslauf (résumé; gesprochen: "rezjumeh", mit Betonung auf der ersten Silbe). Weitere Dokumente sollten Bewerber nur auf Anfrage liefern. Ob Sie in den USA einen Job bekommen, hängt oft weniger von der Qualifikation ab als von den Visa-Modalitäten. Wenn Sie schon ein Arbeitsvisum besitzen oder entsprechende Maßnahmen eingeleitet haben, erwähnen Sie es im Anschreiben. Für das Unternehmen ist das ein gewichtiger Grund, Sie einzustellen

Für das Anschreiben gilt: Keine Scheu vor großen Worten. "Cover letter und résumés sind Marketinginstrumente, da kann man schon lauter sein als bei uns", sagt Dirk Neuhaus, Autor zahlreicher USA-Bewerbungsbücher. Inhaltlich gilt: Informieren Sie sich vorher genau über das Unternehmen - zunächst über das Internet, dann durch einen Anruf. Finden Sie Ihren Ansprechpartner heraus; im Idealfall sprechen Sie ein paar Minuten mit ihm. Daran lässt sich anknüpfen: "Dear Mr. X, with reference to our telephone conversation??" Im Anschreiben und Lebenslauf zählt weniger das Was als das Wie. Deshalb ist es nicht damit getan, Berufserfahrungen oder Praktika aufzulisten. Schreiben Sie auch, was Sie dabei für sich und vor allem für die Firma erreicht haben (siehe Beispiel)

Die besten Jobs von allen


Kommt es zum Job-Interview, gilt das amerikanische Motto: Anything goes. Es gibt Einzel- und Gruppeninterviews, Assessment-Center, Vorab-Telefoninterviews und vieles mehr. Fragen Sie ruhig nach, in welcher Form das Gespräch ablaufen soll und wer dabei sein wird. Je informierter Sie sind, desto besser können Sie argumentieren, warum die Firma gerade Sie braucht. Seien Sie auf sehr allgemeine Fragen im Stil von "Tell me about yourself" gefasst. Antworten Sie präzise, nicht länger als zwei bis drei Minuten, und erklären Sie bei der Gelegenheit, wie das Geleistete der Firma in spe nutzen kann.

Wichtig: Lassen Sie auch nach der Bewerbung nicht nach. So können Sie ruhig nachfragen, ob die Unterlagen angekommen sind. Nach einem Vorstellungsgespräch bedanken Sie sich, tragen Vergessenes nach oder thematisieren Punkte, die nicht so gut gelaufen sind.

No visa, no job

Sie sind seit einigen Monaten Unternehmensberater in den USA. Wie sind Sie an den Job gekommen?

Philipp Hahn-Woernle: Ich hatte vorher in den USA einen einjährigen MBA gemacht und mich dann zwei Monate lang beworben: über das Karrierecenter meiner Uni, über Kontakte vor Ort, über monster.com und ähnliches. Außerdem habe ich allen Leuten, die ich kenne, gesagt, dass und was ich suche. Einem Freund wurde ein Job angeboten. Der hatte aber schon einen und schlug mich vor. Also habe ich mich beworben und wurde genommen.

Wie lief das Vorstellungsgespräch?

Ich war dreimal dort, für insgesamt sieben Stunden Interviews mit sieben verschiedenen Personen. Ich musste Fallstudien lösen und mit Führungskräften des Unternehmens "Cultural Fit"-Gespräche führen. Da geht es mehr um Persönliches; sie prüfen, ob man auch menschlich zur Firma passt. Besonders schwierig war für mich die Geschichte mit den Vornamen. Der Boss begrüßt dich mit "Hi Philipp!", und ich sollte dann mit "Hi Mike!" antworten. Das entspricht nicht gerade deutschen Hierarchievorstellungen. Es ist aber wichtig, weil man so ein ganz anderes Verhältnis zueinander aufbaut.

Gab es deshalb Probleme bei Ihren Gesprächen?

Nein, ich war das von der Uni schon ein wenig gewöhnt. Überhaupt ist nicht die Bewerbung das Problem in den USA, das kann man alles lernen. Wirklich schwierig ist es, ein Arbeitsvisum zu bekommen. Ich habe im September meine Zusage bekommen und erst letzten Februar angefangen - und das auch nur, weil mich mein Arbeitgeber sehr unterstützt hat. Ohne diese Unterstützung ist es fast aussichtslos, in den USA zu arbeiten.

Philipp Hahn-Woernle, 29, hat in Würzburg und am Babson College in Boston Wirtschaft studiert. Seit Februar 2007 arbeitet er in Boston als Strategieberater für Axia Ltd.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.09.2007