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Kassensturz

Rund 4.200 Euro pro Semester kostet das Studentenleben. Jetzt kommen noch Studiengebühren hinzu. Wie ihr mit Bafög, Jobben, Elternunterhalt und Studienkredit das Geld am besten zusammenbekommt.
Seit dem Sommersemester 2007 ist das Gratisstudium an vielen deutschen Hochschulen passee. Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachen und Hamburg haben Studiengebühren fürs Erststudium eingeführt. Hessen und das Saarland wollen zum kommenden Wintersemester nachziehen. Bis zu 500 Euro pro Semester müssen Studenten zahlen ? das sind immerhin gut 80 Euro monatlich, die das ohnehin schon knappe Studentenbudget zusätzlich belasten.
Schon jetzt braucht der Durchschnittsstudent monatlich knapp 700 Euro für Miete, Essen, Klamotten, Bücher, Handy, Kino, Kneipe und Co. Ein ganz schöner Batzen, den man erst mal zusammenbekommen muss. Hochgerechnet summiert sich das im Laufe von zehn Semestern auf gut 42.000 Euro. Durch die Einführung der Studiengebühren steigt der Bedarf noch mal um zwölf Prozent.

Alles ausschöpfen. Das sollte aber keinen Abiturienten vom Studium abschrecken, denn dank eines Mix aus Finanzspritze von den Eltern, Nebenjob und Bafög kann sich das Gros der Studenten ganz gut über Wasser halten. Zudem bieten zahlreiche Geldinstitute seit einiger Zeit vergünstigte Kredite an, um Studenten die Möglichkeit zu geben, das klamme Budget aufzubessern und die neu anfallenden Studiengebühren zu finanzieren. Verbraucherschützer raten, zunächst alle anderen Geldquellen auszuschöpfen, bevor man einen Studienkredit aufnimmt. ?Ein Kredit ist der letzte Ausweg, wenn das Geld sonst partout nicht zum Studieren reicht?, sagt Helga Springeneer, Finanzexpertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Die besten Jobs von allen


Jeder vierte bekommt Bafög. Gerade für Studienanfänger sind die Eltern Geldquelle Nummer eins. Fast 90 Prozent der Studenten werden von zu Hause finanziell unterstützt, durchschnittlich mit 435 Euro im Monat. Reicht das Geld der Eltern nicht aus, um ein Studium zu bezahlen, springt der Staat ein. Bafög kann jeder Student beantragen. Zuständig ist das Amt für Ausbildungsförderung des jeweiligen Hochschulortes.

Ob und wie viel Bafög es gibt, hängt vom Einkommen der Eltern, aber auch von der Zahl der Geschwister ab, die noch in der Ausbildung sind. Ein Jahresnettoeinkommen der Eltern von 32.000 Euro nennt das Deutsche Studentenwerk als grobe Grenze, ab der Studenten in der Regel beim Bafög leer ausgehen. Haben Mutter und Vater weniger als 17.500 Euro netto im Jahr zur Verfügung, gibt es meist den Bafög-Höchstsatz von derzeit 585 Euro monatlich

Auch wenn die Eltern mehr verdienen, kann sich der Antrag lohnen. Immerhin kassieren derzeit rund ein Viertel der Studenten die staatliche Unterstützung, im Schnitt 370 Euro im Monat. Selbst wer nur einen Bruchteil bekommt, kann sich freuen. Schließlich ist das Bafög zur Hälfte geschenktes Geld, ein Zuschuss vom Staat, der nicht zurückgezahlt werden muss. Die andere Hälfte erhält der Student als zinsloses Darlehen, das er spätestens fünf Jahre nach Studienende anfangen muss zu tilgen. www.das-neue-bafoeg.de Spielregeln für den Nebenjob. Neben Elternunterhalt und Bafög ist ein Studi-Job die wichtigste Geldquelle für Studenten. Ob als Kellner, Bürohilfe, Nachhilfelehrer oder Messehostess ? zwei Drittel aller Studenten jobben regelmäßig und verdienen im Schnitt 325 Euro monatlich. Solange der Job das Studium zeitlich nicht total in die Ecke drängt, hält Kerstin Backofen, Finanzexpertin der Stiftung Warentest, regelmäßiges Jobben durchaus für vertretbar: ?Wer an den Wochenenden oder abends etwas hinzuverdient, ohne dass die Uni darunter leidet, verlängert das Studium nicht zwangsläufig?, ist Backofen überzeugt

