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Karrieretypen

Bernd Andersch
Auch der "Penetrator" verfolgt beharrlich seine Ziele. Wurde ihm etwas vom Vorgesetzten versprochen, hakt er gnadenlos, aber freundlich nach. Seine Leitsätze: Wissen, was man will; nicht abschütteln lassen; Frustschwelle hoch setzen; Ablehnung nicht persönlich nehmen.
"Auch ich musste erst die Millionen verdienen, bevor es Milliarden wurden!" So könnte der Tip von Bill Gates für ambitionierte Karrieremacher lauten. Wenn Sie etwas bescheidenere Ansprüche stellen, können Sie mit den Ratschlägen normalerer Karrieristen mehr anfangen. Thomas P. lebt seinen Beruf wie ein "Pionier". Der Dr.Ingenieur wechselt soeben in Goldgräberstimmung in die Venture Capital-Szene. Der Mut, sich auf Neues einzulassen, zeichnet ihn aus. Er rät, Entwicklungen zu verfolgen und persönliche Chancen daraus abzuleiten. Was spricht gegen Inititativbewerbungen?Als "Arbeiter" verstehen sich Matthias Z. und Jochen R.; der eine, gerade 25 Jahre alt, verdient ohne Studium in der Telekommunikationsbranche 150 000 DM, der andere als Manager für Internet-Projekte 200 000 DM. Beide setzen auf hohes Engagement: Ärmel hochkrempeln, sich für keine Arbeit zu schade sein, bis Mitternacht für die Firma dasein. Ihre Devise: In den richtigen Projekten engagiert mitarbeiten, sich die Arbeit aber auch bezahlen lassen.

Die besten Jobs von allen

Carola M. ist "Netzwerktechnikerin". Die Vertriebsmanagerin empfiehlt: Auch außerhalb des direkten Arbeitsumfeldes kontakten, wichtige Führungskräfte kennenlernen und keine Angst vor dem Vorstand haben. Hallo sagen, Banalitäten austauschen, über gute Arbeitsergebnisse plaudern. Ihr Motto: Nase zeigen, Gutes tun, darüber sprechen. Joachim H. ist Biologe und der "Konzentrator". Er entwickelte sich durch zwei Stellenwechsel mit nur zwei Bewerbungen vom Pharmareferenten zum Produktmanager in der Gentechnologie. Er konzentriert sich auf die Arbeit, hält sich fachlich auf aktuellem Stand. Sehr nüchtern betrachtet er den Arbeitsmarkt, bis die Stelle angeboten wird, die ihn interessiert. Dann erzwingt er die Personalentscheidung - für sich.Auch der "Penetrator" verfolgt beharrlich seine Ziele. Wurde ihm etwas vom Vorgesetzten versprochen, hakt er gnadenlos, aber freundlich nach. Seine Leitsätze: Wissen, was man will; nicht abschütteln lassen; frustschwelle hoch setzen; Ablehnung nicht persönlich nehmen. Mit schlechten Noten und gutem Durchhaltevermögen bewarb sich der Diplom-Kaufmann Gunther S. ein Jahr telefonisch, bis er eine Stelle im Finanzwesen eines internationalen Konzerns fand. Zwei Jahre später wechselte er in die Europazentrale nach London. Heute ist er gefragter Spezialist in US-Rechnungslegung.Fast vergessen erlebt der "Fachmann" eine Renaissance. Konstrukteure, Entwickler und Industrieforscher werden knapp. Wissen wird wieder Macht. Die wirklichen Großverdiener zeichnen andere Eigenschaften aus: "Charismatiker", die mit ihrer faszinierenden Ausstrahlung immer auf der Gewinnerseite des Lebens scheinen; "Glücksritter", die zur richtigen Zeit im richtigen Unternehmen landen, sich automatisch entwicklen, bis sie für viel Geld abgeworben werden. Andere Karrieren werden durch Geld- und Machttrieb beflügelt. Horst G. avancierte in vier Jahren vom technischen Einkäufer zum Alleingeschaftsführer. Seine Philosophie: Aufräumarbeiten leisten, wenig Emotionen zeigen, immer größere materielle Ziele stecken.Ich habe hier einige Menschen beschrieben, die durch einen Charakterzug dominiert werden. Doch eine gute Mischung ist für den Karrieristen und seine Umwelt verträglicher. Und: Bei allen beruflichen Ambitionen sollten für eine ausgewogene persönliche Abschlussbilanz Moral, Ethik, private Ziele nicht auf der Strecke bleiben.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.02.2001