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Kaum noch an deutscher Sprache interessiert

Das Fach "Wirtschaftsdeutsch" ist bei ausländischen Studenten klar auf dem Rückzug. Das Goethe-Institut hat in einer dem Handelsblatt vorliegenden Analyse alarmierende Zahlen ermittelt. So sank allein die Zahl der Studenten, die die Prüfung im Fach "Wirtschaftsdeutsch International" (PWD) im In- und Ausland ablegen, in den vergangenen fünf Jahren um 30 Prozent. Weltweit traten im vergangenen Jahr nur noch 763 Studenten zur Prüfung in diesem Fach an.

Die Bundesregierung bemüht sich seit langem darum, hochqualifizierte Arbeitskräfte nach Deutschland zu bringen. So stellte der von der Regierung eingesetzte Zuwanderungsrat allein für dieses Jahr einen Engpass von 25 000 Arbeitskräften in einzelnen Berufsgruppen fest - darunter Versicherungskaufleute, Fahrzeugbauingenieure oder IT-Spezialisten.

Die besten Jobs von allen


Um diese Kräfte will das Goethe-Institut nun verstärkt werben. "Wir wollen ausländische Studenten wieder für das Fach Wirtschaftsdeutsch gewinnen", sagt Jutta Limbach, Präsidentin des Goethe-Instituts. Für viele hochqualifizierte Ausländer erscheine der deutsche Arbeitsmarkt im Vergleich zu Ländern wie den USA wenig attraktiv.

Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) sieht in der mangelnden Attraktivität des deutschen Arbeitsmarktes einen wichtigen Grund für die schlechte Entwicklung des Fachs "Wirtschaftsdeutsch" im Ausland. "Die Chancen in Deutschland einen Arbeitsplatz zu finden, beurteilen viele Studenten als gering angesichts der hohen Arbeitslosenquote", sagt DAAD-Präsident Theodor Berchem. Zudem sei Englisch die wichtigste Sprache in vielen internationalen Konzernen. Und auch die Unternehmen selbst würden immer weniger Geld in deutsche Sprachkurse investieren.

In den vergangenen Jahren sind jedoch nicht nur die Anmeldungen für die Wirtschaftsdeutsch-Zertifikate drastisch gesunken. Wie aus dem vorliegenden Papier des Goethe-Instituts weiter hervorgeht, ist auch die Zahl der Sprachkurse, die zu diesen Zertifikaten führen, zurückgegangen.

Insgesamt beträgt der Anteil der Wirtschaftsdeutsch-Sprachkurse am Gesamtprogramm des Goethe-Instituts nur noch zwei Prozent. Der noch Anfang der Neunziger Jahre feststellbare Boom im Fach "Wirtschaftsdeutsch" ist damit vorbei.

Um dem entgegenzuwirken fordert DAAD-Präsident Berchem mehr Internationalität an den deutschen Hochschulen. Umgekehrt sollten sich auch die ausländischen Universitäten wieder "dazu durchringen", ihren Studenten die deutsche Sprache nahezubringen.

Das Goethe-Institut hat bereits reagiert und die eigenen Kurse komplett überarbeitet. Während die Studenten früher vor allem theoretisches Wissen vermittelt bekamen, lernen sie heute den Umgang mit den deutschen Kollegen im Berufsalltag. Daneben üben sie in Planspielen, wie man Verhandlungen führt und sich am Telefon verhält.

Das Fach "Wirtschaftsdeutsch" brauche mehr Aufmerksamkeit, meint Jutta Limbach. Sie wolle "alle Verantwortlichen herausfordern, noch mehr als bisher für das Fach Wirtschafsdeutsch zu werben", sagt die Präsidentin des Goethe-Instituts.
Dieser Artikel ist erschienen am 31.01.2005