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Keine Karriere ohne Beziehungen

Claudia Obmann. Illustration Sabine Kobel, Foto: PR
Karriere machst du nur mit Vitamin B. Weit gefehlt. Dass es auch ganz ohne Drahtzieher im Hintergrund und Papas Männerfreunde an die Spitze zu schaffen ist, beweist Rolf Elgeti: Der ostdeutsche Bauernsohn stieg in Rekordzeit zum Chefstrategen bei der niederländischen Großbank ABN Amro in London auf.
Der frühe Vogel fängt den Wurm. Diese alte Bauernweisheit scheint perfekt zu Rolf Elgeti zu passen. Früher dran als alle anderen war der Sohn eines ostdeutschen Landwirts und LPG-Vorsitzenden aus dem mecklenburgischen 3.000-Seelen-Ort Broderstorf nämlich sein Leben lang. Der berufliche Erfolg des Börsen-Propheten ist nicht Produkt von Protektion und Vitamin B, sondern Ergebnis von Talent, Spitzenleistung und perfektem Timing

Schon in der Grundschule zeigt sich Elgetis Ehrgeiz ? eine Zwei in Mathe ist dem Knirps nicht gut genug. In der Oberstufe belegt er freiwillig fünf Leistungskurse und sein Abitur besteht der Überflieger, der außer Deutsch und Englisch noch Russisch, Französisch und Dänisch spricht, mit 1,0. Im Dezember 1989 kommt der 13-jährige Ossi zum ersten Mal in den Westen und fühlt sich gleich heimisch ? von Berührungsängsten keine Spur. Von guten Connections, die ihm beim beruflichen Start hilfreich sein könnten, allerdings auch nicht. Nach seinem Militärdienst bei den Fallschirmjägern ? um seine Höhenangst zu überwinden ? schreibt er sich zum Wirtschaftsstudium an der Uni Mannheim ein. Das Diplom hält das Nachwuchstalent schon nach fünf Semestern in den Händen, nach zwei weiteren an der Elite-Uni Essec in Paris hat Elgeti auch seinen MBA-Titel in der Tasche.

Die besten Jobs von allen


Danach geht der Shooting-Star nach London, arbeitet als Analyst bei UBS Warburg und wechselt als Aktienstratege zur Commerzbank. Vier Jahre später, er ist gerade mal 27 Jahre alt, unterschreibt er bei der größten niederländischen Bank, ABN Amro, als Chefstratege für den europäischen Aktienmarkt. Und stiehlt, wieder mal als Jüngster, den etablierten Börsen-Gurus die Schau: Im Thomson Extel Survey, einer Rangliste der erfolgreichsten Analysten, landet Rolf Elgeti seit 2004 in der Kategorie Aktienstrategen zweimal auf dem ersten Platz ? und einmal auf dem zweiten. Fast alle der weltweit 100 größten Fondsgesellschaften gehören zu seinen Kunden, etwa 2.000 Geldmanager von London bis Sydney lesen seine Markt- und Aktienprognosen. Die Kollegen nennen ihn wegen seiner Arbeitswut Rolfnator, weil er seine Aufgaben so gnadenlos erledigt wie Hollywoods Terminator seine Feinde.

Mit 30 Jahren hat der Staranalyst alles erreicht, was zu erreichen ist, und bricht zu neuen Ufern auf. Vor ein paar Wochen hat er seinen Analysten-Job an den Nagel gehängt und sich mit einem eigenen Immobilienfonds selbstständig gemacht. Elgeti will bei den Briten Geld einsammeln, um es in deutsche Immobilien zu investieren und sich auch auf diesem Gebiet wieder als Bester zu beweisen.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.08.2007