Studenten mit Nebenjob müssen allerdings einige Spielregeln bei Kranken- und Rentenversicherung beachten. Unproblematisch ist ein so genannter 400-Euro-Job oder Minijob. Um Steuern und Sozialabgaben muss sich der Student dabei nicht kümmern, die trägt der Arbeitgeber pauschal. In den Semesterferien ist sogar ein Fulltime-Job okay, ohne das Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge anfallen ? vorausgesetzt, der Ferienjob ist auf zwei Monate pro Jahr befristet. Im Semester sind pro Woche maximal 20 Stunden jobben erlaubt. Ab dieser Grenze verliert der Nebenjobber seinen günstigen Studentenstatus bei der Krankenkasse. Wer meist am Wochenende arbeitet, darf im Einzelfall auch mehr Stunden abreißen

Nebenjobber, die gut verdienen, riskieren Kindergeld und Bafög. Kindergeld gibt es beispielsweise nur für Studenten, die maximal 7.680 Euro im Jahr erarbeiten. Bafög-Empfänger dürfen sogar höchstens 4.200 Euro jährlich verdienen, sonst bekommen sie anteilig die Förderung gekürzt ? mehr als 350 Euro monatlich sind also nicht drin. Schon ein Minijob kappt das Bafög um knapp 40 Euro

Finanzspritze von der Bank. Wer beim Bafög leer ausgeht und trotz Elternunterhalt und Minijob auf Dauer nicht über die Runden kommt, dem bleibt die Alternative, sich einen Teil seines monatlichen Bedarfs von der Bank zu leihen. Zahlreiche Banken, darunter Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, Deutsche und Dresdner Bank sowie die staatliche KfW bieten vergünstigte Darlehen für Studenten an.

Das Geld gibt es unabhängig vom Einkommen der Eltern und in der Regel ohne Sicherheiten. Im Gegensatz zum Bafög muss allerdings am Ende des Studiums die komplette Kreditsumme zurückgezahlt werden. Die Konditionen zu Zinssatz, Rückzahlung und maximaler Auszahlungsdauer variieren je nach Anbieter. Daher sollten sich Studienanfänger, die über einen Kredit nachdenken, bei verschiedenen Finanzinstituten an ihrem Studienort informieren und Angebote einholen. Bereits heute lassen sich viele Studenten bei der Finanzierung ihres Studiums von der Bank unter die Arme greifen: Die staatliche KfW Förderbank beispielsweise hat seit der Einführung vor einem Jahr rund 23.000 Studienkredite vergeben. Im Schnitt wählten die Studenten eine monatliche Rate von 480 Euro.

Knapp kalkulieren. Ob ein Studienkredit nach dem Studium zur Schuldenfalle wird, ist vor allem eine Frage der Dosierung. Wer zehn Semester lang jeden Monat 500 Euro von der Bank kassiert, startet mit knapp 35.000 Euro Schulden ins Berufsleben. Je nach Zinshöhe muss er später zehn Jahre lang Monat für Monat 300 Euro abstottern. Begnügt sich der Student dagegen mit nur 150 Euro Finanzspritze von der Bank pro Monat, hat er am Ende nur gut 10.000 Euro Miese

Da schon 50 Euro mehr im Monat sich im Laufe eines fünfjährigen Studiums mit Zinsen auf fast 4.000 Euro Schulden summieren, sollten Studenten bei der Kredithöhe geizen. Für alle, die nur die neuen Studiengebühren finanzieren wollen oder müssen, gibt es spezielle Angebote von den Landesbanken der Bundesländer, in denen es Semestergebühren gibt. Die Kredithöhe ist bei NRW.Bank, LfA Förderbank Bayern, L-Bank Baden-Württemberg und N-Bank Niedersachsen auf die Studiengebühren, also auf 500 Euro pro Semester, beschränkt. Vorteil für Bafög-Empfänger: Für Bafög und Studiengebühr-Darlehen gilt eine gemeinsame Schuldenobergrenze von 10.000 beziehungsweise 15.000 Euro, je nach Bundesland. Der Rest wird erlassen. ?Für alle, die den Bafög-Höchstsatz bekommen, sind Studiengebühr-Kredite daher sehr interessant?, sagt Kerstin Backofen von der Stiftung Warentest

Studienanfänger sollten erst einmal versuchen, wenigstens in den ersten Semestern ohne oder nur mit einem Mini-Darlehen auszukommen. In Semestern, in denen viele wichtige Prüfungen anstehen, oder kurz vor dem Abschluss kann es dagegen Sinn machen, den Studienkredit aufzustocken, um sich ganz auf Klausuren und Prüfungsvorbereitungen konzentrieren zu können. ?Wer abends ständig kellnert oder tagsüber auf Messen Flyer verteilt, statt zu büffeln, wird kaum die Regelstudienzeit einhalten können?, gibt Finanzexperte und Buchautor Martin Kinkel zu bedenken. Und mit jedem zusätzlichen Semester, fallen neue Studiengebühren an.

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Dieser Artikel ist erschienen am 16.06.2006