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Katrin Lorenz

Die ersten drei Monate
Das zweite Semester
Die Final Exams
Das Praktikum
Nach der Sommerpause

Nach der Sommerpause

Rückblickend bin ich sehr froh, in meiner 4 œ monatigen MBA-Sommerpause zwei Praktika absolviert zu haben - auch wenn mich die Sehnsucht packt, wenn mir meine fellow students von ihren wochenlangen Urlauben erzählen. Der Lerneffekt, d.h. Einblick in Methodik/Tools und Industrien, war unbezahlbar; und auch angesichts der Lage auf dem Arbeitsmarkt erweist sich der zusätzliche Einsatz sicher nicht als verkehrt. Ob ich nach dem MBA in die Strategie- oder Corporate Finance-Beratung gehe? Man wird sehen ;-)

Jetzt sind wir zurück in Rotterdam, für den Endspurt, und plötzlich sind wir die "Second Year"-Studenten (die "First Years" beginnen im Oktober). Die erste Woche war angefüllt mit Kneipenbesuchen und Berichten, wie der Sommer verlaufen ist, wie die Firma WX tickt und was YZ erlebt hat.

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Im letzten Term können wir nun wählen, welche Kurse wir besuchen. Trotzdem (oder deswegen?) beginnt nächste Woche wieder der gewohnte Stress: Ich habe zwei Blockkurse belegt, Geopolitics und Strategic Finance. Beide laufen 2 Wochen lang, jeden Tag für 3 Stunden, hinzu kommt Vorbereitungszeit. Danach ist erst mal wieder Zeit durchzuatmen - oder das von RSM organisierte Golf Tournament zu besuchen!

Das Praktikum

Mein derzeitiges Praktikantinnen-Dasein lässt sämtliche Klischees über das Beraterleben wahr werden: Schuften bis in die tiefen Abendstunden, zusammen mit Kollegen, die alle, aber auch alle, intelligent und attraktiv sind. Nachts zurück in ein phantastisches Hotel in Berlin, von dem man leider außer dem Bett wenig zu Gesicht bekommt. Am Freitag zurück ins Münchener Office, wo noch mehr nette und schlaue Kollegen und noch mehr Arbeit auf einen warten. Daneben bleibt jedoch alles liegen, was eigentlich keinen Aufschub dulden würde: Korrespondenz mit Krankenversicherungen, Essays für die Uni, Freunde, Nahrungsaufnahme, das MBA-Tagebuch für die Junge Karriere ...

Die Final Exams

Die Final Exams sind nun vorbei, und damit auch der erste und eigentliche Teil des MBAs. Die Wochen zuvor gestalteten sich als ein aberwitziger Jonglierakt aus verschiedensten Assignments; und die Kunst, alles zu meistern, bestand nicht zuletzt darin, dass man Dutzende von Gruppentreffen in Management of Technology, Marketing, Operations und-und-und koordinierte. Sehr spannend war der Abschluss unseres Strategie-Kurses: Drei Tage lang stellten wir uns gegenseitig in teilweise wirklich beeindruckenden Präsentationen eine Firma unserer Wahl vor, die wir zuvor Wochen lang recherchiert und entsprechend aufbereitet hatten. Sehr informativ. Weniger interessant, dafür um so nervenaufreibender in der Woche darauf die Prüfungen ... Vorbei.

Die anschließenden letzten Tage in Rotterdam waren bestimmt von Abschieden und Neuanfängen: Eine ganze Reihe der MBA-Kollegen, die ich über die letzten Monate kennen, lieben (oder auch hassen - allerdings nur sehr wenige) gelernt habe, werden im September nicht mehr zurückkehren; sie gehen auf Exchange, d.h. sie besuchen renommierte Schulen wie Kellogg, Stern, Iese, Esade ... Ich habe mich nicht für einen der begehrten Austausch-Plätze beworben, da ich September bis Dezember gemeinsam mit dem "harten Kern" auch die letzten Monate RSM durchleben möchte. Und was will ich in Barcelona, bei Rotwein und Tapas, wenn ich Rotterdam im Regen und Kroketten haben kann, nee wirklich.

Ich werde im September in ein anderes Studentenwohnheim ziehen, näher am Stadtkern, in der Hoffnung, dass sich mein soziales Leben während des letzten Terms etwas abwechslungsreicher gestaltet, genauer gesagt, in der Hoffnung, dass ich dann auch ein solches haben werde. (Ich übertreibe: der Strand in Hoek van Holland ist großartig, Brüssel ist sehr nett, Amsterdam ist nah und gut, auch Rotterdam wäre wirklich ok, wenn man denn mehr Zeit hätte. Und unsere Parties sind wirklich gut.)

Viele Studenten treffen sich im Sommer auf den MBA-Olympics in Paris. Auch ich hatte mir bereits einen Platz reserviert, musste aber leider absagen - wegen akuter Internship-Überlastung. Ich arbeite gleich bei zwei Firmen, ohne einen Tag Sommerurlaub, und manche meiner Kommilitonen erklären mich nun endgültig für verrückt, aber was soll's. Um Freizeit, Spaß und seelischen Ausgleich geht's in dem MBA-Jahr sowieso nicht (auch wenn so mancher Gegenteiliges behauptet - er/sie lügt). Ich bin nun wieder in München, beginne morgen mein Praktikum bei PricewaterhouseCoopers, im Bereich Corporate Finance, Valuation and Strategy. Im Juni werde ich weiterziehen zu Bain & Company. Erfahungsbericht folgt.

