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Keine Lust aufs Nichtstun

Von Joachim Hofer und Hans-Peter Siebenhaar
Mit 50 fängt der ehemalige Premiere-Chef Georg Kofler noch einmal von vorne an und baut eine eigene Beteiligungsholding auf. Dass er sich ganz von der Medienbranche abwendet, glaubt allerdings kaum jemand. In der Branche wird spekuliert, dass er Leo Kirch bei dessen überraschendem Comeback unterstützen könnte.
Georg Kofler hat große Pläne. Foto: dpa
MÜNCHEN/CANNES. Es ist zwar schon vier Jahre her. Doch die Geschichte sagt viel über Georg Kofler. Als Chef des Bezahlkanals Premiere wollte er die Fernsehzeitschrift ?TV komplett? auf den Markt bringen. Aber gegen den Namen zogen die Konkurrenten vor Gericht. Da reagierte der gebürtige Südtiroler prompt ? und nannte das Blatt einfach: ?TV Kofler?.Seither weiß jeder, dass Koflers Selbstbewusstsein keine Grenzen kennt. Es überrascht daher wenig, dass der 50-Jährige sein neues Unternehmen jetzt schlicht ?Gruppe Georg Kofler? nennt. Am Mittwoch hat er die Holding erstmals vorgestellt.

Die besten Jobs von allen

?Gruppe? ist momentan allerdings noch stark übertrieben. Kofler will zwar 100 Millionen Euro in die Hand nehmen, um eine Holding auf die Beine zu stellen. Und unter deren Dach sollen sich eines Tages Unternehmen aus den Bereichen erneuerbare Energien sowie Gesundheit und Sport tummeln. Bislang aber hat er nur eine einzige Firma gekauft: den mittelständischen Werkzeugmaschinen-Hersteller Leifeld Metal Spinning mit 30 Millionen Euro Umsatz und 110 Mitarbeitern. Mit zwei anderen Unternehmen sei er jedoch in Gesprächen, die kurz vor dem Abschluss stünden, sagt er.Nach mehr als 20 Jahren im Mediengeschäft wagt sich der promovierte Kommunikationswissenschaftler jetzt auf ein für ihn unbekanntes Terrain. Seinen Job als Vorstandssprecher von Premiere hat Kofler erst Ende August aufgegeben. Doch das Neue, Unbekannte reizt den einstigen Pionier des deutschen Privatfernsehens: ?Das gibt mir einen neuen Kreativitätsschub?, sagte Kofler.Dass er sich ganz von der Medienbranche abwendet, können langjährige Geschäftspartner noch immer nicht ganz glauben. Schließlich hat der sportliche Mann mit der fliehenden Stirn eine glänzende Karriere in der TV-Industrie hingelegt. Mit Premiere und Pro Sieben hat er gleich zwei Fernsehsender an die Börse gebracht.In der Branche wird deshalb spekuliert, dass der einstige Bürochef des Medienunternehmers Leo Kirch bei Bedarf seinen Lehrherrn bei dessen überraschendem Comeback wieder unterstützt. ?Kofler ist ein treu ergebener Weggefährte von Kirch?, sagt ein Münchener Medienunternehmer. ?Die beiden telefonieren noch immer fast täglich.? Kirch hat Anfang der Woche für Aufsehen gesorgt, als die Deutsche Fußball Liga (DFL) eines seiner Unternehmen mit der Vermarktung der Bundesliga-Rechte beauftragte. Dafür garantiert der 80-Jährige den Klubs Einnahmen von 500 Millionen Euro pro Saison. Kirchs Medienimperium Kirch Media war 2002 unter einem gigantischen Schuldenberg zusammengebrochen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Einst Chefspüler und SkilehrerInsbesondere der Hinweis Koflers, dass er sich mit seiner neuen Gruppe im Bereich Sport als Investor engagieren werde, wurde auf der Film- und Fernsehmesse Mipcom im südfranzösischen Cannes als Hinweis gewertet, dass sich Kofler ein Hintertürchen offenhält. ?Wenn es notwendig ist, wirft Kofler seine Pressemeldung vom Mittwoch in den Papierkorb und macht das Gegenteil?, sagt ein Geschäftspartner, der den Mann aus dem Südtiroler Pustertal seit 20 Jahren kennt. Kofler war schon immer für überraschende Wendungen gut. Nach dem wirtschaftlichen Fiasko seiner Einkaufssender Home Shopping Europe in verschiedenen europäischen Ländern nahm er 2002 innerhalb weniger Wochen Abschied vom Teleshopping. Kofler will von einer Verbindung zu Kirch nichts wissen. ?Ich plaudere immer mal wieder mit Leo. Wir haben aber geschäftlich nichts miteinander zu tun?, sagte er gestern. Das Geschäft mit Sportrechten sei für ihn jedenfalls kein Thema.Die Nibelungentreue zu seinem alten Chef Kirch ist trotzdem ungebrochen. ?Ich werde Leo nie vergessen, dass er mir mit 31 Jahren die Chance gegeben hat, den Privatsender Eureka zu sanieren. Das hätte kein anderer Medienunternehmer gemacht?, versicherte Kofler, der mit seiner Lebenspartnerin Christiane zu Salm in einem Anwesen am Tegernsee südlich von München wohnt.Er verschweigt nicht, dass ihn die Medienbranche zu einem wohlhabenden Mann gemacht hat. Allein durch den Verkauf seines letzten Aktienpakets am Bezahlsender Premiere hat er 23 Millionen Euro erlöst. Sein fünfeinhalbjähriges Engagement dort soll ihm insgesamt mehr als 100 Millionen Euro eingebracht haben.Ein Leben als Privatier am Tegernsee oder an einem sonnigen Strand im Süden kommt für ihn trotzdem nicht infrage. ?Das wäre mir auf Dauer zu viel Freizeit.? Vielleicht liegt es auch an seiner Vergangenheit. Vielleicht kann einer wie Kofler gar nicht ausruhen.Er kommt aus kleinen Verhältnissen, der Vater Holzfäller, dann Gastarbeiter bei Mannesmann, die erste Generation, Ende der fünfziger Jahre. Kofler ist vier, als der Vater stirbt. Die Mutter bringt die Familie als Fabrikarbeiterin durch.Georg Kofler aber schafft den Aufstieg. Als Halbwaise bekommt er ein Stipendium an einem katholischen Gymnasium in Brixen. Er verdient sich sein Taschengeld als Chefspüler im Hotel und als Skilehrer, macht sein Abitur. Er studiert in Wien Publizistik und Kommunikation, es folgt die Promotion. Der Rest ist jüngere deutsche Mediengeschichte.Nun hat Kofler wieder große Pläne. In fünf Jahren will er mit seiner Münchener Holding einen Umsatz von 500 Millionen Euro erzielen und mehr als 1 000 Leute beschäftigen. Dabei setzt er auf deutsche Firmen, an denen er sich mit mindestens 25 Prozent beteiligen will, und auf sein eigenes Geld: ?Meine Holding ist keine Konstruktion auf den Bermudas, sondern ein ganz traditionelles deutsches Unternehmen.?
Dieser Artikel ist erschienen am 11.10.2007