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Karstadt-Quelle kommt nicht zur Ruhe

Während der Durchbruch beim überlebenswichtigen Sanierungsprogramm auf sich warten lässt wackelt der Stuhl von Karstadt-Quelle-Chef Christoph Achenbach immer mehr. Bereits werden potenzielle Nachfolger gehandelt. Vor zehn Monaten war Achenbach noch als Hoffnungsträger angetreten.
Karstadt-Quelle-Chef Christoph Achenbach und der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Thomas Middelhoff. Foto: dpa
HB DÜSSELDORF. Der Aufsichtsrat des angeschlagenen Handelskonzerns Karstadt-Quelle wird sich nach Angaben von Mitgliedern des Gremiums am Donnerstag doch mit Personalangelegenheiten befassen: ?Die Vertragsverlängerung für Achenbach steht jetzt an.? Zwar sei das Thema Personalien bislang nicht vorgesehen gewesen, ?aber durch die öffentlichen Spekulationen wird es jetzt doch zwingend auf die Tagesordnung kommen.? Ein anderes Aufsichtsmitglied bestätigte, dass auf der Tagesordnung am Donnerstag auch der Punkt Personelles vorgesehen sei. ?Üblicherweise stehen dann Themen wie Vertragsverlängerungen zur Debatte.?Der Vertrag von Karstadt-Quelle-Chef Christoph Achenbach soll dabei nach einem Bericht ?Süddeutschen Zeitung? nicht verlängert werden. Das berichtet die Zeitung unter Berufung auf informierte Kreise. Achenbachs Vertrag läuft im März 2006 aus. An diesem Mittwoch trifft sich der Ständige Ausschuss des Aufsichtsrats von Karstadt-Quelle in Frankfurt, um über eine Vertragsverlängerung Achenbachs zu beraten. Unternehmenssprecher Jörg Howe lehnte es ab, diese Spekulationen, ?die wir seit Tagen hören?, zu kommentieren.

Die besten Jobs von allen

Wie die ?Süddeutsche Zeitung? weiter berichtet, wird sich die Mehrheit des Gremiums gegen einen Verbleib des 46-Jährigen an der Konzernspitze aussprechen. Nachfolger soll Spekulationen zufolge - zumindest für eine Übergangszeit - Harald Pinger werden, der erst im Herbst 2004 vom Industriegase-Hersteller Messer Griesheim zu Karstadt-Quelle gewechselt war und dort das Finanzressort übernommen hatte.Als Dienstältester käme nach Ansicht von Beobachtern interimistisch auch Helmut Merkel in Frage, der das Warenhausgeschäft bei Karstadt-Quelle verantwortet. Als möglicher externer Nachfolger war außerdem in der Presse Klaus Eierhoff ins Spiel gebracht worden, der das Logistikunternehmen Thiel leitet.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Daumen rauf oder runter für Achenbach?Daumen rauf oder runter für Achenbach?Vor zehn Monaten war er als Hoffnungsträger angetreten, nun könnte es sein, dass die Tage des Christoph Achenbach an der Spitze von Karstadt-Quelle gezählt sind. Nach Informationen von Dow Jones Newswires hatte Achenbach ultimativ eine weitere Amtszeit gefordert und damit gedroht, andernfalls den Job hinzuschmeißen. Mit dieser Haltung habe er sich keine Freunde gemacht, heißt es.Faktisch dürfte schon am Mittwoch intern klar sein, wohin die Reise geht. Denn am Nachmittag trifft sich, wie im Vorfeld einer jeden Sitzung des Aufsichtsrates, dessen Ständiger Ausschuss. Sechs Kontrolleure befinden dann über die Personalie Achenbach. Unter ihnen ist immerhin ein früherer Fürsprecher - Leo Herl, der Interessenvertreter des Großaktionärs Schickedanz, in dessen Hause die Karriere von Achenbach einst begann. Geleitet wird das Gremium vom Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Middelhoff, zu dem Achenbach nicht das beste Verhältnis haben soll. Am folgenden Tag um 14 Uhr tritt dann der 20-köpfige Aufsichtsrat im Plenum zusammen.Achenbachs Vertrag, der im März 2006 ausläuft, war im Jahre 2001 bei der Berufung des Managers in den Konzernvorstand geschlossen worden; eine neue Übereinkunft anlässlich seiner Bestellung zum Vorstandsvorsitzenden zum 1. Juni 2004 hatte es offenbar nicht gegeben. Achenbach habe deswegen taktisch ungeschickt unter Androhung der Kündigung die Verlängerung gefordert und inzwischen Anwälte eingeschaltet. Damit habe er es sich mit manchen verscherzt, sagte das Aufsichtsratsmitglied. Hinzu komme, dass die Sanierung nicht so gut laufe wie gewünscht.Achenbachs bisheriges Wirken stand unter keinem allzu guten Stern. Wiederholt gab es Negativmeldungen, die dann gleich auch auf den diffizilen Sanierungsprozess als Ganzen abfärbten. So hat eine Reihe von Gläubigerbanken ihre Kredite an Risikoinvestoren verkauft, was als Zeichen mangelnden Vertrauens aufgefasst wurde. Am kommenden Montag werden die Gläubiger, in deren Hand Karstadt-Quelle faktisch ist, nach Kenntnis von Dow Jones Newswires erneut zusammentreten. Die Sanierungserfolge, die Achenbach ihnen vorweisen kann, sind bescheiden. Zwar wurden einige Desinvestments getätigt, zuletzt der Verkauf großer Teile der Logistik an die Deutsche Post.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Hochspannung an der BörseDoch bislang kamen erst 35 % der 1,1 Mrd. Euro zusammen, die Karstadt-Quelle bis Ende dieses Jahres aus der Trennung von Randaktivitäten erlösen will. Aktuell laufen anscheinend Verhandlungen über die Abgabe von 75 kleineren Warenhäusern, doch die Preisvorstellungen des Investors sollen ein Drittel unter denen des Verkäufers liegen. Auch im operativen Geschäft bläst Achenbach der Wind ins Gesicht. Auf einen insgesamt schlimmen Januar folgte zwar im Warenhausbereich offenbar eine Linderung, doch besonders der Versender Quelle - den Schickedanz 1999 bei der Fusion mit Karstadt und Neckermann einbrachte - hat extrem zu kämpfen.An der Börse werden die Nachrichten mit Hochspannung verfolgt. ?Bei den kleinsten Gerüchten hat der Kurs zuletzt meist sehr heftig reagiert?, stellte ein Händler fest. Es vergehe ?kaum ein Tag ohne Spekulationen um Achenbach?. Die Aussicht auf einen Führungswechsel beflügelt dabei den nach Hiobsbotschaften aus dem Unternehmen immer wieder abgerutschten Kurs der Karstadt-Quelle-Aktie.Aktionärsschützer warnten unterdessen vor einem Schaden für das Unternehmen durch die anhaltenden Spekulationen. Ein ?Vorstandsvorsitzender auf Abruf? habe Probleme, ein derart ambitioniertes Sanierungsprogramm umzusetzen, wie es sich der Karstadt-Quelle-Konzern vorgenommen habe, sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.
Dieser Artikel ist erschienen am 05.04.2005