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Karstadt-Chef in Nöten

Von Christoph Schlautmann
Peter Wolf bekommt den Essener Warenhauskonzern Karstadt nicht in den Griff. Betriebsräte fordern angeblich schon den Rücktritt. Seine Geschäftspraktiken erinnern fatal an Wolfs Vorvorgänger Wolfgang Urban.
Peter Wolf und Ursula Karven im Gespräch. Foto: dpa
DÜSSELDORF. Gern verbindet Peter Wolf Nützliches mit Privatem. "Es hat richtig Spaß gemacht, mit Charly Steeb auf Mallorca ein paar Runden Tennis zu spielen", schwärmte der Karstadt-Chef leutselig nach seiner Rückkehr Mitte Oktober in Hamburg. Das Prahlen über die neue Freundschaft mit dem Ex-Daviscup-Spieler hätte er sich besser verkniffen. Sie nämlich verdankt der gut trainierte Handelsmanager allein dem Spitzenamt im Essener Warenhauskonzern.Braun gebrannt hatte der 48-Jährige noch auf Mallorca einen Vertrag unterschrieben, der Steebs Gattin Kimberley zur Designverantwortlichen der neuen Joga-Kollektion für Karstadts Sporthäuser macht, gemeinsam mit deren Freundin Ursula Karven. Zweiflern am angeblich enormen Erfolgspotenzial dieses Randsortiments beschied Wolf: "Meine Frau betreibt selbst Joga und ist völlig begeistert."

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Geschäftspraktiken wie diese erinnern fatal an Wolfs Vorvorgänger Wolfgang Urban, der einst die unheilvolle Allianz mit Starbucks -Gründer Howard Schultz auf einem Golfplatz bei Seattle besiegelte - mit womöglich derselben Konsequenz: Im Vorstand des Mutterkonzerns Arcandor gilt Wolf, seit 17 Monaten erst Mitglied des Führungsgremiums, schon wieder als Auslaufmodell. Nahezu in Rekordzeit hat sich der Hoffnungsträger im Konzern selbst demontiert. "Intern hat Wolf im Vorstand und bei den Mitarbeitern nur noch Feinde", berichtet ein Mitarbeiter. "Er ist völlig isoliert."Mitglieder des Betriebsrats bestätigen dies ebenso wie Vorstandsmitarbeiter. Statt sich um das gesamte 92 Häuser umfassende Warenhausnetz zu kümmern, konzentriere sich der ehemalige Tchibo-Vorstand allein auf die vier Top-Warenhäuser der Premium-Group - eine Doppelarbeit: denn für diese Aufgabe hat Arcandor -Chef Thomas Middelhoff eigentlich Patrice Wagner vorgesehen. Kritiker werfen Wolf zudem vor, Strategien nur halbherzig zu verfolgen.So startete er nach dem Vorbild Tchibos ("Jede Woche eine neue Welt") im April in seinen Häusern mit monatlich wechselnden Themenwelten. Inzwischen erweist sich das Marketingkonzept als veritabler Flop: Während die Erlöse von Wettbewerber Kaufhof nahezu stabil blieben, verlor Karstadt Umsatz wie nie. Im Weihnachtsquartal brach das Geschäft um 8,4 Prozent ein. Dabei hatte der Warenhauschef am Nikolaustag noch einen Umsatz auf Vorjahresniveau versprochen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Auch im Umgang mit dem Personal gilt Wolf als schwierigWolf hätte es besser wissen sollen. Tchibos Verkaufsmodell galt schon vor dem Start seiner Kampagne als gescheitert. Weil sich in Deutschlands Haushalten längst Toaster, Badehandtücher oder Tischstaubsauger türmen, kommt Karstadt mit seinen Aktionen viel zu spät. Über den Fortschritt der Karstadt-Sanierung zeigen sich Handelsexperten deshalb enttäuscht. "Dort wollte man weiter sein, als man heute ist", sagt Zafer Rüzgar von Independent Research. "Insgesamt sind die Ergebnisse nicht zufriedenstellend."Auch im Umgang mit dem Personal gilt Wolf als schwierig. Nicht nur die langjährige Warenhaus-Vorstandssekretärin suchte sich kurz nach seinem Antritt einen neuen Job im Konzern, auch der als Hoffnungsträger angekündigte Einkaufschef Heinz Hackl gab auf - nach nur anderthalb Monaten im Amt.Erst recht mit dem Betriebsrat hat es sich Wolf gründlich verscherzt. "Es ist ein Problem, wie er mit Mitbestimmungsfragen umgeht", empört sich ein Arbeitnehmervertreter. Streit gab es nicht nur über die einheitliche Berufsbekleidung, auch die Ausgliederung des Buchhandels an Weltbild/Hugendubel, der Computerabteilungen an Gravis und einzelner Drogerieabteilungen an Müller wollte Wolf offenbar weitgehend ohne Abstimmung mit den Arbeitnehmern über die Bühne bringen. Die fordern, so ein Vertreter, deshalb nun Wolfs Ablösung. Kontakt zum Betriebsrat halte seitdem nur noch Einkaufschef Heinz Thünemann. Ein Konzernsprecher bestreitet dies. "Die Stimmung ist wegen der derzeitigen Aufsichtsratswahlen der Arbeitnehmerseite politisch aufgeheizt", verteidigt sich Wolf. "Die Betriebsräte versuchen, sich zu profilieren, indem sie mich angreifen."Wolfs Abgang könnte zu einer neuen Belastung für Arcandor -Chef Middelhoff werden, der schon wegen des Kurseinbruchs unter Beobachtung der Großaktionäre um Madeleine Schickedanz stehen dürfte. Middelhoff hatte Wolf in den Konzern geholt, der Vertrag läuft bis Mitte 2009. Entsprechend will man in Essen von einer Demission Wolfs nichts wissen. "Darüber gibt es keine Diskussion", sagt ein Konzernsprecher. Ein geeigneter Nachfolger stünde aber bereit. Ende August 2007 wechselte Kaufhof-Vorstand Stefan Herzberg, 42, zu Arcandor, weil ihm der damalige Metro -Chef Hans-Joachim Körber den Weg an die Kaufhof-Spitze verwehrte. Zunächst heuerte er beim Arcandor -Versender Neckermann.de an. Der aber geht bald mehrheitlich an Sun Capital - ob Herzberg mitgeht, ist fraglich.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.01.2008