Das zweite Semester

Das zweite Semester gestaltet sich völlig anders als das erste: In den zurückliegenden Monaten hatten wir in Kursen wie Accounting, Economics oder Statistik die "bussiness basics" erworben; nun beginnt mit Finance, Strategy, Marketing, Human Resorces und Operations Management der wirkliche MBA. (Das letzte Term wird ausschließlich aus Wahlkursen bestehen und macht sozusagen die Kür aus.) Alles sehr spannend, sehr relevant, und leider auch sehr viel: so viel, dass wir kaum dazu kommen, all das zu lesen, was eigentlich interessant wäre. Aber dies hat wohl Methode - man nennt das System "MBA", glaube ich ...

Teamarbeit ist nun noch größer geschrieben als im ersten Term - und es macht mir persönlich sehr viel mehr Spaß, zusammen mit einer Gruppe die Strategie einer Bank zu analysieren, als nach allen Regeln der statistischen Kunst die durchschnittliche Fahrrad-Anfahrtsdauer eines RSM-Studenten zu diskutieren (- keine Erfindung, seufz ...). Ein weiterer wichtiger Punkt auf unserem Stundenplan sind Veranstaltungen zu "Personal Leadership Development". So hatten wir letzte Woche beispielsweise die Gelegenheit, unsere Präsentations-Fähigkeiten auf Video zu beobachten - immer wieder interessant, wenn auch etwas irritierend!

Was uns den Spaß ein wenig verdirbt, ist die leidige Suche nach einem Summerinternship. Eigentlich ist die dreimonatige Praktikumsphase einer der großen Vorteile der RSM: Unser Kurrikulum erlaubt es, die MBA-Studieninhalte in einem Berufsfeld der eigenen Wahl auf Probe anzuwenden - sozusagen mit beiderseitiger Rückfahrkarte. Doch in der derzeitigen Wirtschaftslage wird das Pflichtpraktikum für manche zu einer echten Bürde. Nur die Banker sind bereits weitgehend versorgt, viele vor Ort in den Niederlanden. Aber die Leute, die wie ich in der General Industry oder der Beratung arbeiten möchten, suchen noch. Eigentlich fast alle. Ein zusätzliches Problem mancher Kommilitonen ist eine EU-Arbeitserlaubnis; wie sich bereits bei ihrem Visum gezeigt hat, ist unser Kontinent der "internationalen intellektuellen Elite" gegenüber nicht direkt aufgeschlossen.

Wieder zurück zu den vergnüglicheren Seiten des MBA. Morgen startet eine Gruppe von First- und Second-Year RSM Studenten zu einem Ski-Trip in die Schweiz. Für die Second Years markiert dies den Abschied von Rotterdam, und die First Years ... tja, sie drücken sich vor der bitteren Wahrheit: In zwei Wochen müssen wir bereits wieder zu den Midterm-Examen antreten.

Die ersten drei Monate

Die ersten drei Monate an der Rotterdam School of Management waren genau so, wie es alle vorausgesagt hatten - nur dass man sich so etwas nur vorstellen kann, wenn man's selbst erlebt: Eine Menge extrem netter Leute aus allen Ecken der Welt, die sich als Teamgenossen in den diversen Gruppenaufgaben bisweilen als doch nicht ganz so nett erweisen. Ein Arbeitspensum unvorstellbaren Ausmaßes, und dazu ständiger Prüfungsdruck. War da noch was? Die Bewerbung um ein repräsentables Sommerpraktikum. Noch was? Ich würde mich immer wieder dafür entscheiden: für den MBA und für Rotterdam.

Auf einer Business-School bin ich eher eine Exotin: Ein Magister in Germanistik, Theaterwissenschaften und Komparatistik oder ein Bachelor in Philosophie haben dort Seltenheitswert. Bis Juli letzten Jahres war ich Lektorin bei Bertelsmann; ich arbeitete mit Autoren, Literaturagenten und natürlich - Büchern. Im Alltag bedeutete das: schnelle Entscheidungen (wer zuerst bietet, verlegt den Bestseller), Überzeugungsarbeit (nur wenn alle dran glauben, kann das Buch ein Bestseller werden), und natürlich lesen, lesen und noch mal lesen.

Diese Erfahrung hilft mir an der Rotterdam School of Management - der kleine Vorteil einer Geisteswissenschaftlerin gegenüber 80% Natur- und Wirtschaftswissenschaftlern, vereint in gemeinsamem Leid unter Statistik, Information-Systems und Managerial Accounting.

Aber Klagen sind zwecklos, ich habe es genau so gewollt - mit dem Ziel, einen Blick über den Tellerrand der Medienschüssel zu werfen. Andere Industrien, Funktionen, Karrieren, Menschen kennen zu lernen. Und, ein wichtiger Entscheidungsgrund für die RSM, unbedingt auch andere Kulturen. Meine Kommilitonen stammen aus 54 verschiedenen Ländern; die RSM darf sich der Ehre rühmen, die "weltweit internationalste" aller Business Schools zu sein.

Die Studiengebühren an der Rotterdam School of Management liegen mit 30.000 Euro im europäischen Durchschnitt. Trotzdem, eine Menge Geld. Ich habe das große Glück, von Handelsblatt Junge Karriere ein Stipendium zu erhalten; nicht wenige meiner Studienkollegen mussten einen Kredit aufnehmen. Doch Zweifel, ob sich die ganze Anstrengung lohnt, habe ich noch von keinem gehört.
Dieser Artikel ist erschienen am 13.01.2003