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Kein Freibrief für Gildemeister-Chef

Markus Hennes
Wird Rüdiger Kapitza auf der Hauptversammlung am 16. Mai entlastet? Aktionärsvereinigungen wollen erst einmal abwarten, was die Ermittlungen der Staatsanwälte gegen den Chef des Bielefelder Werkzeugmaschinenbauers ergeben. Die Ermittler halten sich noch bedeckt.
Rüdiger Kapitza ist als eloquenter Verkäufer bekannt. Foto: dpa
DÜSSELDORF. Der Bielefelder Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister muss auf der Hauptversammlung am 16. Mai mit Gegenanträgen von Aktionärsvereinigungen rechnen. Wie aus der Einladung zum diesjährigen Aktionärstreffen hervorgeht, beantragt das Unternehmen unter Tagesordnungspunkt 3 die Entlastung des gesamten Vorstands für das Geschäftsjahr 2007.Brisant ist die En-bloc-Entlastung deshalb, weil die Staatsanwaltschaft Bielefeld seit Monaten gegen Vorstandschef Rüdiger Kapitza, 53, wegen des Verdachts der Untreue, Bestechlichkeit, Bestechung und Steuerhinterziehung ermittelt.

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Falls sich die gegen den Gildemeister-Chef erhobenen Vorwürfe nicht bis zur Hauptversammlung aufgeklärt haben, ?werden wir eine Vertagung der Entlastung für Herrn Kapitza beantragen?, sagte der Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Lothar Gries. Man könne den erfolgreichen Manager zwar nicht vorverurteilen, aber entlasten könne man ihn angesichts der schweren Vorwürfe auch nicht. Unter anderem auf Druck der SdK hatte der Münchener Siemens-Konzern auf der Hauptversammlung im Januar die Einzelentlastung von Vorständen bis zum Abschluss der Korruptionsaffäre vertagt.Carsten Heise von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) plädiert ebenfalls dafür, die Entlastung von Kapitza zu vertagen. ?Hauptversammlungsbeschlüsse sollten stets in Kenntnis aller relevanten Informationen gefasst werden?, so der DSW-Vertreter.Wie ein Sprecher der Bielefelder Staatsanwaltschaft sagte, dauern die Ermittlungen im Fall Gildemeister an. ?Das Verfahren ist noch nicht auf der Zielgeraden.? Eine Prognose, wie der Stand der Ermittlungen am Tag der Hauptversammlung sein werde, gab der Sprecher nicht ab.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Großrazzia in Deutschland und Österreich In einer Großrazzia hatten Mitte Januar 57 Beamte der Staatsanwaltschaft, der Steuerfahndung und der Kriminalpolizei Objekte in Deutschland und Österreich durchsucht ? auch die Gildemeister-Hauptverwaltung in Bielefeld und die Privatwohnung Kapitzas. Der Gildemeister-Chef selbst, sonst ein eloquenter Verkäufer der Drehmaschinen aus Bielefeld, hat sich bisher nicht öffentlich zu den Ermittlungen geäußert. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler hat auch noch nicht vor der Staatsanwaltschaft ausgesagt. Rechtsbeistand Kapitzas, der Gildemeister seit 1996 führt, ist der Düsseldorfer Staranwalt Sven Thomas, der bereits Klaus Esser, Otto Graf Lambsdorff und Friedel Neuber verteidigte.Gildemeister-Aufsichtsratschef Hans Henning Offen hält die gegen Kapitza erhobenen Vorwürfe für haltlos. Der frühere WestLB-Vorstand Offen hatte Kapitza Ende Januar das volle Vertrauen ausgesprochen. Außerdem wurden die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young und die Anwaltssozietät Hengeler Mueller beauftragt, die Vorwürfe gegen den Gildemeister-Chef aufzuklären und zu bewerten.
Dieser Artikel ist erschienen am 10.04.2008