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Kein Studium, keine Karriere

Liane Borghardt
Topmanager wie René Obermann strafen Titelversessene Lügen. Der Mann an der Spitze der Telekom hat weder Doktor noch Diplom. Damit gehört er zum illustren Kreis der Studienabbrecher, die sich im Hörsaal langweilen. Und in der Praxis durchstarten.
Eigentlich plant René Obermann den klassischen Weg: Nach der Lehre zum Industriekaufmann bei BMW schreibt er sich 1986 fürs VWL-Studium in Münster ein. Doch schon im ersten Semester hält es ihn nicht im Hörsaal: Er verkauft Anrufbeantworter und Autotelefone und gründet das Handelsunternehmen ABC Telekom. Das Geschäft läuft bestens, und Obermann bricht sein Studium vor dem Vordiplom ab.

Heute kräht kein Hahn mehr danach. Der 44-Jährige ist Vorstandsvorsitzender der Telekom und hat gezeigt, dass er Eigenschaften besitzt, die er für die schnelle Karriere beim rosa Riesen brauchte. Als Unternehmer-Typ gilt er. Oder weniger nett als ?Bulldozer?, der sich nicht scheut, unpopuläre Entscheidungen durchzuziehen ? siehe jüngst seine Sparpläne.

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Promis Oben ohne > Obermann ist längst nicht der einzige prominente Deutsche, der es ohne Diplom schnurstracks nach ganz oben geschafft hat. Die Liste erfolgreicher Studienabbrecher ist lang. Günther Jauch, Barbara Schöneberger, Heike Makatsch oder Sönke Wortmann gehören dazu. Das TV-Business bildet da keine Ausnahme: Zahlreiche Topmanager großer Konzerne besitzen keine höheren akademischen Weihen, sondern eine bodenständige Berufsakademie-Ausbildung. Beim Computerriesen IBM etwa sind es 40 Prozent. Im Mittelstand, so zeigt eine Studie der Unternehmensberatung Kienbaum, hat lediglich ein Fünftel der Führungskräfte studiert

Machertypen wie Obermann & Co. begeistern sich eben nicht für die Theorie. Sondern für die Praxis.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.08.2007