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Keine berufliche Sackgasse

Immer häufiger starten Berufsanfänger mit einem Zeitvertrag ins Jobleben. Gut jeder fünfte Berufstätige zwischen 20 und 30 steht heute in einem befristeten Arbeitsverhältnis. 1996 waren es nur knapp 15 Prozent. Das berichtet das Job- und Wirtschaftsmagazin karriere in seiner am 27. Mai erscheinenden Ausgabe unter Berufung auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes

Grund für den Zeitvertrag-Boom: Infolge der schwierigen wirtschaftlichen Situation scheuen sich viele Unternehmen, neue Mitarbeiter dauerhaft einzustellen. Mit dem Zeitvertrag bleiben die Betriebe flexibel und müssen sich nur für eine überschaubare Zeit binden. Nach Ablauf eines Zeitvertrages sind weder Kündigung noch Abfindung nötig

Die besten Jobs von allen


Jede dritte Neueinstellung erfolgt karriere-Recherchen zufolge mittlerweile auf Zeit. Besonders häufig sind Jungakademiker in der Medien- und Tourismusbranche betroffen. Auch bei Krankenhausärzten, Architekten sowie bei Lehrkräften an Hochschulen, Musikschulen und Weiterbildungseinrichtungen sind Zeitverträge gang und gäbe. Bei den 20- bis 24-Jährigen haben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes derzeit 28,8 Prozent der Beschäftigten einen Zeitvertrag, 1996 waren es erst 22,2 Prozent.

?Befristete Arbeitsverträge sind längst keine berufliche Sackgasse mehr?, sagt Jörn Hüsgen, Chefredakteur karriere. ?Gerade für Absolventen und Berufseinsteiger bieten sie eine Chance, sich einzufädeln.? Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt: Fast jeder zweite befristete Vertrag mündet in eine Festanstellung. Besonders hoch sind die Übernahmequoten bei kleineren und mittleren Betrieben.

Zum Dauerzustand sollten befristete Jobs allerdings nicht werden, denn mit jedem neuen Zeitvertrag schwinden die Chancen auf Übernahme: ?Mehr als zwei oder drei Zeitverträge bei unterschiedlichen Arbeitgebern werden zu einem echten Makel im Lebenslauf?, warnt Thomas Rübel, Berater beim Büro für Berufsstrategie in Berlin, in karriere. Seine Empfehlung: Lieber eine weitere Befristung ablehnen und weiter nach einer Festanstellung suchen.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.05.2005