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Keine halben Sachen

Der dramatische Mangel an jungen, qualifizierten Kräften macht mittelständischen Unternehmen mittlerweile die meisten Sorgen ? noch vor Kostenbelastung, fehlenden Innovationen und bürokratischen Hürden. Das brachte jetzt eine Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der Commerzbank zu Tage. Laut MIND-(Mittelstand in Deutschland)-Studie haben rund 53 000 Unternehmen Bedarf an Fach- und Führungskräften.
Der dramatische Mangel an jungen, qualifizierten Kräften macht mittelständischen Unternehmen mittlerweile die meisten Sorgen ? noch vor Kostenbelastung, fehlenden Innovationen und bürokratischen Hürden. Das brachte jetzt eine Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der Commerzbank zu Tage. Constanze Wachsmann, Seniorberaterin bei Kienbaum, kennt die Gründe für die Panik: ?Da tritt in den nächsten Jahren eine prägende Generation ab. Für die Unternehmen ist es überlebenswichtig, neue Leute einzustellen, die innovativ sind und frischen Wind reinbringen.? Laut MIND-(Mittelstand in Deutschland)-Studie haben rund 53.000 Unternehmen Bedarf an Fach- und Führungskräften.

Doch die Rekrutierung guter Leute gestaltet sich schwierig. Aufgrund geringerer Kapazitäten als in den Großkonzernen sind kleinere Firmen auf passgenaue Bewerber angewiesen. Beispiel Betriebswirte: Weil an den Hochschulen Mittelstand zu wenig stattfinde, müsse man bei BWLern generell ein Jahr veranschlagen, bis sie für das Unternehmen rentabel arbeiteten, rechnet der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) vor. Junge Ingenieure mit Spezialkenntnissen wiederum sind Kienbaum zufolge ?schnell vom Markt weg?, weil Industrie-Konzerne und Hochschulen häufig kooperieren.

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Den Mittelständlern bleibt oft nur die zweite Wahl: ?Dabei sind das oft blendend dastehende, hoch innovative Unternehmen?, sagt Wachsmann. Aber viele haben nur einen regional begrenzten Fokus und müssen dann auf Bewerbermessen mit starken Namen wie Porsche, Siemens, Continental oder Airbus konkurrieren, die ebenfalls über fehlenden Nachwuchs klagen: 15.000 Ingenieurstellen sind laut VDI derzeit unbesetzt. Mit der Umschulung oder Weiter‧bildung arbeitsloser Ingenieure ist es hier nicht getan, betont das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn: Weil die Technologie solche Fortschritte macht, seien eben spezielle Fähigkeiten gefragt, und Nachqualifizieren ist mühsam und teuer.

Nicht umsonst sind die Unternehmen bei der Ausschreibung ihrer Stellenprofile deshalb rigide geworden ? nicht nur im Mittelstand. ?Für die Leser solcher Anzeigen ist es manchmal kaum vorstellbar, dass da überhaupt jemand die geforderten Qualifikationen erfüllt?, sagt Kienbaum-Beraterin Wachsmann. ?Aber mittlerweile stellen die Unternehmen lieber gar keinen ein, als einen, der nicht wirklich passt. Die wollen keine halben Sachen mehr."

(kog)

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Dieser Artikel ist erschienen am 15.03.2006